
Bei den Zwischenwahlen in den USA müssen die Republikaner deutliche Verluste hinnehmen. Besonders bei Frauen, jungen Wählern und in umkämpften Staaten legen die Demokraten zu.
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Bei den US-Zwischenwahlen (Midterms) werden das Repräsentantenhaus und rund ein Drittel des Senats neu gewählt.
Mehr und mehr Stimmen bei den Midterms sind ausgezählt, und der Blick in die Daten zeigt: Die Republikaner verlieren deutlich an Zustimmung – besonders bei fünf Gruppen von Wählern.
Die Demokraten haben im Senat sieben zusätzliche Bundesstaaten gewonnen und könnten damit die Mehrheit erlangen.
Im Repräsentantenhaus liegen die Demokraten nach Auszählung der Stimmen deutlich vor den Republikanern.
Die Demokraten konnten besonders bei Frauen, jüngeren Wählern, Latinos, Asiaten und unteren Einkommensschichten zulegen.
Donald Trump befürchtet bei einem Machtverlust der Republikaner in den Kammern persönliche Konsequenzen.
Berlin. Eine „blaue Welle“ werde die USA bei den sogenannten Midterms überrollen und die Demokraten an die Macht spülen. Zumindest hatten zahlreiche Umfrageergebnisse zu den anstehenden Zwischenwahlen zuletzt auf eine solche Entwicklung hingedeutet. Am Wahlabend hat sich nun bestätigt, dass viele US-Bürger tatsächlich den Demokraten den Vorzug gegeben haben.
Wer bei vielen Wählern die Stimmungslage auf den Punkt bringen möchte, kann das wohl ganz kurz in folgende Worte fassen: Das Leben ist zu teuer. Der Irankrieg zu lang. US-Präsident Donald Trump zu unbeliebt. Künftig dürfte es Trump demnach mit einer deutlich erstarkten Opposition zu tun bekommen.
Zwar sind noch nicht alle Stimmen ausgezählt, doch in der Nachwahlanalyse des Handelsblatts offenbart sich bereits jetzt, welche Gruppen dafür gesorgt haben, dass die Demokraten deutlich an Stimmen dazugewinnen konnten. Es zeigt sich klar, wo die Unterstützung für die Republikaner regelrecht eingebrochen ist.
Bei den Zwischenwahlen in den USA haben die Wählerinnen und Wähler ein neues Repräsentantenhaus sowie rund ein Drittel des Senats neu bestimmt. Die beiden Kammern bilden den Kongress, das US-Parlament.
Für US-Präsident Trump ging es dabei um nicht weniger als den Erhalt der republikanischen Mehrheit in beiden Kammern. Besonders der Senat ist derzeit heftig umkämpft, weil die Republikaner noch realistische Chancen haben, die Mehrheit zu halten.
Je zwei Senatorinnen und Senatoren pro Bundesstaat ergeben die 100 Sitze der Kammer. Um die Mehrheit im Senat zu übernehmen, brauchen die Demokraten 51 Sitze – vier mehr, als sie bislang innehatten. Den Republikanern reichen dagegen lediglich 50 Stimmen für die Mehrheit, da bei einem Patt die Stimme von Vizepräsident J. D. Vance den Ausschlag gibt.
Senat – Demokraten erobern sieben zusätzliche Bundesstaaten
In zahlreichen Regionen der USA ist die politische Ausrichtung der Wählerschaft so klar, dass der Ausgang quasi vorab feststand. In sieben Staaten, oft auch Battleground-States genannt, galt das Rennen jedoch als offen. Ob die Demokraten die Macht tatsächlich in der Kammer übernehmen können, entscheidet sich hier.
Nach derzeitigem Stand, so vermeldet es CNN, konnten die Demokraten die Mehrheit im Senat übernehmen. Neben Texas, Iowa, Ohio, Maine und Kansas konnten die Demokraten auch North sowie South Carolina für sich entscheiden.
So sieht es aktuell in den am meisten umkämpften US-Bundesstaaten aus:
Die Battleground-States
Alaska: noch kein Ergebnis.
Texas: Die Demokraten konnten erstmals seit langer Zeit den „Lone Star State“ für sich entscheiden.
Kansas: Der Staat im Mittleren Westen geht an die Demokraten.
Iowa: Die Demokraten können Iowa von den Republikanern erobern.
Michigan: noch kein Ergebnis.
Ohio: Der Staat geht an die Demokraten.
Maine: Der Staat im Osten der USA geht ebenfalls an die Demokraten.
North Carolina: Die Demokraten gewinnen mit deutlicher Mehrheit.
South Carolina: Geht überraschend an die Demokraten.
Repräsentantenhaus – Demokraten liegen uneinholbar vorne
Bei der Wahl zum Repräsentantenhaus war von den meisten Beobachtern im Vorfeld der Wahl eine Machtübernahme durch die Demokraten erwartet worden. Dafür galt es, von den 435 Sitzen fünf zusätzliche Sitze zu erobern. Das verändert die Mehrheitsverhältnisse.
Wie die US-Sender CNN und NBC News berichteten, haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus erreicht.
Grund für die deutlichen Gewinne an Wählerstimmen dürfte vor allem das Thema „Bezahlbarkeit“ gewesen sein. So machen sich laut einer Umfrage der Beratungsfirma Gallup Wählerinnen und Wähler vor allem Sorgen über die Wirtschaftslage und die stark gestiegenen Kosten bei der Gesundheitsvorsorge und den Gaspreisen. Hinzu kommt der von Trump im April begonnene Irankrieg.
