Drohnenangriffe, Rüstungsverträge und diplomatische Initiativen im Ukraine-Krieg
Quick Look
- Die Ukraine hat nach Behördenangaben Moskau mit rund 650 Drohnen angegriffen, während in Kiew neue Rüstungsverträge mit Deutschland im Wert von Milliarden unterzeichnet wurden.
- Zudem gibt es Entwicklungen zu Getreideexporten und diplomatischen Verhandlungen.
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Why It Matters
Der anhaltende Krieg zwischen Russland und der Ukraine führt zu täglichen Drohnenangriffen auf Infrastruktur und militärische Ziele.
Die Ukraine hat die Region der russischen Hauptstadt Moskau nach Behördenangaben in der Nacht mit rund 650 Drohnen angegriffen. Die meisten seien von der Luftabwehr aus großer Entfernung unschädlich gemacht worden, schrieb der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin auf der Plattform Telegram. 105 Drohnen seien bei ihrem Anflug auf die Hauptstadt zerstört worden. Über Schäden oder Verletzte gab es zunächst keine Informationen. Die Angaben aus Moskau konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Sollten die russischen Angaben zur Zahl der abgeschossenen Drohnen zutreffen, würden sie auf einen großen Angriff der Ukraine hindeuten. Das Portal „Kyjiv Independent“ berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, bei dem Angriff sei eine Ölförderanlage rund 40 Kilometer entfernt von Moskau ins Visier genommen worden. Die Ukraine zielt auf Anlagen der russischen Ölindustrie, um so auch den für Moskaus Kriegskasse wichtigen Energieexport zu treffen.
Russland hat der Ukraine einen tödlichen Drohnenangriff auf das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja vorgeworfen. Bei dem Angriff in der Nacht zum Montag sei ein Fahrer getötet worden, der Lebensmittel für die Mitarbeiter lieferte, sagte the Chef des russischen Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschow. Ziele seien ein Laborgebäude und eine Anlage zur Verarbeitung radioaktiver Abfälle gewesen. Eine Gefahr für die nukleare Sicherheit bestehe jedoch nicht. Eine ukrainische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.
Die russische Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, warf dem Westen vor, die ukrainischen Angriffe durch mangelnde Verurteilung zu ermöglichen. Die von Russland eingesetzte Werksleitung hatte bereits am Samstag erklärt, ukrainischer Beschuss habe die externe Stromversorgung beschädigt. Das Kraftwerk werde derzeit über Notstromdieselgeneratoren versorgt. Das größte Atomkraftwerk Europas wurde in den ersten Wochen des Krieges von Russland besetzt. Seitdem werfen sich Moskau und Kiew gegenseitig vor, die nukleare Sicherheit zu gefährden. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat Beobachter vor Ort stationiert.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft trotz der verstärkten russischen Angriffe auf sein Land auf eine baldige Wiederaufnahme von Gesprächen über eine Beendigung des Kriegs. „Ich gehe davon aus, dass es der amerikanischen Seite im Oktober gelingen wird, ein Dreiertreffen zu organisieren“, sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Das ukrainische Verhandlungsteam stehe bereit. „Diese Bereitschaft muss nun auch von Russland kommen.“
Die Diplomatie müsse nun auch in Russland zur Priorität werden. „Bislang konzentrieren sie sich ausschließlich auf Angriffe auf die Ukraine und auf destabilisierende Aktivitäten in Europa“, sagte Selenskyj. Eine wichtige Aufgabe der USA und aller starken Partner der Ukraine sei es, Russland zur Diplomatie zu bewegen, „zu konkreten Schritten statt zu Tötungen“.
In Lettland ist ein Deutschrusse zu sieben Jahren Gefängnis und einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden, weil er Gelder und Güter an russisches Militärpersonal gesammelt und weitergegeben haben soll. Darunter sollen etwa Nachtsichtgeräte und Teleskope gewesen sein, meldete die lettische Nachrichtenagentur Leta unter Berufung auf das zuständige Gericht in Riga.
Das Urteil gegen den Mann mit deutscher und russischer Staatsangehörigkeit ist noch nicht rechtskräftig. Es basierte auf Korrespondenz, Fotos und Videos, die auf dem Mobiltelefon sichergestellt wurde. Der Verurteilte bestritt die bewusste Lieferung sanktionierter Militärgüter. Nach eigenen Angaben transportierte er aus humanitären Gründen in seinem Fahrzeug Hilfsgüter wie Rollstühle, Krücken und Windeln. Vor Gericht sagte er einem Bericht des lettischen Rundfunks zufolge aus, er habe die Nachtsichtgeräte Jägern gegeben.
Bei einem russischen Angriff auf die Gemeinde Slowjansk in der ostukrainischen Region Donezk ist ein Mensch getötet worden. Das teilte Wadym Ljach, Leiter der Militärverwaltung der Stadt, mit. Er rief die Bewohner dazu auf, das Gebiet zu verlassen und nicht auf eine verpflichtende Evakuierungsanordnung zu warten.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Verkauf des Russlandgeschäfts von UniCredit genehmigt. Ein entsprechendes Dekret zur Umstrukturierung der Tochtergesellschaft der italienischen Großbank und zum anschließenden Verkauf der neu geschaffenen Einheit wurde am Montag auf der Website der russischen Regierung veröffentlicht.
