Börsenstart von Shein: Schwacher Auftakt und sinkende Bewertung
Der Online-Händler Shein strebt an der Börse in Hongkong eine Marktkapitalisierung von 26 Milliarden US-Dollar an. Kritiker hoffen auf mehr Fairness im Wettbewerb.
Quick Look
- Der Online-Händler Shein startet mit einer niedrigeren Bewertung von 26 Milliarden US-Dollar an der Börse in Hongkong.
- Das 2012 in China gegründete Unternehmen kämpft mit schärferen Regeln, Kritik an seinem Geschäftsmodell und einem gedämpften Wachstum.
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Why It Matters
Shein wurde 2012 in China gegründet und hat sich zu einem globalen Online-Händler für Billigkleidung entwickelt.
Der schwache Start hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. Viele Analysten hielten den Ausgabepreis im Vergleich zu Konkurrenten wie Temu für teuer. Dabei war die Bewertung von Shein seit Jahren kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2022 war der Unternehmenswert noch auf umgerechnet 100 Milliarden US-Dollar beziffert worden. Zum Börsenstart peilte die Firma nun lediglich eine Marktkapitalisierung von 26 Milliarden US-Dollar an. Zum Vergleich: Die schwedische Bekleidungsfirma H&M wird derzeit an der Börse mit etwa 30 Milliarden Dollar bewertet.
Niedrige Preise sind die Spezialität des Online-Händlers, der sich innerhalb weniger Jahre zur globalen Marke entwickelt hat und im Jahr 2025 geschätzt 273 Millionen aktive Kunden in etwa 160 Ländern zählte. Konsumenten auf der ganzen Welt bestellen über die Plattform millionenfach Billigprodukte, insbesondere Bekleidung. Shein gehörte zu den großen Profiteuren des E-Commerce-Booms während der Corona-Pandemie. Verschickt werden die Bestellungen meist in kleinen Päckchen direkt von Herstellern in China. Auf diese Weise konnten Zollbestimmungen und andere Regeln umgangen werden. Das führte in den USA und Europa zu Kritik. Unternehmen wie Shein wurde immer wieder vorgeworfen, gegen Umwelt- und Arbeitsschutzrichtlinien zu verstoßen und Produkte auf den Markt zu bringen, die nicht den Qualitäts- und Sicherheitsstandards entsprechen.
Shein hatte seinen Börsengang mehrfach verschoben
In Reaktion auf den Ultra-Fast-Fashion-Trend haben sowohl amerikanische als auch europäische Behörden ihre Regeln verschärft. Zum Beispiel wurden Zölle auf kleine Pakete eingeführt, die zuvor von Zollbestimmungen ausgenommen waren. Die Sendungen aus China gingen daraufhin bereits deutlich zurück. In Frankreich wird seit 1. September zudem eine Sonderabgabe für Billig-Bekleidung erhoben, die von 50 Cent für Socken bis zu zwölf Euro für Jacken gestaffelt ist und bis 2030 weiter ansteigen soll. Shein hat zwar in jüngster Zeit an seinem Ruf gearbeitet und unter anderem in der Pariser Innenstadt einen großen Shop eröffnet. Die kritische Debatte über das Kern-Geschäftsmodell und die verschärften Regeln haben das Wachstum aber trotzdem merklich gedämpft und sind ein Grund dafür, dass die Bewertung des Unternehmens seit 2022 mehrfach nach unten korrigiert wurde. Ob die Ikone des Wegwerf-Kapitalismus auch als langfristige Finanzanlage gefragt sein wird, ist eine der Fragen, die nun an der Hongkonger Börse beantwortet werden sollen.
Shein hatte den Börsengang mehrfach verschoben. Das 2012 in China gegründete Unternehmen lange versucht, sich ein globales Image zu geben und verlegte etwa seinen Firmensitz nach Singapur. Eigentlich wollte es seine Aktien zunächst in New York oder in London an die Börse bringen. Das scheiterte aber an verschiedenen Behörden. Mit dem Börsengang in Hongkong rückt Shein nun wieder näher an China heran, wo auch ein Großteil der Produkte hergestellt wird, die das Unternehmen über seinen Online-Shop vertreibt.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) hofft, dass der Börsengang zu mehr Fairness im Wettbewerb mit europäischen Konkurrenten führt. Bisher sei dies im Wettbewerb mit Shein nicht der Fall, sagte der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp der Nachrichtenagentur dpa. Das Unternehmen halte sich in vielen Fällen nicht an die hierzulande gültigen Regelungen. Tromp hält deshalb eine positive Auswirkung durch den Börsengang für möglich. „Denn mit der Notierung an der Börse erwarten die Anleger, dass alle Pflichten und Regeln eingehalten werden.“
Mit einer Marktkapitalisierung von 26 Milliarden Dollar ist Shein einer Berechnung des Wirtschaftsdienstes Bloomberg zufolge im Verhältnis zu seinem Unternehmensgewinn etwas höher bewertet als andere Firmen an der Hongkonger Börse und auch als etwa der Konkurrent Temu. Bloomberg erwartet für Shein im kommenden Jahr einen Umsatz von 44,3 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 1,7 Milliarden US-Dollar, was einem moderaten Wachstum von etwa 3,4 Prozent entsprechen würde. Im Ausgabepreis sei bereits ein Teil des erwarteten Wachstums beinhaltet, zitiert die Wirtschaftsagentur Gary Tan, einen Portfoliomanager bei Allspring Global Investments. Er erwarte daher Zurückhaltung bei den Investoren, solange bis sich zeige, ob die prognostizierten Zuwächse auch tatsächlich erreicht werden können.
Anleger in Deutschland werden von dem Börsengang des Billigheimers in Fernost vorerst kaum betroffen sein. Nur bei wenigen Onlinebrokern kann man direkt am Hongkonger Aktienmarkt anlegen. Investitionen in Börsengänge sind grundsätzlich mit hohen Risiken verbunden, die für Privatanleger nur schwer einzuschätzen sind. Wer einen Schwellenländer- oder Asien-ETF im Depot hat, könnte aber irgendwann auch Shein in sein Portfolio bekommen, falls das Unternehmen in entsprechende Aktienindizes aufgenommen wird. Dies dauert aber in den meisten Fällen ein wenig, da die meisten Indizes nur quartalsweise oder halbjährlich nach bestimmten Kriterien angepasst werden.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Bloomberg erwartet für Shein im kommenden Jahr einen Umsatz von 44,3 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 1,7 Milliarden US-Dollar.
Possible · Within months
Open Questions
- Wird Shein die prognostizierten Zuwächse erreichen?
- Wie reagieren internationale Börsen auf die Aktie?







