„Das ist in erster Linie ein Sparprogramm“ – CDU-Flügel fordert „Kurskorrektur“ von Merz
Quick Look
- Dennis Radtke, Chef des CDU-Sozialflügels CDA, warnt vor einem sozialen Akzeptanzverlust des Reformkurses der CDU und sieht darin einen Treiber für die AfD.
- Er kritisiert die Gesundheitsreform als Sparprogramm, bewertet die Rentenreform positiv und fordert Kanzler Merz zu einer Kurskorrektur auf.
- Radtke beklagt eine thematische Verengung der CDU und warnt vor weiterer Polarisierung der Gesellschaft.
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Why It Matters
Die CDU befindet sich in einer Parteikrise, wobei interne Flügel wie der CDA den Reformkurs der Partei kritisch hinterfragen. Radtke repräsentiert den sozial orientierten Flügel der CDU und warnt vor einem Verlust sozialer Akzeptanz aufgrund wahrgenommener Sparprogramme.
Dennis Radtke, Chef des CDU-Sozialflügels CDA, hat vor Abschluss der Klausur des CDU-Präsidiums vor einem sozialen Akzeptanzverlust des Reformkurses gewarnt. „Die Sorgen sind erdrückend. Das ist ein Treiber für die AfD, weil wir ganz offenkundig nicht die richtigen oder aktuell wahrnehmbar keine Antworten darauf geben“, sagte er im „Berlin Playbook Podcast“ der WELT-Partnerpublikation „Politico“.
Er warnte davor, dass die Reformen von der Bevölkerung lediglich als Sparprogramme wahrgenommen werden könnten. Kritisch sehe er vor allem die Gesundheitsreform: „Das ist in erster Linie ein Sparprogramm“, befand der CDA-Chef. Die Rentenreform bewertete er dagegen positiv.
In einem anderen Interview beim „Tagesspiegel“ rief er Kanzler Merz zu einer „Kurskorrektur“ auf. Es gehöre „zu Merz’ Führungsverantwortung, die Lage ehrlich zu analysieren, und seine Zustimmungswerte in der Bevölkerung realistisch einzuordnen“.
Radtke beklagte eine thematische Verengung der CDU, die Schuld an der gegenwärtigen Parteikrise trage. Die Interpretation von „CDU pur“ als „rein konservativ und wirtschaftsliberal“, so Radtke, sei „gescheitert“.
Dabei warnte der Politiker aus Nordrhein-Westfalen davor, die Polarisierung der Gesellschaft weiter voranzutreiben: Das „Geschäftsmodell der Christdemokraten“ sei es, in einer offenen, liberalen Gesellschaft unterschiedliche Positionen zusammenzuführen. „Polarisierung und Öl ins Feuer gießen, zahlt nur bei der AfD ein“, so Radtke. „Wir können sie nicht mit ihren Waffen schlagen. Unsere Waffe ist der Ausgleich von Interessen.“ Das entspringe unmittelbar dem christlichen Menschenbild.
Zudem kritisierte Radtke die CDU für haltlose und falsche Versprechen, die in der Vergangenheit gemacht worden seien. „Es wurden Dinge versprochen, die anschließend nicht umgesetzt wurden“, sagte er. „Andererseits versprechen wir teilweise etwas anderes, als die Bevölkerung erwartet.“
Open Questions
- Welche konkreten Maßnahmen schlägt Radtke für eine Kurskorrektur vor?
- Wie reagiert die CDU-Führung auf die Kritik des CDA?
- Welche Auswirkungen hat die Kritik auf die Wählergunst der CDU?


