EZB: Firmen und Immobilienkäufer kommen schwerer an neue Darlehen
Steigende Zinsen und höhere Kreditrisiken belasten die Kreditvergabe an Unternehmen und Verbraucher.
Quick Look
- Laut EZB-Kreditumfrage verschärfen Banken im Euro-Raum ihre Kreditstandards aufgrund steigender Risiken.
- Die Nachfrage nach Krediten sinkt, während Banken vermehrt Anträge ablehnen.
- Das Kreditwachstum stagniert angesichts des gestiegenen Zinsniveaus.
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Why It Matters
Die EZB hat die Leitzinsen seit Juni zweimal angehoben. Die Inflation im Euro-Raum erreichte im September 3,8 Prozent.
Banken sehen höhere Kreditrisiken und erwarten, dass sich der Trend noch verstärkt. Auch auf das Geschäft mit Immobilien und Verbrauchern schlägt die Zinsentwicklung durch.
Die Europäische Zentralbank hat in ihrer Kreditumfrage festgestellt, dass Banken im Euro-Raum ihre Standards bei der Vergabe von Krediten an Unternehmen wegen steigender Kreditrisiken weiter verschärft haben.
Die Banken erwarten, dass ihre Kreditvergabe im vierten Quartal noch strikter wird, und verschärfen zudem die Bedingungen bei Immobilien- und Konsumentenkrediten.
Die Nachfrage von Unternehmen, besonders im Mittelstand, und Verbrauchern nach Krediten ist gesunken, unter anderem wegen höherer Zinsen, und Banken lehnten mehr Kreditgesuche ab.
Frankfurt. Steigende Zinsen lasten auf der Kreditvergabe im Euro-Raum. Für Unternehmen wird es schwieriger, an neue Darlehen zu kommen, wie eine Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Europas Banken zeigt. Das Kreditwachstum hat offenbar seinen Höhepunkt überschritten.
Banken im Euro-Raum haben ihre Standards zur Vergabe von Krediten an Unternehmen im dritten Quartal weiter verschärft. Laut der vierteljährlichen Kreditumfrage der EZB, dem Bank Lending Survey (BLS), liegt das vor allem an steigenden Kreditrisiken.
Der Trend dürfte sich nach Angaben der Banken im vierten Quartal noch verstärken. Die Geldhäuser werden nicht nur bei Unternehmenskrediten vorsichtiger, sondern auch bei Immobilien- und Konsumentenkrediten.
Die Banken berichteten auch von einer geringeren Nachfrage von Firmen und Verbrauchern. Als Grund nannten sie in erster Linie das gestiegene Zinsniveau. Außerdem lehnten die Banken vermehrt Kreditanfragen ab, wie die Bundesbank mitteilt.
„Bei den Unternehmenskrediten war dies der erste Rückgang seit mehr als zwei Jahren“, bemerkt die Bundesbank. Das betreffe vor allem Mittelständler und lang laufende Kredite. Das Geschäft mit Immobilienkrediten hat sich über den Sommer unerwartet deutlich abgeschwächt.
Die EZB hat die Leitzinsen seit Juni zweimal um jeweils einen Viertelprozentpunkt angehoben und steuert auf eine dritte Zinserhöhung im Dezember zu. Beim Zinsentscheid diesen Donnerstag dürfte sie den für die Kreditzinsen maßgeblichen Einlagensatz bei 2,5 Prozent belassen. Die Kapitalmarktzinsen sind bereits stärker gestiegen. Das liegt an Erwartungen weiterer Zinserhöhungen durch die EZB und daran, dass Investoren höhere Risikoprämien für Staatsanleihen verlangen.
Das Wachstum der Kreditvergabe stagnierte laut EZB im September. An Unternehmen reichten die Banken wie schon im August 4,2 Prozent mehr Kredite als vor einem Jahr aus, nach einem Dreijahreshoch von 4,4 Prozent im Juli. Das Wachstum der Kredite an private Haushalte stagniert seit Jahresbeginn bei Raten von 3,1 oder 3,0 Prozent.
Ulrich Wortberg von der Landesbank Helaba rechnet kaum mit Einfluss auf die Zinserwartungen: „Die Kreditvergabe weist eine vergleichsweise geringe Dynamik auf, und so sprechen die Zahlen gegen einen massiven Inflationsschub“, sagte der Analyst. „Gleichzeitig lassen sie aber wenig konjunkturelle Dynamik erkennen.“
Die Inflation im Euro-Raum erreichte im September mit 3,8 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren. Ökonomen rechnen bald mit Raten von mehr als vier Prozent. Hauptgrund sind die anhaltend hohen Öl- und Gaspreise. Die EZB strebt eine Inflationsrate von zwei Prozent an.
Konjunkturelle Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes und das Ifo-Geschäftsklima deuten weiterhin auf moderates Wachstum in weiten Teilen der Euro-Zone hin. „Der Ausblick auf eine etwas restriktivere Geldpolitik der EZB scheint derzeit noch nicht die Unternehmen zu schrecken“, sagte Christian Lips von der NordLB. „Möglicherweise rechnen sie aber auch mit einer weniger starken Straffung als die Finanzmärkte.“ Investoren preisen laut den Terminmärkten bis zu drei weitere Zinserhöhungen der EZB binnen eines Jahres ein.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
EZB behält Einlagensatz bei 2,5 Prozent bei der nächsten Sitzung.
Likely · Within days
Open Questions
- Wie stark wird die Kreditvergabe im vierten Quartal tatsächlich sinken?
- Folgen weitere Zinserhöhungen im Dezember?







