
Nach der Entlassung von Firmenchef Roland Weening übernimmt der Milliardär wieder das Ruder beim Getränkekonzern.
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Hans-Peter Wild übernahm das Familienunternehmen und machte Capri-Sun zu einem internationalen Erfolg. Nun kehrt er mit 85 Jahren ins operative Geschäft zurück.
Düsseldorf. Anfang September erst feierte Capri-Sun-Eigentümer Hans-Peter Wild mit 85 Jahren Hochzeit. Der Getränke-Unternehmer heiratete seine langjährige Partnerin, Rechtsanwältin Christine Drage – passenderweise auf der Insel Capri. Es soll ein rauschendes Fest über drei Tage gewesen sein. Star-Geiger David Garrett unterhielt die rund 170 Gäste.
Ausgedehnte Flitterwochen wird sich Wild nun vermutlich nicht gönnen. Am Donnerstag gab der Getränkekonzern überraschend bekannt, dass Wild wieder ins operative Geschäft du Unternehmens einsteigt.
Der Schritt folgt auf die Entlassung von Firmenchef Roland Weening. Dieser sei vergangene Woche von seinen Aufgaben in der Capri Sun Group Holding AG entbunden worden, hieß es bei Capri-Sun. Zu den Hintergründen machte das Unternehmen keine Angaben.
„Das Unternehmen wird weiterhin erfolgreich von den bestehenden Führungskräften und Mitarbeitenden sowie dem Eigentümer Hans-Peter Wild geführt“, hieß es in einer Mitteilung. Wild werde dabei weiterhin als Verwaltungsratspräsident tätig sein. Zuvor hatte die Zeitung „Mannheimer Morgen“ darüber berichtet.
Sechs Milliarden der ikonischen Trinkbeutel mit Aluminium verkauft Capri-Sun jedes Jahr, in mehr als 100 Ländern. Der Außenumsatz, der Umsatz mit eigenen Produkten sowie Lizenzgebühren, lag zuletzt bei 1,4 Milliarden Dollar im Jahr. Dabei kooperiert das Unternehmen mit diversen Lizenznehmern wie Kraft Heinz in den USA.
Rund 1000 Beschäftigte arbeiten in 24 Werken weltweit. Capri-Sun hat sein Stammwerk in Eppelheim bei Heidelberg. Das Unternehmen hat allerdings seinen Hauptsitz in Zug in der Schweiz. Dort lebt auch Wild seit mehr als 30 Jahren.
Capri-Sun sorgte zuletzt vor allem für Schlagzeilen, weil es sich seit 2024 um eine Rückkehr zum Plastikstrohhalm bemüht, den die EU verboten hatte. Umwelt- und Verbraucherschützer kritisieren dies.
Das Unternehmen will nach eigenen Angaben den Strohhalm aus dem gleichen Material herstellen wie den Trinkbeutel: den Kunststoff Polypropylen. Capri-Sun wollte dazu mit einer Online-Petition eine Million Unterschriften sammeln, kam aber nur auf weniger als 170.000.
„Das plötzliche Strohhalmverbot ist eine Existenzfrage für uns“, sagte Wild vor einigen Jahren dem Handelsblatt. „Die Umstellung ist ein riesiger Akt für uns mit beachtlichen Kosten.“
Künftig dürfte auch die geplante Zuckersteuer auf Softdrinks die Geschäfte des Getränkeherstellers belasten. Foodwatch kritisierte den hohen Zuckergehalt einiger Getränke. Capri-Sun hat nach eigenen Angaben bereits Zucker reduziert.
Wild war 1973 in das Familienunternehmen eingetreten. Der Diplom-Kaufmann und Jurist hat Capri-Sun zu einem internationalen Bestseller gemacht. Wilds Vater Rudolf, ein Chemiker, gründete 1931 die Zickzack-Werke, die rein natürliche Aromen und Grundstoffe für Nahrungsmittel herstellten. 1951 kam die Limonade Libella auf den Markt.
Der Durchbruch gelang, als der Vater den sogenannten Heidelberger Mixer entwickelte. „Die Mischmaschine platzierte er kostenlos bei 50 Getränkeherstellern – unter der Bedingung, dass sie unsere Grundstoffe abnehmen“, sagt der Sohn.
1956 kamen die deutschen Sisi-Werke hinzu, die vor 50 Jahren Capri Sonne auf den Marktbrachten. Der Clou war der Standbeutel. Damals gab es Getränke für unterwegs im dreiseitigen Tetraeder, etwa von Sunkist aus Kalifornien. „Den Marktführer haben wir lange bekämpft, bis er vom Markt verschwand“, sagt Wild. Gegen mehr als 40 Nachahmer zog er weltweit zu Felde.
Das Patent für die Saftbeutel-Maschine hielt ein Franzose, der sonst Nähmaschinen produzierte. Noch als Student verhandelte Hans-Peter Wild damals mit dem Erfinder. „Ich war der Einzige in der Firma, der Fremdsprachen konnte“, sagt Wild, der an der Pariser Traditionsuniversität Sorbonne seine Doktorarbeit geschrieben hat.
„Die Maschine war eine Katastrophe“, erinnert sich Wild. „Die Beutel liefen ständig aus. So entwickelte mein Vater eine bessere.“ 1974 wechselte der Sohn aus der Ölindustrie ins Familienunternehmen und startete die weltweite Expansion von Wild Flavors und Capri-Sun.
Wilds wohl spektakulärster Coup war sein Werbedeal mit Muhammad Ali. Der Boxer trank ohnehin Capri-Sun und ließ sich 1979 zu einem Werbefilm überreden. Wild bat Ali, etwas zum Produkt zu erzählen, da sprach der Boxer spontan den legendären Satz: „I am now the greatest, but when I stop boxing, Capri-Sun is gonna be the greatest.“
Der Spot brachte den Durchbruch in den USA und weltweit. Weil der Boxer seine Werbeverpflichtungen schleifen ließ, kam Wild sehr günstig bei dem Deal weg.
„Hans-Peter Wild ist einer der großen Unternehmer Deutschlands“, sagte Johannes Huth, Partner des US-Finanzinvestors KKR, einmal dem Handelsblatt. „Wild Flavors hat zwar sein Vater gegründet, aber er hat es zu einem weltweiten Marktführer aufgebaut.“
2010 hatte Wild den Finanzinvestor KKR an seiner Aromensparte beteiligt, die rund eine Milliarde Euro Umsatz machte. 2014 übernahm US-Nahrungsmittelriese ADM Wild Flavors – für 2,3 Milliarden Euro. Vor zwei Jahren berichtete Bloomberg, dass auch Capri-Sun nach einem Minderheitsinvestor suche.
Sein Unternehmen und Vermögen, das das Magazin „Forbes“ auf einen Wert von 4,6 Milliarden Dollar schätzt, hatte Wild in eine Liechtensteiner Stiftung überführt. Sein Bruder Rainer hatte sich auszahlen lassen. Wilds Söhne Robert und Christoph hatten kein Interesse an der Firma ihres Vaters. So kümmert sich nun der 85-Jährige wieder um das Firmengeschäft.

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