Die Transaktion bedurfte der Zustimmung des Präsidenten: Russland hat strenge Auflagen für Geschäfte mit Vermögenswerten von Investoren aus Ländern erlassen, die von der Regierung in Moskau als „unfreundlich“ eingestuft werden. UniCredit hatte im Mai eine unverbindliche Vereinbarung über den Teilverkauf mit einem etablierten privaten Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet. Das Institut plant, sein Russlandgeschäft in zwei Teile aufzuspalten.
Es will die volle Kontrolle über den Zahlungsverkehrsbereich zur Abwicklung internationaler Zahlungen für nicht sanktionierte Firmenkunden behalten, während der nicht namentlich genannte Käufer aus den Emiraten den Rest übernehmen soll. Das Mailänder Geldhaus rechnet bei dem Geschäft nach vorherigen Angaben mit einer Ertragsbelastung von 3,0 bis 3,3 Milliarden Euro.
Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Frachtschiff im Schwarzen Meer sollen mindestens zwei Menschen getötet worden sein. Das teilten die rumänischen Behörden mit. Elf weitere Menschen seien gerettet worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb am Montag auf der Plattform X, zwei Drohnen hätten das Schiff im Besitz der Türkei in neutralen Gewässern attackiert.
Das Schiff, das Mais transportiert habe, sei in Brand geraten und später gesunken. Der Tod des Kapitäns sei bestätigt. Das Schicksal einer weiteren Person werde noch geklärt, schrieb Selenskyj abweichend von den rumänischen Angaben. Auch Selenskyj sprach von elf Geretteten, darunter eine verletzte Person. An Bord hätten sich Staatsbürger Aserbaidschans und Indiens befunden.
Russland hat eigenen Angaben zufolge ein Frachtschiff im ukrainischen Schwarzmeerhafen Piwdennji beschossen. Das Schiff sei zur Versorgung des ukrainischen Militärs eingesetzt worden, teilt das russische Verteidigungsministerium mit.
Bei einem russischen Luftangriff mit Lenkbomben auf die nordostukrainische Stadt Charkiw sind den örtlichen Behörden zufolge drei Menschen getötet worden. 25 weitere Menschen seien verletzt und Wohngebäude sowie Lagerhallen beschädigt worden, teilt Bürgermeister Ihor Terechow auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit.
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben erstmals russische Drohnen mit Strahlantrieb mithilfe automatisierter Geschütztürme abgeschossen. Zu den abgewehrten Drohnen habe auch the Typ Geran-5 gehört, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. Bei den Abschüssen komme maschinelles Sehen zum Einsatz, sagte Luftwaffensprecher Juri Ihnat im ukrainischen Fernsehen. „Künstliche Intelligenz macht es möglich, sogar Drohnen mit Strahlantrieb zu bekämpfen.“
Die Ukraine setzt in der Hauptstadt Kiew nach Angaben eines Präsidentenberaters KI-gesteuerte Geschütze zur Abwehr russischer Drohnen ein. Zwölf automatische Geschütztürme seien bereits installiert worden, weitere sollten folgen, teilte Serhij Beskrestnow in sozialen Medien mit.
Bei den Anlagen handele es sich um Maschinengewehre, die mithilfe Künstlicher Intelligenz gesteuert würden und russische Shahed-Drohnen mit Strahlantrieb abschießen sollten. Kiew ist immer wieder Ziel russischer Drohnen- und Raketenangriffe. Luftalarm und Explosionen gehören für die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt inzwischen zum Alltag.
Nach einem russischen Angriff auf ukrainische Infrastruktur ist der Betrieb an einem Grenzübergang zwischen Moldau und der Ukraine eingestellt worden. Ein Geschoss sei am Montag nahe dem Übergang Palanca-Majaky-Udobne niedergegangen, teilte die moldauische Grenzpolizei mit.
Das Geschoss sei am frühen Vormittag auf dem Boden aufgeprallt und anschließend gegen einen nahe der Schranke geparkten Reisebus geschleudert worden. Der Bus und ein Kontrollhäuschen seien beschädigt worden. Ein Mitarbeiter des Grenzdienstes habe leichte Verletzungen erlitten. Weitere Verletzte habe es nicht gegeben.
