Deutschlands älteste Familienunternehmen: Tradition und Wandel als Erfolgsrezept
Quick Look
- Die Stiftung Familienunternehmen hat eine Liste der 50 ältesten deutschen Familienbetriebe veröffentlicht, die durchgängig in Familienbesitz sind.
- Das älteste Unternehmen, The Coatinc Company in Kreuztal, wurde 1502 gegründet und ist nun in der 17.
- Generation familiengeführt.
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Why It Matters
Die Stiftung Familienunternehmen hat eine Liste der 50 ältesten deutschen Familienbetriebe erstellt, die durchgängig in Familienbesitz sind. Das älteste Unternehmen ist The Coatinc Company in Kreuztal, gegründet 1502 als Stahlschmiedebetrieb und nun in der 17. Generation familiengeführt.
Deutschlands ältestes Familienunternehmen hat seinen Sitz in Kreuztal bei Siegen. Der Metallveredler mit dem heutigen Namen „The Coatinc Company“ verzinkt und beschichtet Metall, um es vor Rost zu schützen – etwa Stahlträger für Leitplanken an der Autobahn oder Balkongeländer. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1502 als Stahlschmiedebetrieb, seither ist es ununterbrochen in Familienbesitz, mittlerweile in der 17. Generation. Obwohl Verzinkungen eine große Rolle in der Industrie spielen, ist der Unternehmensname nur wenigen Endverbrauchern bekannt, da sie nicht direkt mit ihm in Berührung kommen.
Das geht vielen versteckten Weltmarktführern aus der deutschen Industrie so. Ihre Kunden sind oft andere Unternehmen. Das zeigt ein Blick auf die neue Liste der Stiftung Familienunternehmen, auf der die Namen der 50 ältesten deutschen Betriebe zusammengetragen wurden, die sich durchgehend in Familienhand befinden. Ihr gemeinsames Merkmal ist ihr Durchhaltevermögen, doch ihre Rezepte für ein langes Leben sind höchst unterschiedlich. Ähnlich abwechslungsreich sind ihre Geschäftsmodelle.
Auf der Liste stehen große und bekannte Namen aber auch viele kleinere, die nur Eingeweihten etwas sagen. Zu den großen Promis auf der Liste gehören das im Dax vertretene Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmen Merck (gegründet 1668) oder die Duisburger Familienholding Haniel. Breit bekannt ist auch die Brauereigruppe Warsteiner, gegründet 1753 und benannt nach seiner Heimatstadt Warstein in Nordrhein-Westfalen. Im fusionsaffinen Biermarkt ist es besonders schwer, familiäre unternehmerische Eigenständigkeit zu behaupten.
Der Porzellanhersteller Villeroy & Boch steht für Qualität und Hygiene. Die Marke gilt als Made in Germany, doch die Wurzeln des Unternehmens mit Sitz im Saarland reichen in die wechselvolle deutsch-französische Geschichte zurück.
Familienunternehmen punkten auch mit ihrer Liebe fürs Detail. So ermöglichte der 1530 gegründete Hersteller Prym Anfang des 20. Jahrhunderts die Massenproduktion von rostfreien Druckknöpfen. Die Idee des Druckknopfs gab es schon vorher, doch richtig marktreif wurde er erst durch technische Perfektion etwa in Form der von Prym entwickelten Federung, die den Knopf so unwiderstehlich klicken lässt. Alltagsprodukte wie der Druckknopf wirken heute selbstverständlich, beruhen aber auf mühsamen Innovationen.
Schreibgeräte verkaufen sich gut im Ausland
Mit der traditionsreichen Privatbank Metzler aus der Bankenmetropole Frankfurt und der Fürstlich Castell’schen Bank aus Würzburg sind die langlebigen Familienunternehmen auch in der Finanzbranche vertreten. Bekannt bei Verbrauchern sind auch die Schreibwaren des Familienunternehmens Faber-Castell mit seiner 250-jährigen Geschichte, die mit einer Bleistiftwerkstatt in Stein bei Nürnberg begann. Dort sitzt das Unternehmen noch heute. Dass es sich so lang am Markt gehalten hat, liegt jedoch weniger an Ortsverbundenheit, sondern vielmehr an internationaler Expansion.
Welches Geheimnis steckt hinter der unternehmerischen Langlebigkeit? Vielleicht liegt der Schlüssel darin, die Gegensätze Tradition und Veränderung in Einklang zu bringen. „Über Jahrhunderte haben sich diese Unternehmen immer neu erfunden, mit der Familie als Stabilitätsanker und Fels in der Brandung“, sagt Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen. Solche Überlebenskünstler verleihen der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung von Heidbreder Resilienz in den aktuell krisenhaften Zeiten.
Regional sind die Traditionsunternehmen ungleich verteilt: Die meisten sehr alten Familienunternehmen sind in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg ansässig. Im Osten dagegen findet sich kein einziges der 50 ältesten Familienunternehmen, die durchgängig in Familienbesitz sind. Tatsächlich haben die Enteignungen während der sowjetischen Besatzung und später in der DDR-Zeit die Tradition vieler Familienunternehmen dort durchbrochen.
Wie es Familienunternehmen im Osten erging
Nach dem Krieg wurden auf dem Boden der DDR Tausende Familienunternehmen demontiert oder enteignet. Manche namhafte Marken – wie Teekanne, Odol oder Wella – wanderten auch in den Westen ab. Die übrig gebliebenen Firmen wurden drangsaliert und gegenüber Staatsbetrieben benachteiligt. Zunächst gab es bis in die Siebzigerjahre hinein auch in der DDR noch einen kleinen Rest an mittelständischen Familienunternehmen mit staatlicher Beteiligung.
Dann aber holte der damals frisch an die Macht gekommene Erich Honecker zum finalen Schlag aus und wandelte 1972 auch noch die letzten verbliebenen mittelständischen Unternehmen in „Volkseigene Betriebe“ um oder verleibte sie schon bestehenden Kombinaten ein. Danach konnten sich lediglich Kleinstbetriebe im Handwerk und in Werkstätten behaupten, die aber nicht mehr als zehn Mitarbeiter haben durften.
Nach dem Mauerfall 1989 wurden zwar einige enteignete Betriebe an die Erben der früheren Eigentümer zurückübertragen. Aber nur wenige Reprivatisierungen verliefen nach Jahrzehnten der Planwirtschaft und Abkopplung vom Weltmarkt reibungslos. Vereinzelt konnte an frühere Erfolge angeknüpft werden. Das schafften etwa die Klavierfabrik Blüthner in Leipzig oder der Orgelbauer Hermann Eule in Bautzen. Erfolgreich verliefen einige Reprivatisierungen ostdeutscher Betriebe durch Management-Buy-outs, also den Verkauf an leitende ostdeutsche Angestellte der volkseigenen Betriebe. Dadurch kamen sie oft nicht mehr zurück in die Hände der Gründerfamilien.
Open Questions
- Wie viele der ostdeutschen Familienunternehmen konnten nach der Wiedervereinigung erfolgreich zurück in Familienbesitz gelangen?
- Welche spezifischen Strategien nutzen die langlebigsten Familienunternehmen zur Bewältigung von Krisen?
- Gibt es Unterschiede in der Überlebensrate zwischen produzierenden und dienstleistungsorientierten Familienunternehmen?






