
Nach dem Tod des Unternehmers blickt die Öffentlichkeit auf das gewaltige Vermögen und die Beteiligungen des Milliardärs.
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Klaus-Michael Kühne baute die Spedition Kühne + Nagel zu einem globalen Logistikkonzern aus. Sein Vermögen wuchs insbesondere durch Beteiligungen an Hapag-Lloyd und Lufthansa stark an.
Zum Zeitpunkt seines Todes war Klaus-Michael Kühne laut Bloomberg wohl der reichste Deutsche. Einen Großteil seines gigantischen Vermögens und seines Firmenreiches erwarb er im Alter von mehr als 80 Jahren.
In seinen letzten Lebensjahren hatte Klaus-Michael Kühne so viel Geld verdient, dass er seinen Vermögenszuwachs in einem Interview als "fast schon erschreckend hoch" bezeichnete. Den Grundstein für sein Vermögen, die Spedition Kühne + Nagel, hatte der Unternehmersohn geerbt und jahrzehntelang kontinuierlich zu einem globalen Logistikkonzern ausgebaut. Zum - je nach Schätzung - reichsten Deutschen mit einem branchenübergreifenden Firmenimperium stieg er jedoch erst in den vergangenen Jahren auf. Kurz vor seinem Tod schätzte Bloomberg Kühnes Vermögen auf gut 42 Milliarden Euro. Ein Überblick über die wichtigsten Unternehmen des Multimilliardärs:
Kühne + Nagel
1958 trat Klaus-Michael Kühne im Alter von 21 Jahren nach einer Banklehre in die von seinem Großvater gegründete Spedition Kühne + Nagel in Bremen ein. Schon 1963 zog er in die Geschäftsführung ein. 1966, als das Familienunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, wurde er Vorstandsvorsitzender. Kühne verlegte den Unternehmenssitz in die Schweiz, trieb die Expansion zu einem globalen Logistikkonzern voran und brachte diesen 1994 an die Schweizer Börse. Heute hat das Unternehmen, das nach eigenen Angaben mit 85.000 Beschäftigten in 100 Ländern zu Land, zu Wasser und im Luftverkehr tätig ist, an der Börse einen Wert von umgerechnet rund 28 Milliarden Euro. Klaus-Michael Kühne kontrollierte bis zu seinem Tod rund 60 Prozent der Anteile.
Hapag-Lloyd
Über seine Kühne Holding besaß Klaus-Michael Kühne zuletzt 30 Prozent der Anteile an Hapag-Lloyd, einer der größten Containerreedereien der Welt. Der Unternehmer war 2008 auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise gemeinsam mit der Stadt Hamburg und anderen Investoren bei dem Traditionsunternehmen eingestiegen und hatte seine Beteiligung später ausgebaut. Diese ist heute mehr als sechs Milliarden Euro wert. Seine Hapag-Lloyd-Aktien waren ein wesentlicher Faktor, der dazu beitrug, dass Kühnes Vermögen zeitweise so stark wuchs, dass der Unternehmer 2024 gegenüber der FAZ davon sprach, "dass die Werte, die da zusammengekommen sind, fast schon erschreckend hoch sind." Aufgrund des Logistik- und Schifffahrtsbooms nach der Corona-Krise hatte Hapag-Lloyd Kühne in den beiden Vorjahren jeweils Dividenden von mehreren Milliarden Euro ausgezahlt.
Lufthansa
2022 stieg Kühne, für viele Beobachter überraschend bei der Lufthansa ein und baute seine Position schnell aus. Zuletzt war er mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent größter Einzelaktionär. Die Lufthansa war 2020 vom deutschen Staat mit Milliarden vor dem Untergang gerettet worden und noch von der Corona-Krise gezeichnet. Bis heute steckt der Luftfahrtkonzern in einer tiefgreifenden Umstrukturierung. Kühnes Anteil an der Lufthansa war zuletzt gut zwei Milliarden Euro wert.
Flix
Auch in den vergangenen Jahren hatte Kühne seine Beteiligungen weiter ausgebaut. In der Transportbranche stieg er über seine Holding 2024 bei Flix ein, dem Unternehmen hinter Flixbus und Flixtrain. Berichten zufolge zahlte Kühne gemeinsam mit dem Finanzinvestor EQT etwa eine Milliarde Euro. Flix ist bislang nicht an der Börse notiert, und die genaue Höhe und damit der Wert von Kühnes Beteiligung nicht bekannt.
Brenntag
Seit 2021 hatte Kühne schrittweise Anteile am Dax-Konzern Brenntag erworben. Auch hier ist seine Holding inzwischen mit einer Position von mehr als 20 Prozent größter Aktionär. Der Wert dieses Anteils beträgt laut Bloomberg aktuell rund 1,75 Milliarden Euro.
Aenova
Mit dem Kauf der Mehrheit am Schweizer Pharmaunternehmen Aenova stieg Kühne 2024 im Alter von 86 Jahren noch einmal in eine für ihn komplett neue Branche ein. Genaue Zahlen gibt es nicht, da Aenova nicht an der Börse notiert ist. Berichten zufolge soll Kühnes Holding mehr als 1,5 Milliarden Euro für die Anteile bezahlt haben. Aenova fertigt in seinen Werken Medikamente im Auftrag großer Pharmakonzerne. Das Geschäft wuchs in den vergangenen Jahren schnell und soll hochprofitabel sein.
Ottobock
Zuletzt hatte Kühne dieses neue Engagement in der Gesundheitsbranche mit dem Kauf von knapp drei Prozent der Anteile von Ottobock ausgebaut. Für rund 120 Millionen Euro stieg die Kühne-Holding beim Börsengang im vergangenen Herbst bei dem Prothesenhersteller ein. Rentiert hat sich das bislang allerdings nicht. Derzeit notieren die Aktien deutlich unter dem Ausgabekurs.
Immobilien und andere Vermögenswerte
Bloomberg schätzt, dass Kühne, seine Holding und seine Stiftung außer den Unternehmensbeteiligungen vor seinem Tod zuletzt über mehr als 15 Milliarden Euro weitere Vermögenswerte verfügten. Dieser Wert ergibt sich unter anderem aus den ausgeschütteten Gewinnen von Kühnes Unternehmen. Die Website der Kühne Holding verweist auf ein Asset Management, das sich auf "Investitionen in Sachwerte" konzentriere, und ein "Immobilienportfolio", dass sich "über drei Kontinente" erstrecke und "ca. 15 Städte" umfasst. Dazu gehören unter anderem die konzerneigene Kühne Logistics University in Hamburg, eine Klinik in Davos sowie Luxushotels in Mallorca und Hamburg.
Stiftung soll weiter investieren
Bereits vor Jahrzehnten hat Klaus-Michael Kühne in der Schweiz die Kühne-Stiftung begründet, die bislang einige Anteile an seinen Unternehmen hält. Nach Kühnes Tod soll die gemeinnützige Stiftung von Vertrauten Kühnes weitergeführt werden und alle Anteile an der Holding übernehmen. Die Kühne Holding hat Berichten zufolge den Auftrag, das Vermögen des verstorbenen Unternehmers nicht nur zu verwalten, sondern ausdrücklich auch in dessen Sinne weiterzuentwickeln und weiter zu diversifizieren. Die Geschichte des von ihm aufgebauten Firmenimperiums endet also nicht mit seinem Tod.

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