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Der Caravan-Salon in Düsseldorf ist die weltweit größte Messe der Caravaning-Branche. Trotz rückläufiger Zulassungen im Inland bleibt das Interesse am Caravaning hoch, getrieben von steigenden Übernachtungszahlen auf Campingplätzen.
Nein, Business as usual ist das in diesem Jahr nicht. Eine derart breit gefächerte Neuheitenflut, wie sie der 65. Caravan-Salon in Düsseldorf als weltweit größte der Caravaning-Branche aufbietet, gab es schon lange nicht mehr. Und dabei geht es nicht, wie so oft in der Vergangenheit, um ein paar neue Polsterstoffe hier und ein moderneres Möbeldekor dort. Die Hersteller von Reisemobilen und Camper-Vans präsentieren sich erstaunlich kreativ, innovativ und offensiv.
Das hat Gründe. Einerseits ist das Interesse am Caravaning nach wie vor groß, wie die Rekordzahlen an Camping- und Stellplatzübernachtungen beweisen. Tendenz weiter steigend. Andererseits drehten ausgerechnet vor dem wichtigsten Branchentreff die Reisemobil-Zulassungen hierzulande ins Minus (Januar bis Juli minus 3,3 Prozent).
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In einem schwierigen Umfeld von schwacher Konjunktur, gestiegenem Preisniveau und geopolitischen Unsicherheiten muss der Handel den Kunden wieder aktiv umwerben. Dabei gilt es, den Bedürfnissen eines Aktivsportlers ebenso gerecht werden zu müssen wie denen eines Familienurlaubers oder Rentnerehepaars, das im wärmeren Süden überwintern will.
Einer der markantesten Trends: die steigende Nachfrage nach Allradfahrzeugen. Sie hat sogar dazu geführt, dass die Düsseldorfer Messeleitung die 4×4-Wohnmobile markenübergreifend in einem eigenen Offroadbereich bündelt. Dort debütiert mit dem sechs Meter langen Campervan CV 595 X-Edition ab 88.600 Euro erstmals auch ein Allräder bei der Einsteigermarke Carado. Basisfahrzeug ist hier der VW Crafter.
Haupttreiber des Allradhypes ist allerdings der Mercedes Sprinter, der zuletzt selbst preisbewusste Anbieter wie Pössl und Clever dazu animierte, sich in sechsstellige Preisregionen vorzuwagen. Und weil in einem nächsten Schritt Mercedes das sogenannte Torque-on-Demand-Allradsystem, das die Antriebskraft automatisch zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt, jetzt auch für vollintegrierte Fahrzeuge verfügbar macht, dürfte dies der Sprintermania im Reisemobilbereich weiter Rückenwind verleihen.
Der Integrierte Imperial Ri 830 Traq 4×4 des schwedischen Herstellers Kabe feiert als erstes Modell mit dem neuen System in Düsseldorf Premiere. Für die skandinavische Premiummarke, die ihre Produkte auf Ganzjahrestauglichkeit und Winterfestigkeit auslegt, ist dies die ideale Ergänzung für ihr Flaggschiff. Nicht um mit dem 260.000 Euro teuren Acht-Meter-Riesen im Gelände aufzutrumpfen, sondern für optimale Traktion auf Schnee oder matschigen Wiesen.
Der Teilintegrierte Eura Xtura ist ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz des 4×4-Sprinters als schickes Abenteuermobil für Pisten abseits asphaltierter Wege. Zu Preisen zwischen 150.000 und 180.000 Euro wurde er in seinem ersten Jahr bereits stolze 200 Mal verkauft. Mit der Premiere des 6,68 Meter langen und damit 20 Zentimeter kürzeren Xtura 656 HB bekommt er nun einen kleinen Bruder zur Seite gestellt, der gleich zwei weitere Trends in der Caravaning-Szene bedient.
Einmal das Thema Autarkie, das generell an Bedeutung gewinnt. Dank Solarzellen auf dem Dach, zusätzlichen Lithiumbatterien und Wechselrichter an Bord verspricht Eura bei seinem Debütanten ebenso wie beim Schwestermodell bis zu 30 Tage ohne Landstrom auszukommen.
