
Während China und die USA massiv in Industrieroboter investieren, sinken die Installationen und die Produktion in Deutschland. Experten warnen vor einem strukturellen Rückstand.
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Der Absatz von Industrierobotern weltweit steigt 2025 um elf Prozent auf über 600.000 Einheiten, während er in Deutschland um acht Prozent zurückging.
München. China und die USA treiben die Automatisierung ihrer Industrie voran, während Deutschland bei der Installation neuer Roboter zurückfällt. „Im deutschen Mittelstand fehlen oft Know-how und Finanzierung, um in Automatisierung zu investieren“, sagte Susanne Bieller, Generalsekretärin des Weltrobotikverbands IFR, dem Handelsblatt.
Deutschland liege zwar bei der Roboterdichte weltweit auf Platz drei. Wenn die Automatisierung aber in den Zukunftsbranchen stagniere, drohe der Standort im globalen Wettbewerb den Anschluss zu verlieren. „Dann besteht die Gefahr, dass neue Anlagen nicht mehr in Deutschland gebaut werden.“ Die Entwicklung hat auch Konsequenzen für die Produktion von Robotern in Deutschland.
Weltweit ist der Absatz von Industrierobotern 2025 nach mehreren Jahren der Stagnation laut neuen Zahlen des IFR wieder um elf Prozent auf erstmals mehr als 600.000 Neuinstallationen gestiegen. „Die industrielle Automatisierung schreitet mit hohem Tempo voran“, sagte IFR-Präsidentin Jane Hefner. Für 2026 erwartet der Verband ein Wachstum von neun Prozent auf 655.000 Installationen, im Jahr 2029 könnten es schon mehr als 800.000 sein.
Allerdings läuft die regionale Entwicklung höchst unterschiedlich – und das alarmiert Experten. China ist schon seit einigen Jahren der mit Abstand wichtigste Markt in der Branche. 2025 stieg der Absatz um noch mal 20 Prozent auf 354.000 Neuinstallationen. Damit werden inzwischen 59 Prozent aller neuen Roboter weltweit in China aufgestellt.
Im laufenden Fünfjahresplan hat China die Robotik zu einer der Schlüsselindustrien erklärt. „Es ergibt Sinn, dass ein Land mit viel Industrie und noch viel zu entwickelnder Industrie in Automatisierung investiert“, sagte IFR-Generalsekretärin Bieller. Allerdings werde der Marktzugang für internationale Hersteller zunehmend erschwert, während nationale Hersteller gefördert würden.
55 Prozent der Installationen entfallen inzwischen auf heimische Hersteller. Zwar konnten die traditionellen Hersteller aus dem Westen und aus Japan im vergangenen Jahr teils sogar stärker zulegen. Doch lag das daran, dass die Nachfrage aus der chinesischen Autoindustrie besonders hoch war. Hier spielen Anbieter wie zum Beispiel Kuka, ABB und Fanuc noch immer eine starke Rolle.
Doch drängen die chinesischen Anbieter aus ihrer nun starken Position in der Heimat heraus verstärkt auf die Weltmärkte. Gerade kleinere Unternehmen, die eine günstige Lösung suchen und weniger Datenschutzbedenken hätten als manch vernetzter Großkonzern, zeigten sich oft interessiert, sagte Bieller.
Auch in den USA werden immer mehr Roboter aufgestellt. Im vergangenen Jahr stieg der Absatz um zwölf Prozent auf 38.400 Installationen. Damit sind die USA jetzt vor Japan der zweitgrößte Markt weltweit. Besonders stark legte die Nachfrage aus der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zu.
„Es werden Anreize geschaffen, Produktion zurück in die USA zu verlagern. Dafür braucht es mehr Automatisierung“, sagte Bieller. Es sei noch offen, wie schnell die dafür nötigen Robotik-Produktionskapazitäten aufgebaut werden könnten.
In Deutschland kommt die Automatisierung derzeit deutlich langsamer voran als in den anderen großen Märkten. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande nur 24.800 neue Roboter installiert, ein Minus von acht Prozent. In der Autoindustrie fiel der Rückgang besonders stark aus. Auch in der Metallverarbeitung und der Chemieindustrie fiel der Absatz.
Zunächst einmal sei der Rückgang der Roboterinstallationen in Deutschland Ausdruck der Investitionsschwäche der Industrie, insbesondere der Automobilindustrie, sagte Adrian Reisch, Partner bei EY Consulting, dem Handelsblatt. „Er sollte uns aber trotzdem Sorgen machen.“ Denn während Deutschland Investitionen verschöbe, beschleunigten China und zunehmend auch die USA ihre Automatisierung.
Entscheidend sei dabei nicht nur die Zahl klassischer Industrieroboter. Da verfüge Deutschland über eine hochautomatisierte industrielle Basis. Es gehe nun darum, auch bei der neuen Automatisierungswelle mit Künstlicher Intelligenz und autonomen mobilen Systeme vorne mit dabei zu sein. „Die entscheidende Frage ist, ob wir die nächste Generation der Automatisierung schnell genug in die Breite bringen. Aus einem konjunkturellen Rückgang darf kein struktureller Rückstand werden.“
Der IFR betonte, dass Deutschland noch immer der fünftgrößte Robotikmarkt der Welt ist. 41 Prozent aller neuen Roboter, die in der EU gekauft werden, werden in Deutschland aufgestellt. Doch auch Generalsekretärin Bieller sieht Handlungsbedarf. „Wir müssen bei der Ausbildung Gas geben. Wir brauchen mehr Fachkräfte, die nicht die Roboter entwerfen, sondern die Anlagen installieren und umrüsten. Zudem sei mehr staatliche Unterstützung – zum Beispiel bei den Abschreibungsregeln – notwendig, damit die Unternehmen in neue Technik investieren und so Wertschöpfung im Land halten können.
Die Absatzrückgänge führen auch zu einer geringeren Roboterproduktion. Sowohl heimische als auch ausländische Anbieter produzieren zunehmend nah an den Absatzmärkten. So sank die Produktion von Industrierobotern in Deutschland im vergangenen Jahr um 24 Prozent auf 23.700 Einheiten. Auch 2026 ist noch keine Besserung in Sicht.
So erwartet auch der Fachverband VDMA Robotik + Automation laut früheren Angaben für 2026 einen Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr waren die Erlöse bereits um sieben Prozent gesunken. „Unsere Branche kämpft gleichzeitig mit schwacher Nachfrage, geopolitischer Unsicherheit und herausfordernden Standortbedingungen“, sagte der Verbandsvorsitzende Olaf Munkelt.
Humanoide Roboter, um die es derzeit einen Hype gibt, spielen in der Produktion noch keine Rolle. Der IFR verzeichnete im vergangenen Jahr einen Absatz von etwa 7000 menschenähnlichen Maschinen mit einer Größe von mehr als 1,40 Metern. Dabei handele es sich aber primär um den Servicebereich oder Testroboter für die Forschung, sagte Bieller. In der industriellen Produktion kämen Humanoide nur sehr vereinzelt in Pilotprojekten zum Einsatz.
AI outlook — possibilities, not facts
Weltweite Neuinstallationen steigen 2026 um neun Prozent auf 655.000.
Likely · Within months
Umsatzrückgang der Roboterbranche in Deutschland um fünf Prozent 2026.
Likely · Within months

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