Ungewöhnlich stark stand auch das Thema „Einkommen und Ungleichheit“ im Fokus. Bei den vorherigen Zwischenwahlen hatten nur rund 30 Prozent der Wähler zugestimmt, dass dies für sie „extrem wichtig“ sei.
Welche Wählergruppen entschieden sich gegen die Republikaner
Bei der Nachwahlbefragung zeigt sich nun, welche Gruppen besonders für die Gewinne der Demokraten verantwortlich sind, die sowohl bei Männern als auch bei Frauen zulegen konnten. Doch vor allem die Wählerinnen entschieden sich mit 58 Prozent eher für die Demokraten. Zwei Jahre zuvor hatte ihre Unterstützung noch fünf Prozentpunkte niedriger gelegen.
Ähnliches gilt auch für jüngere Wähler: In allen Altersgruppen konnten die Demokraten im Vergleich zur vergangenen Wahl dazugewinnen. Besonders stark jedoch bei Wählern, die 24 Jahre oder jünger sind. So liegen die Demokraten bei den jungen Stimmberechtigten mit 76 Prozent weit vor den Republikanern. Zwei Jahre zuvor war ihr Anteil mit 54 Prozent noch deutlich geringer ausgefallen.
Es zeigt sich auch, dass lediglich Wähler über 65 Jahre diesmal ähnlich republikanisch abstimmten wie noch zwei Jahre zuvor.
Stark verloren an Stimmen haben die Republikaner hingegen bei Latinos und Asiaten. Hatten bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch beide Gruppen ungewöhnlich stark Trump befürwortet, verkehrte sich das ins Gegenteil. Bei beiden Gruppen verlieren die Republikaner mehr als zehn Prozentpunkte.
Es darf vermutet werden, dass vor allem die harsche Migrationspolitik für diesen Meinungsumschwung verantwortlich ist.
Deutlich demokratischer als zuvor wählten auch die unteren Einkommensschichten in den USA. Hatten bei der vergangenen Wahl im Jahr 2024 lediglich 47 Prozent der Menschen mit Einkommen unter 100.000 Dollar blau gewählt, liegen die Demokraten nun mit 54 Prozent deutlich darüber. Besonders arme Wähler mit weniger als 30.000 Dollar Jahreseinkommen gaben der Opposition ihre Stimme.
Alle Daten sind bislang vorläufig. Derzeit laufen in diversen Staaten noch die Auszählungen. Dennoch haben sich die Erwartungen von Wahlexperten bestätigt, die einen Wechsel der politischen Mehrheiten prognostiziert hatten.
Wahlforscher zweifelten an eigenen Prognosen
So hatte der führende Umfrage-Analyst in den USA, Nate Silver, im Vorfeld der Wahl prognostiziert: Es gebe für die Demokraten eine 82-Prozent-Chance auf eine Senatsmehrheit und eine 96-Prozent-Chance auf eine Mehrheit im Repräsentantenhaus.
Am Sonntag hatten die „New York Times“ und die Siena-Universität zudem ihre aktuellsten Prognosen veröffentlicht und in den sieben umkämpften Battleground-Staaten den Demokraten gute Erfolgsaussichten beschieden.
Dennoch hatten die Meinungsforscher selbst daran gezweifelt, ob ihre Vorhersagen eintreffen würden – zu positiv deuteten die Zahlen in Richtung der Demokraten, zumal in den Prognosen vorangegangener Wahlen die Stimmenanzahl für Trump und die Republikaner wiederholt unterschätzt worden war. Besonders 2016 und 2020 lagen die Prognosen deutlich unter den tatsächlichen Ergebnissen.
Nach derzeitigem Stand bestätigt sich die strukturelle Unterschätzung der Republikaner allerdings diesmal nicht. So lagen die Demoskopen in Texas, Kansas, Maine und Iowa noch unter den bisherigen Ergebnissen für die Demokraten.
Allerdings können sich die Ergebnisse im Zuge der noch laufenden Auszählungen noch verschieben.
Trump: „Sie werden mich aus dem Amt entfernen“
Zwar standen bei der Wahl Senatoren, Kongressabgeordnete und Parteien auf den Stimmzetteln und nicht der US-Präsident – doch US-Präsident Trump hatte in den vergangenen Wochen immer wieder versucht, die Wahl zu einer Abstimmung über sich selbst zu machen. „Ihr müsst zur Wahl gehen und so tun, als stünde ich auf dem Stimmzettel“, hatte er im Oktober Wählern in Dalton, Georgia, zugerufen. Dennoch waren seine Zustimmungswerte zuletzt deutlich gesunken.
Neben dem drohenden Machtverlust in den beiden Kammern der Legislative fürchtet der wegen grassierender Korruption von den Demokraten kritisierte US-Präsident auch persönliche Konsequenzen: „Wenn wir die Zwischenwahlen nicht gewinnen, werden sie einen Grund finden, mich aus dem Amt zu entfernen“, sagte Trump gegenüber republikanischen Parlamentariern in Washington bereits Anfang des Jahres.
AI outlook — possibilities, not facts
Die Demokraten übernehmen die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus.
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