Und außerdem das Thema Dachzelt. Auf dem Dach eines Personenwagens sieht man die günstige Alternative zu Wohnmobil und Caravan immer häufiger, sodass die Messe Düsseldorf auch für diese Gattung einen eigenen Bereich geschaffen hat. Auf dem Dach eines gestandenen Allrad-Mobils ist das dagegen neu. Das sich per Knopfdruck aufstellende Dachzelt mit GFK-Schale soll im Xtura 656 HB Abenteuer-Urlaub auch für die Familie ermöglichen – sofern bei einem Preis von 183.000 Euro das Bankkonto gut gefüllt ist.
Prominente Sprinter-Neuzugänge, allerdings ohne Allradantrieb, vermelden auch die Traditionsmarke Dethleffs mit dem neuen Alkoven-Modell Graneo A6823-2 für die Oberklasse sowie der italienische Hersteller Laika. Die Schwestermarke aus der Erwin-Hymer-Gruppe setzt bei ihrem neuen Flaggschiff Kreos auf die Wirkung italienischen Designs und zeigt, wie auch ein großer weißer Kasten elegant aussehen kann. Beide Mercedes-Riesen liegen bei rund 170.000 Euro Grundpreis.
Auch die komplett renovierte, integrierte Hymer B-Klasse Master-Line und der Teilintegrierte Bürstner Signature SMT passen in die Kategorie neue Flaggschiffe auf Sprinter-Basis.
Besonders ausgefallene Grundrissideen präsentiert zum neuen Modelljahrgang die französische Rapido-Gruppe. Einmal mit den Camper-Van-Ausbauten Rapido V64 und Dreamer D64 (jeweils ab 71.000 Euro), die in einem 6,36-Meter-Fiat-Ducato erstmals ein echtes Queensbett verwirklichen. Und bei der deutschen Westfalia-Tochter feiert der Columbus Liner Premiere, der das Aufstelldach samt Dachterrasse in den Wohnbereich mit einbezieht und auf der gleichen Fiat-Basis Luxus auf drei Ebenen bieten soll. Das Relaxen in drei Metern Höhe hat allerdings auch seinen Preis: 105.000 Euro in der voll ausgestatteten First Edition.
Von einem erkennbaren Trend noch weit entfernt ist das Thema Elektromobilität. Alle Studien der vergangenen Jahre, von Dethleffs, Knaus und Bürstner mit viel Optimismus präsentiert, sind längst wieder eingemottet. Die Gewichtsproblematik mit der 3,5-Tonnen-Begrenzung war nicht in den Griff zu bekommen. Bis zur gesetzlichen Umsetzung der neuen Führerscheinrichtlinie mit der Erhöhung des Gewichtslimits auf 4,25 Tonnen, die vom Europäischen Parlament bereits abgesegnet ist, liegt scheinbar alles auf Eis.
Von vereinzelten vollelektrischen Ausbauten wie dem Eifelland-Camper-Van auf Basis des Nissan Interstar-e einmal abgesehen greift nur Volkswagen die Thematik auf und feiert mit dem ID California Cruise die Weltpremiere des ersten vollelektrischen Campers auf Basis des ID Buzz, der mit der großen 86-kWh-Batterie bis zu 455 Kilometer Reichweite (WLTP) schaffen soll.
Das klingt aufregender, als es sich letztlich in der Praxis darstellt, denn die speziell entwickelte Campingausstattung besteht im Wesentlichen aus einer Schlaflösung für zwei Personen mit einer Liegefläche von 2,03×1,20 Meter. Ein bisschen wie der California Beach in elektrisch, nur ohne Aufstelldach. Dazu Verdunklungselemente, die California App sowie zwei Campingstühle und ein Tisch für draußen.
Aber schließlich steht der ID California Cruise, der zu einem Startpreis ab 60.761 Euro ab Anfang 2027 ausgeliefert werden soll, nur am Anfang einer ganzen Elektrocamper-Familie, die etappenweise bis 2028 ausgerollt werden wird. Das lässt immerhin hoffen.

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