
Während weltweit Pubs schließen und der Bierkonsum sinkt, setzt der Mutterkonzern Diageo massiv auf die Erfolgsmarke Guinness und plant eine Verdopplung der Produktion.
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Guinness gehört seit 1997 zum Getränkekonzern Diageo. Die Biermarke erlebt derzeit trotz sinkenden weltweiten Alkoholkonsums einen anhaltenden Boom.
Die Marke Guinness lebt von Zahlen: 119,5 Sekunden braucht es, um das perfekte Pint zu zapfen, zehn Tage braucht es "from grain to gate", also um aus den Getreiderohstoffen ein fertiges Guinness herzustellen, 9.000 Jahre Laufzeit stehen auf dem Pachtvertrag für das Brauereigelände nahe Dublin, wo die Biermarke 1759 ihren Anfang nahm.
In diesem Jahr bestimmen zwei weitere Zahlen das irische Traditionsbier: eine Milliarden-Investition in Guinness und eine geplante Verdopplung der Produktionskapazitäten bis 2031. Das sind die großen Pläne des Mutterkonzerns und Getränkegiganten Diageo.
Aber sie kommen in Zeiten, in denen im gesamten Vereinigten Königreich Brauereien schließen. Alleine 2025 waren es 320, nur 170 neue haben eröffnet, unter dem Strich also ein Verlust von gut 150 Betrieben. Gleichzeitig sterben die Pubs aus: Eine aktuelle Erhebung der britischen Bierindustrie geht davon aus, dass im ersten Quartal 2026 jeden Tag zwei Pubs geschlossen haben. Und solche Trends sind weltweit zu beobachten - auch weil Alkohol- und Bierkonsum zurückgehen.
Neue Brauerei für 600 Millionen Euro
Guinness aber hält dagegen: Schon im Mai ist eine neue Guinness-Brauerei im irischen County Kildare eröffnet worden. Das Projekt war 2022 gestartet worden, um den traditionellen Hauptstandort in Dublin zu entlasten. 600 Millionen Euro hat der Bau gekostet, nun will der Mutterkonzern Diageo weitere 400 Millionen Euro in den Standort stecken. Direkt neben der gerade erst eröffneten Brauerei soll eine weitere gebaut werden, dort soll künftig die Produktion des alkoholfreien Guinness vorangetrieben werden.
"Die Nachfrage nach Guinness und Guinness 0,0 steigt", erklärte Diageo-Chef Dave Lewis bei der Eröffnung des ersten Brauereiteils. Das Ziel: Insgesamt eine Milliarde Euro für den Ausbau der Produktion in Irland, um so die Marke weltweit weiter wachsen zu lassen.
Warum ausgerechnet Guinness mit seinem herben, einzigartigen Geschmack den weltweiten Trends auf dem Biermarkt trotzt? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Experten gehen davon aus, dass Marketing mit dem Fokus auf die traditionelle Komponente und die irische Kultur eine Rolle spielt. Guinness steche zudem zwischen der Vielzahl an Pale Ales und Craft Beers hervor: die dunkle Farbe, die feste Schaumkrone, das unverkennbare Markenzeichen mit der Harfe.
Zusammenarbeit mit Bier-Influencern
Zudem hat Diageo in den vergangenen Jahren mit zahlreichen Influencern zusammengearbeitet und Guinness so auch in der jüngeren Generation bekannt gemacht. Gerade in den USA hat das Stout eine Art Renaissance erlebt, die Vereinigten Staaten sind neben Großbritannien der größte Importeur von irischem Bier. Der Erfolg von Guinness hat Diageo allerdings 2024 in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht: Weil Guinness so einen Boom erlebte und zahlreiche Weltstars das Bier bewarben, musste Diageo die wöchentliche Auslieferung an Pubs drosseln - sie kamen der Nachfrage nicht hinterher.
Der schwächelnde Getränke-Gigant Diageo setzt deshalb verstärkt auf die Marke Guinness. Denn der Erfolg hält an: Für das Geschäftsjahr 2026 ist der Absatz von Guinness allein in Großbritannien im zweistelligen Bereich in Großbritannien gewachsen, auch weltweit bleibt die Marke ein Verkaufsschlager. So sehr, dass Guinness laut dem Jahresbericht seines Mutterkonzerns Diageo die schwache Bilanz anderer Marken ausgleicht und in einigen Regionen zu bemerkenswerten Entwicklungen beim Absatz führt: 2,9 Prozent mehr waren es zuletzt in Großbritannien, 3,2 Prozent mehr in Irland, und in der Türkei sogar 25 Prozent. Insgesamt aber hat the Konzern im ersten Halbjahr 590 Millionen Dollar Umsatz gemacht - 40 Millionen weniger als im Vorjahr.
"Drastic Dave" soll durchgreifen
Guinness gehört seit 1997 zum Getränkekonzern Diageo, unter dessen Dach sich auch Marken wie Johnnie Walker und Smirnoff versammeln. Seit Januar wird Diageo von Dave Lewis geführt, ehemaliger Tesco-Chef und bekannt für seinen harten Führungsstil - "Drastic Dave" wird er deshalb von britischen Medien genannt. Ihn hatte man geholt, um den britischen Getränkeriesen wieder in Form zu bringen, und genau das will er jetzt mit drastischen Mitteln und einer guten Dosis Guinness umsetzen.
Was das bedeutet, hat Dave Lewis bei der Vorstellung der Firmenpläne Anfang August klargestellt: 30.000 Menschen arbeiteten zuvor bei Diageo, die Zahl ist schon im ersten Halbjahr um 2.000 Jobs gekürzt worden. Weitere Stellen sollen bis Anfang September wegfallen. "Natürlich sind das nicht für alle gute Nachrichten", erklärte Lewis in einem Interview. "Aber es gibt auch niemanden im Konzern, der sagt, das sei die falsche Entscheidung."
Für Guinness scheinen diese Kürzungen nicht zu gelten: Mit der neuen Brauerei in Irland sind 54 neue Jobs entstanden. Gleichzeitig ist die Brauerei so weit automatisiert, dass weitaus weniger Personal als üblich gebraucht wird.
AI outlook — possibilities, not facts
Wegfall weiterer Diageo-Stellen bis Anfang September
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