Das Ende des Goethe-Instituts in Russland
Die Schließung markiert den Abbruch der letzten kulturellen Brücken zwischen Deutschland und Russland.
Quick Look
- Nach der erzwungenen Personalreduktion 2023 schließt das Goethe-Institut in Russland endgültig.
- Die Entscheidung beendet den kulturellen Austausch und trifft proeuropäische Kräfte in Russland, während gleichzeitig das Russische Haus in Berlin geschlossen wurde.
AI-generated summary
Why It Matters
Das Goethe-Institut war seit dem Mauerfall in Russland aktiv. Seit der Invasion 2022 wurden die Aktivitäten massiv eingeschränkt.
Das Aus für das Goethe-Institut in Russland war abzusehen. Man muss hoffen, dass die auch mit Rücksicht auf diese letzte Kulturbrücke zwischen Deutschland und Russland lange hinausgezögerte Schließung des Russischen Hauses in Berlin sich sicherheitspolitisch auszahlt.
Das nach dem Fall der Mauer in Moskau und Petersburg eröffnete Goethe-Institut, das 2009 um eine Filiale in Nowosibirsk erweitert wurde, brachte deutsche Theaterstars wie Pina Bausch und Peter Stein sowie Komponisten wie Helmut Lachenmann, Nikolaus Huber und Enno Poppe nach Russland, die dort Kultfiguren wurden. Diese Gäste standen stets für den Dialog, das Goethe-Institut fragte immer nach den Bedürfnissen der russischen Seite. Es unterstützte am Moskauer Tschaikowski-Konservatorium einen Konzertzyklus zur Musik des 20. Jahrhunderts, der zeigte, dass dodekaphonisch als Erster der Russe Jefim Golyschew im Jahr 1914 komponierte.
1999 ließ das Moskauer Institut die runden Geburtstage der Nationaldichter Goethe und Puschkin vom Petersburger Performanceduo „Ache“ begehen, und noch 2016, nach der Krim-Annexion, gab das Büro in Nowosibirsk ein brillantes internationales Festival mit hochkarätigen Livedebatten. Das Moskauer Haus, lange regionaler Hauptsitz und größtes Goethe-Institut weltweit, beschäftigte zu Hochzeiten zweihundert Mitarbeiter.
Das ist lange her. Seit Beginn der russischen Großinvasion in die Ukraine 2022 gibt es keine bilateralen Kulturprojekte mehr. Viele Partner und Institutsmitarbeiter haben Russland verlassen. Die Behörden zwangen das Institut 2023, sein Personal auf etwa ein Zehntel zu reduzieren. Zuletzt beschränkten sich seine Aktivitäten auf die populären Deutschkurse, dazu kamen Filmvorführungen, auch zu ökologischen Themen oder solchen der Inklusion, sowie Plakatausstellungen über deutsche Literatur.
Russische Nutzer schätzen die Goethe-Bibliotheken, zumal Deutsch als zweite Fremdsprache beliebt ist, auch pflegt das Institut vielfältige, oftmals informelle Kontakte zur immer stärker bedrängten russischen Zivilgesellschaft. Der russischen Staatsmacht passt solch vertrauensvoller Austausch gar nicht, zumal mit Vertretern eines „unfreundlichen Landes“, sie will Bürger, die sie fürchten und ihr gehorchen. Als der scheidende deutsche Botschafter Alexander Graf Lambsdorff sich mit russischen Deutschlehrern traf, fixierte ein Beamter des Inlandsgeheimdienstes FSB ihr Gespräch demonstrativ auf Kamera und Mikrofon.
Diese letzten, prekären, für proeuropäische Menschen in Russland umso wichtigeren Verbindungen wurden durch die Schließung des Russischen Hauses in Berlin sehenden Auges gekappt. Gleichzeitig stellte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte knapp 900 anhängige Verfahren russischer Bürger ein, die ihrem Staat Menschenrechtsverletzungen vorwerfen.
Viele warten jahrelang auf eine Entscheidung, so der liberale Politiker Lew Schlosberg, der wegen seiner Kriegsgegnerschaft unlängst zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Es ist ein schlimmes Signal, wenn Europa, das die russische Kriegsmaschinerie bekämpft, Russen, die für seine Werte leiden, über Bord wirft.
Open Questions
- Wie reagiert die russische Zivilgesellschaft auf den Verlust der Bildungsangebote?






