Brasilien steht vor möglicher Stichwahl zwischen Lula und Bolsonaro-Sohn
Quick Look
- Kurz vor den brasilianischen Präsidentschaftswahlen liegen der amtierende linke Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und der rechte Senator Flávio Bolsonaro in den Umfragen eng beieinander.
- Beide werden voraussichtlich nicht die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang erreichen, was eine Stichwahl am 25.
- Oktober wahrscheinlich macht.
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Why It Matters
Brasilien befindet sich in einer polarisierten politischen Lage, wobei der Wahlkampf zwischen dem linken Amtsinhaber Lula und dem rechten Kandidaten Flávio Bolsonaro, Sohn des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, stattfindet. Lateinamerika hat in den letzten Jahren einen Rechtsruck erfahren, wobei Wahlen in Argentinien, Chile, Bolivien, Kolumbien und Peru rechtsgerichtete Kandidaten gebracht haben.
Kurz vor den brasilianischen Wahlen am Sonntag liegen der linke Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und der rechte Senator Flávio Bolsonaro in den Umfragen eng beieinander. Beide werden den Erhebungen zufolge vermutlich nicht die für einen Sieg im ersten Wahlgang nötige absolute Mehrheit erreichen, womit vieles auf eine Stichwahl zwischen den beiden am 25. Oktober hindeutet.
Lula von der linken Arbeiterpartei (PT) steht für die Fortsetzung seines Regierungskurses mit Sozialprogrammen, öffentlichen Investitionen und einer stärkeren Rolle des Staates. Der 80-Jährige war bereits von 2003 bis 2010 Staatschef und bewirbt sich um eine vierte Amtszeit.
Flávio Bolsonaro, der Sohn des früheren und derzeit unter Hausarrest stehenden Präsidenten Jair Bolsonaro, tritt für einen Abbau staatlicher Leistungen und ein härteres Vorgehen gegen Kriminalität ein. Sein Vater wurde vom Obersten Gericht wegen eines versuchten Putsches nach seiner Niederlage bei den letzten Wahlen gegen Lula zu mehr als 27 Jahren verurteilt. Flávio präsentiert sich als gemäßigtere Version seines rechtsextremen Vaters, stützt sich dabei jedoch auf dessen politische Basis. Auch gegen Flávio wird wegen mutmaßlicher Geldwäsche und Korruptionsvorwürfen ermittelt.
Sorge vor Einflussnahme der USA
Neben der Bekämpfung von Kriminalität ging es im Wahlkampf auch um die Unabhängigkeit des Obersten Gerichts und das Verhältnis zu den USA. Brasiliens Geheimdienst Abin hatte im August auf das Risiko einer US-Einflussnahme hingewiesen. US-Präsident Donald Trump sagte kürzlich, er würde die Wahl »sehr aufmerksam« verfolgen. Lula hatte Trump im Wahlkampf wiederholt aufgefordert, sich nicht in den brasilianische Wahlprozess einzumischen.
Lateinamerika ist in den vergangenen Jahren durch Wahlen in Argentinien, Chile, Bolivien, Kolumbien und Peru deutlich nach rechts gerückt. Ein Sieg des Linkspolitikers Lula würde Brasilien neben Mexiko als große linke Bastion in der Region erhalten, während ein Erfolg Flávio Bolsonaros den Rechtsruck auf dem Kontinent weiter vorantreiben würde.
Bei den Wahlen am Sonntag sind rund 159 Millionen Wahlberechtigte dazu aufgerufen, über die politische Zukunft des größten Landes Lateinamerikas zu entscheiden. Insgesamt treten zwölf Kandidaten zur Präsidentenwahl an, die übrigen zehn Bewerber liegen in den Umfragen jedoch deutlich hinter den beiden führenden Kandidaten.
Gewählt werden neben dem Präsidenten und Vizepräsidenten auch zwei Drittel der 81 Sitze im Senat sowie alle 513 Abgeordneten der Abgeordnetenkammer. Zudem werden die Gouverneure der 26 Bundesstaaten und des Bundesdistrikts sowie die Abgeordneten der Landesparlamente gewählt.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Es findet eine Stichwahl zwischen Lula und Flávio Bolsonaro am 25. Oktober statt.
Very likely · Within weeks
Die Ermittlungen gegen Flávio Bolsonaro wegen Geldwäsche und Korruption werden während des Wahlkampfs fortgesetzt.
Likely · Within weeks
Open Questions
- Erreichen Lula oder Flávio Bolsonaro die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang?
- Wie wird die mögliche Stichwahl am 25. Oktober ausgehen?
- Welche konkreten Schritte werden gegen den Vorwurf der US-Einflussnahme unternommen?
- Wie werden die Ermittlungen gegen Flávio Bolsonaro wegen Geldwäsche und Korruption den Wahlkampf beeinflussen?