Bei einem russischen Drohnenangriff auf die ukrainische Stadt Charkiw ist nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow ein Mensch getötet worden. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden. Fahrzeuge und ein Verwaltungsgebäude seien in Brand geraten, zudem seien Wohnhäuser beschädigt worden. Das russische Verteidigungsministerium teilte am Montag mit, in der Region Charkiw sei eine Umspannanlage angegriffen worden. Zudem seien Energie- und Hafeninfrastruktur sowie vom ukrainischen Militär genutzte Schiffe attackiert worden.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wirft Russland vor, mit hybriden Angriffen Menschenleben in ganz Europa zu gefährden. In den vergangenen Wochen habe es einen starken Anstieg russischer Sabotageversuche und Luftraumverletzungen gegeben, sagt Kallas bei einer Pressekonferenz mit dem moldauischen Ministerpräsidenten Vasile Tofan in Brüssel. Dass am Wochenende erneut russische Raketen und Drohnen den Luftraum von Moldau verletzt hätten, sei völlig inakzeptabel.
Die Ukraine hat nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte der russischen Ölraffineriekapazität außer Betrieb gesetzt. Jüngste Attacken auf Raffinerien unter anderem in Moskau, Jaroslawl, Ust-Luga, Perm, Saratow und Sysran hätten 51 Prozent der Kapazität lahmgelegt, teilte das ukrainische Verteidigungsministerium mit. Unabhängig überprüfen ließ sich die Angabe zunächst nicht.
Der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara erklärte, Geheimdienstanalysten, der Generalstab und sein Ministerium hätten die Auswirkungen der Angriffe auf Ziele tief im Inneren Russlands ausgewertet. Die ausgefallenen Raffineriekapazitäten seien ein erheblicher Schlag gegen Russlands Wirtschaft und die Fähigkeit Moskaus, Krieg gegen die Ukraine zu führen und die dort kämpfenden Truppen zu versorgen.
BND-Chef Martin Jäger hat davor gewarnt, die Hilfe für die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland zurückzufahren. „Die Unterstützung der Ukraine ist deutsches Kerninteresse“, sagt er in der Anhörung der deutschen Nachrichtendienste im Bundestag. Er warnt vor gravierenden Folgen, sollte Russland den Krieg gewinnen. „Es ist eine große Illusion, dass mit Ende des Krieges in der Ukraine der Konflikt mit Russland vorüber wäre.“ Russland verfolge ein expansives, hegemoniales Projekt, das über die Ukraine hinausgehe und etwa das Baltikum umfasse.
Russland hat nach eigenen Angaben in der südukrainischen Region Odessa den Hafen von Wylkowe, Treibstofflager in Tschornomorsk und Frachtschiffe angegriffen. Außerdem habe man ein Kraftwerk in der nordöstlichen Region Charkiw getroffen, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Ziele seien ausgewählt worden, weil sie für militärische Zwecke genutzt würden.
Der Gouverneur von Odessa, Oleh Kiper, bestätigt, dass Industrie- und Hafeninfrastruktur in der Region Ziel massiver russischer Luftangriffe gewesen sei. Alle dadurch ausgelösten Brände seien inzwischen gelöscht. Die Behörden der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw hatten bereits am späten Sonntagabend den Tod eines Menschen bei einem russischen Luftangriff gemeldet. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden.
Deutsche und ukrainische Firmen haben am Rande des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew mehr als ein Dutzend Kooperationsdokumente unterzeichnet. Das ukrainische Verteidigungsministerium vereinbarte etwa mit der Firma Diehl die Lieferung von Tausenden Iris-T-Luftabwehrraketen sowie weiteren Abschusseinrichtungen, teilte die ukrainische Regierung mit. Mit der Firma Hensoldt sei ein Vertrag über Satellitentechnik vereinbart worden.
The Firma Quantum soll für das Verteidigungsministerium Abfangdrohnen für die schnellen russischen Jet-Drohnen weiterentwickeln und produzieren. Diese sollen nach Unternehmensangaben in der Ukraine gebaut werden und im Winter 2026/27 zur Verfügung stehen. Das Gesamtvolumen aller Absichtserklärungen bezifferte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf 8,5 Milliarden Euro. In deutschen Regierungskreisen war von 6,5 Milliarden Euro die Rede. Kanzler Merz hatte angekündigt, dass die Bundesregierung eine weitere Milliarde Euro an Militärhilfe und 350 Millionen Euro für das durch russische Angriffe beschädigte Energiesystem freigegeben hat.
Mit den Energieunternehmen Siemensenergy und 50Hertz Transmission und Amprion wurden Kooperationsvereinbarungen zur Ertüchtigung des ukrainischen Stromnetzes unterzeichnet. Es gab zudem Vereinbarungen zwischen Firmen beider Länder. So will die Firma ARX Robotics künftig mit dem ukrainischen Unternehmen Roboneers bei der Entwicklung unbemannter militärischer Landfahrzeuge zusammenarbeiten. Zudem wurde zwischen Firmen eine Kooperation bei der Produktion von Munition etwa von 155-Milimeter-Artillerie vereinbart.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich unbeeindruckt von den russischen Angriffen gezeigt.
What to Watch
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Lieferung von Iris-T-Raketen und Abfangdrohnen im Winter 2026/27
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Open Questions
- Wann finden konkrete Friedensgespräche statt?
- Welche Auswirkungen haben die Angriffe auf die russische Ölproduktion langfristig?



