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Edmund Stoiber war von 1994 bis 2008 bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender. Er prägte die Politik Bayerns über Jahrzehnte hinweg und gilt als einer der einflussreichsten Politiker des Freistaats. Sein Rückzug aus dem öffentlichen Leben erfolgt aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nach mehreren Operationen im Jahr 2026.
Wie gerne hätten sie in der CSU diesen Tag besonders gefeiert. Doch anders als in früheren Jahren fällt die große Feier zu Edmund Stoibers 85. Geburtstag (28. September) vorerst aus. Der Gesundheitszustand des früheren CSU-Chefs und bayerischen Ministerpräsidenten erlaube derzeit keine derartigen Veranstaltungen, heißt es sowohl aus der CSU als auch aus der Staatsregierung. Gleichwohl dürfte am Montag Stoibers Telefon kaum still stehen - denn nach wie vor genießt dieser weit über die Parteigrenzen hinweg große Anerkennung.
Tatsächlich sind öffentliche Auftritte von Stoiber in den vergangenen Monaten eine Seltenheit geworden. Selbst an den Sitzungen des CSU-Vorstands in der Münchner Parteizentrale hat er schon länger nicht mehr teilgenommen. Dabei würden gerade in diesen Tagen, wo die Verschiebungen in der politischen Landschaft sichtbarer werden denn je, viele nicht nur in der CSU gerne seine Meinung hören. Sogar bei seiner großen Fußball-Leidenschaft, dem FC Bayern München, gab er im Februar 2026 nach Jahrzehnten an der Spitze des Verwaltungsbeirats seinen Abschied.
Stoiber musste sich Operationen unterziehen
Der frühere CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident musste 2026 aus gesundheitlichen Gründen mehr als einen Gang zurückschalten und sich mehreren Operationen unterziehen, wie es heißt. Das gilt auch für seinen Kontakt zu Medien. Aus Stoibers Umfeld heißt es, es gehe ihm den Umständen entsprechend, die Operationen seien gut verlaufen, aber es brauche einfach alles seine Zeit. Möglicherweise sei ausgerechnet die Geduld eine Tugend, die Stoiber jetzt pünktlich zu seinem Geburtstag lernen und aushalten müsse.
Tatsächlich verbindet man mit Edmund Stoiber viele Eigenschaften, nicht aber Ruhe und Gelassenheit. Auch nach seinem unfreiwilligen Abgang 2007 absolvierte Stoiber in den unterschiedlichen Rollen und Funktionen ein Pensum, welches so mancher aktive Politiker kaum erreicht. Unter anderem leitete er von 2007 bis 2014 ehrenamtlich eine Arbeitsgruppe zum Bürokratieabbau in der Europäischen Kommission. Auch in Talkshows war er nicht zuletzt wegen seinem emotionalen und gerne von Kabarettisten imitierten Redestil ein gerne gesehener Gast.
2021 hatte Stoiber seinen 80. Geburtstag noch mit einem regelrechten Feier-Marathon begangen - angefangen von einem Fest am Geburtstag im Kreise der Familie über Empfänge der Staatsregierung, von CDU und CSU sowie eine große Feier mit annähernd 100 Freunden aus Politik, Wirtschaft und Sport.
Söder: Stoiber ist ein Vater des modernen Bayern
«Edmund Stoiber gehört zu den prägendsten Figuren des Freistaats. Zusammen mit Franz Josef Strauß und Alfons Goppel ist er Vater des modernen Bayern», würdigt Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder die «einzigartige Lebensleistung» seines politischen Ziehvaters. Letztlich stellte Stoiber auch die Weichen für Söders Karriere, als er ihn im November 2003 zum CSU-Generalsekretär machte. Von seinen Weichenstellungen profitiere Bayern bis heute - so gilt etwa der Verzicht auf neue Schulden im Staatshaushalt ebenso als «Stoibers Erbe» wie die Schwerpunktausrichtung auf Hightech und Hochschulausbau.
Söder weiter: «Alles erdenklich Gute zum 85. Geburtstag - mit besten Wünschen für die Gesundheit und herzlichem Dank für eine einzigartige Lebensleistung. Bis heute schätze ich seinen Rat und seinen Weitblick. Die Stimme und Meinung von Edmund Stoiber haben in ganz Bayern bis heute großes Gewicht. Er ist und bleibt ein gefragtes und geachtetes Vorbild.»
Von 1974 bis 2008 war Stoiber Mitglied des bayerischen Landtags, CSU-Generalsekretär und Staatssekretär unter seinem Mentor Franz Josef Strauß, Innenminister, Leiter der Staatskanzlei und 14 Jahre Ministerpräsident. 2002 war er nach Strauß im Jahr 1980 der zweite Unionskanzlerkandidat der CSU und - angesichts des gescheiterten Machtkampfes von Söder gegen den damaligen CDU-Chef Armin Laschet im April 2021 - auch der bislang letzte.
Stoiber der Familienmensch
In den vergangenen Jahren hat Stoiber aber ein Kunststück geschafft, welches vielen Politikern nicht gelingt - Glück und Zufriedenheit auch ohne politisches Spitzenamt verspüren. Als er zu seinem 80. Geburtstag in München bei einem Festempfang der CSU eine Rede hielt, kam er erst zum Ende auf die Politik und die kurz zuvor erlittene Pleite der Union bei der Bundestagswahl zu sprechen. Vielmehr nutze er die Bühne für eine Liebeserklärung an seine Frau Karin, mit der er seit 1968 verheiratet ist. Getreu dem Motto «Man hat ja nur ein Leben».
«Ich hatte nie vor, Politiker zu werden», sagte Stoiber damals, um so dankbarer müsse er sein, dass seine Frau Karin, die einen Rechtsreferendar geheiratet habe, dieses nicht planbare Leben mitgemacht habe, bei dem so oft die privaten Interessen zurückstehen. Wer wie er eine so glückliche Ehe führen dürfe und drei Kinder sowie acht Enkel habe, könne nur tiefe Dankbarkeit spüren.
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