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Deutscher Start-up-Monitor: Rekord bei Einhörnern, aber strukturelle Schwächen
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Handelsblatt2 hours agoBusiness5 min readGermanyView translation

Deutscher Start-up-Monitor: Rekord bei Einhörnern, aber strukturelle Schwächen

Trotz Rekordzahlen bei Investitionen und Neugründungen kämpft die deutsche Start-up-Szene mit sinkenden Kooperationen und einer schwierigen Finanzierungslage in frühen Phasen.

Quick Look

  • Der Deutsche Start-up-Monitor zeigt für 2026 einen Rekord bei Einhörnern und Investitionen.
  • Trotz des Optimismus warnen Experten vor rückläufigen Kooperationen mit Konzernen und einer Finanzierungslücke bei frühen Unternehmensphasen.

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Why It Matters

Der Deutsche Start-up-Monitor (DSM) befragt jährlich rund 1800 Start-ups zur wirtschaftlichen Lage. Die Daten dienen als Indikator für die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft.

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Die deutsche Start-up-Branche entwickelt sich zunehmend zum Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft. Milliardenschwere Wachstumsfirmen wie das KI-Rüstungsunternehmen Helsing, das Robotik-Start-up Neura Robotics und das auf Kernfusion spezialisierte Jungunternehmen Proxima Fusion sorgen für Optimismus, wenn es um die nächste Generation der deutschen Technologieführer nach Siemens und SAP geht. Damit dieses Momentum anhält, muss sich aber noch einiges für die deutschen Jungfirmen verbessern.

Das zeigen noch unveröffentlichten Marktdaten des „Deutschen Start-up-Monitors“ (DSM), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegen. Dafür befragt der Bundesverband Deutsche Start-ups jedes Jahr rund 1800 Start-ups zu ihrer wirtschaftlichen Lage.

Demnach steht die Branche solide da – passend zum wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland. Es braucht allerdings bessere Finanzierungsbedingungen für alle Jungfirmen und nicht nur solche aus der KI- und Rüstungsbranche, die derzeit vor allem punkten. Ansonsten fehlt dem Aufschwung auf Dauer die Substanz. Das hängt auch damit zusammen, dass die Kooperationen mit etablierten Konzernen und Mittelständlern erneut rückläufig sind.

In diesem Jahr sind bereits zehn neue Einhörner entstanden und damit so viele wie noch nie zuvor zu diesem Zeitpunkt im Jahr. Einhörner sind Firmen, die von Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden und von denen man sich besonders viel Wachstum und Wertschöpfung in der Zukunft erhofft.

Die neuen Einhörner des Jahres 2026 sind die Softwareunternehmen Osapiens und Camunda, die KI-Firma Dash0, das Auto-Abo-Start-up Finn, das Fintech Moss, die Verteidigungsfirma Stark Defence, die Fusionsunternehmen Proxima Fusion und Focused Energy, Neura Robotics sowie der Batteriespeicheranbieter Cmblu. Im vergangenen Jahr waren in Deutschland fünf neue Einhörner entstanden.

Zugleich wurde mit acht Milliarden Euro von Januar bis September bereits mehr in Start-ups investiert als im gesamten Vorjahr. Die Rüstungsfirmen Helsing, Quantum Systems wie auch die Robotikfirma Neura Robotics stemmten in diesem Jahr Finanzierungsrunden von weit mehr als einer Milliarde Dollar.

Zeitgleich stiegen die Neugründungen auf einen Rekordwert und toppten damit die Zahlen aus der Coronazeit. Von Anfang Januar bis Ende Juni entstanden 3053 Start-ups. Das sind 52 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2025 und mehr als im ganzen Jahr 2024.

Zudem fühlen sich Gründer inzwischen immer häufiger von ihren Hochschulen unterstützt. Fast 70 Prozent der Befragten sagen, dass diese für die Entwicklung ihres Start-ups wichtig waren. Inzwischen stehen Ausgründungen an vielen Hochschulen auch stärker im Fokus.

Diese positive Dynamik spiegelt sich in der allgemeinen Stimmung wider. Das Geschäftsklima stieg laut DSM in diesem Jahr auf 33,2 Punkte, nach 31,7 Punkten im Vorjahr. Vor allem der Ausblick der Start-ups hellte sich auf, pünktlich zum wichtigen Branchentreffen „Bits & Pretzels“, das am Montag in München beginnt.

Start-up-Verbandschefin Verena Pausder spricht angesichts der jüngsten Ereignisse wie des erfolgreichen Raketenstarts von Isar Aerospace von einem „unfassbaren Potenzial“ in Deutschland. Pausder verbindet diese Aussage aber auch mit einem Appell: „Was wir brauchen, ist der Wille, Start-ups den Weg zu ebnen und Unternehmertum ins Zentrum der politischen Agenda zu stellen.“

Als Positivbeispiel nennt Pausder die WIN-Initiative. WIN, das steht für „Wachstums- und Innovationskapital für Deutschland“. Das Programm soll die steuerlichen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für junge Firmen verbessern. In den nächsten Wochen soll die zweite Auflage der WIN-Initiative starten, mit der sich die Hilfen auf 25 Milliarden Euro verdoppeln.

Damit sich der Aufwärtstrend fortsetzt, sind jetzt allerdings die bereits am Markt etablierten Konzerne und Mittelständler gefragt. Doch genau diese Kooperationen gehen seit Jahren zurück und haben jetzt den tiefsten Stand seit 2020 erreicht. Laut dem DMS arbeiteten in diesem Jahr nur noch 54,1 Prozent der Start-ups mit einem Konzern oder Mittelständler zusammen. Im Vorjahr waren es noch 56 Prozent der Start-ups.

Eric Weber, Chef der Leipziger Start-up-Schmiede Spinlab, sagt: „Wenn Konzerne und Mittelständler Sparprogramme fahren und sich auf das Kerngeschäft konzentrieren wollen beziehungsweise müssen, dann streichen sie häufig zuerst externe Innovationstätigkeiten.“

Laut dem DSM ist die durchschnittliche Beschäftigtenzahl weiter rückläufig. Aktuell sind bei Start-ups im Schnitt 15,3 Mitarbeiter angestellt. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 15,8.

Obwohl in diesem Jahr die Start-up-Investitionen einen neuen Höchstwert erreicht haben, sind auch viele Firmen leer ausgegangen. Denn während Helsing, Neura Robotics oder Quantum Systems riesige Finanzierungsrunden stemmten, ging die Gesamtzahl der Runden auf 1585 zurück. Vor allem in früheren Firmenphasen fehlten zuletzt Risikokapitalgeber (VCs), die bereit waren, zu investieren.

Der internationale Investor Antler hat die Zahlen noch genauer analysiert als der Start-up-Monitor und festgestellt, dass in Deutschland nur jedes vierte Start-up, das eine Erstfinanzierung erhalten hat, auch eine Series-A-Finanzierung stemmt. Antler-Partner Christoph Klink begründet diese Entwicklung mit der rückläufigen Zahl der Investoren in Deutschland und der Konzentration der Investoren auf weniger Deals.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Start der zweiten Auflage der WIN-Initiative mit 25 Milliarden Euro Volumen.

    Very likely · Within weeks

Open Questions

  • Wie entwickeln sich die Kooperationen zwischen Konzernen und Start-ups im nächsten Jahr?
  • Wird die WIN-Initiative die Finanzierungslücke in der Frühphase schließen können?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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