Florian Schörghuber: Paulaner-Eigentümer über Milliardenwette und Oktoberfest-Erfolg
Der 31-jährige Chef der Schörghuber Gruppe spricht über die Transformation zur Getränkegruppe, das Risiko bei der Sanierung des Arabellahauses und die Herausforderungen in der Lachszucht.
Quick Look
Florian Schörghuber, Eigentümer der Paulaner-Brauerei, berichtet über den Erfolg von Spezi und Paulaner Cola, die Sanierung des Münchener Arabellahauses als Milliardenprojekt sowie die Volatilität seines Lachszuchtgeschäfts in Chile durch El Niño.
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Why It Matters
Die Schörghuber Gruppe ist ein diversifiziertes Familienunternehmen mit Fokus auf Getränke, Immobilien, Hotels und Fischzucht.
München. Die Stimme ist ein wenig heiser, als Florian Schörghuber das Handelsblatt zum Interview empfängt. Das ist kein Wunder: Als Eigentümer der Paulaner-Brauerei hat der 31-Jährige in den vergangenen zwei Wochen viele Abende auf dem Münchener Oktoberfest verbracht.
„Das Oktoberfest macht weniger als 0,5 Prozent unseres Umsatzes aus, aber 50 Prozent unserer Marke“, sagt der Chef der Münchener Schörghuber Gruppe. Dieses Jahr war die Wiesn ein riesiger Erfolg: Bei sonnig-warmem Wetter wurden 6,7 Millionen Mass verkauft, wie die Festleitung am Sonntag mitteilte.
Allerdings wächst Paulaner laut Schörghuber derzeit hauptsächlich mit seinem Cola-Mischgetränk Spezi. Sein Familienunternehmen ist weitverzweigt, und das größte Risiko geht der Betriebswirt an ganz anderer Stelle ein: bei der Sanierung des Münchener Arabellahauses. Angesichts steigender Zinsen und Baukosten könnte das Projekt zu einem milliardenschweren Unterfangen werden. Andere wären deshalb hochnervös, Schörghuber spricht davon, „maximal konzentriert“ zu sein.
Herr Schörghuber, ist das Oktoberfest der letzte Ort, der einem Brauereibesitzer so richtig Freude macht?
So weit würde ich nicht gehen. Aber es ist schön zu sehen, wie gut es dieses Jahr läuft. Auf der Wiesn, in den Biergärten wird viel getrunken. Das liegt natürlich auch am Wetter.
Wie lässt sich erklären, dass in München Hunderttausende Menschen jeden Tag literweise Bier in sich hineinschütten – obwohl der Alkoholkonsum insgesamt deutlich zurückgeht?
Die Menschen sehnen sich nach dem echten, analogen Leben. Und sie haben Lust abzuschalten. Die Jungen trinken heute vielleicht nicht mehr so viel wie früher. Aber sie wollen Zeit im Bierzelt verbringen, singen, feiern. Das ist kein Münchener Phänomen. Mit unserer Fürstenberg Brauerei sind wir traditionell auf dem Volksfest in Stuttgart, dem Wasen. Dort ist es vergleichbar. Das sind einfach sehr wichtige Events für die Menschen. Morgen sind sie dann vielleicht wieder beim Treff ihrer Lauf-Community.
Deutschlandweit macht eine Brauerei nach der anderen zu. Ist das Geschäft noch zu retten?
Klar, das früher übliche Feierabendbier, das gibt’s so nicht mehr. Am Wochenende aber ist die Bereitschaft, etwas zu trinken, weiter da. Viele greifen aber nicht mehr immer zum traditionellen Pils, sondern eher zum Hellen und auch häufiger wieder zum Weißbier. Dann trinkt man etwas Besonderes.
Der Bierkonsum in Deutschland sinkt jedenfalls seit vielen Jahren kontinuierlich.
Das stimmt, dieser strukturelle Wandel lässt sich seit 30 Jahren beobachten. Wir haben frühzeitig reagiert und auch auf alkoholfreie Biere und Getränke gesetzt. Davon profitieren wir heute.
Wie halten Sie es denn? Trinken Sie auch nur noch alkoholfrei?
Ich bin traditionell. Ich trinke Wasser und Bier.
Florian Schörghuber, 31, ist das dritte Kind von Alexandra und Stefan Schörghuber. Seit zwei Jahren ist der Betriebswirt Chef der familieneigenen Schörghuber Gruppe. Zuvor war er zwei Jahre lang Co-CEO zusammen mit einem familienfremden Manager. Vater Stefan Schörghuber ist 2008 im Alter von nur 48 Jahren verstorben.
Die Schörghuber Gruppe gehört Alexandra Schörghuber und ihren Kindern. Das Familienunternehmen besteht aus mehreren Bereichen: Getränke (Paulaner, Fürstenberg, Kulmbacher, Hoepfner), Immobilien (Bayerische Hausbau), Hotels (Arabella Hospitality) und Fischzucht (Productos del Mar Ventisqueros).
Ihre größte Brauerei, Paulaner, widersetzt sich dem branchenweiten Abwärtstrend.
Stimmt, wir sind in der glücklichen Situation, dass wir als eine der wenigen Brauergruppen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa und weltweit wachsen. Wir haben den Umsatz seit dem Jahr 2022 um 40 Prozent gesteigert – gerade weil wir eine klassische Brauereigruppe erfolgreich in einen Getränkeanbieter transformiert haben. Auch in diesem Jahr legen wir zweistellig zu.
Sie halten also am Biergeschäft fest?
Bier und Getränke sind Teil unserer DNA. Ich bin da einfach geschnitzt: Ich liebe dieses Geschäft. Man kommt mit Menschen in Kontakt. Man muss kreativer werden, aber man kann erfolgreich wirtschaften. Und wir tun das. Deshalb gehört Paulaner zur Gruppe und wird Teil der Gruppe bleiben.
Auch Paulaner wächst, aber weniger mit Bier als durch das Cola-Mischgetränk Spezi. Was steckt hinter dem Erfolg?
Paulaner Spezi erzeugt auch das Gemeinschaftsgefühl, von dem ich gerade gesprochen habe. Die Marke steht für Lebensfreude, Offenheit, Brauchtum, sie ist authentisch. Wir wachsen dieses Jahr mit Spezi um 20 Prozent. Unser Marktanteil liegt bei 50 Prozent. Inzwischen trinkt jeder dritte Haushalt in Deutschland ein Produkt von Paulaner.
Innerhalb von sechs Monaten nach dem Start sind wir mit unserer Paulaner Cola auf Platz zwei im deutschen Dosenmarkt aufgestiegen. Das ist die erfolgreichste Getränkeinnovation, die wir jemals auf den Markt gebracht haben.
Wollen Sie weitere Brauereien kaufen?
Wenn wir uns Brauereien in Deutschland anschauen, dann geht es darum, dass wir zusätzliche Abfüllkapazitäten benötigen. Wir können Paulaner Spezi nicht komplett in München produzieren und dann durchs Land fahren. Ich versichere Ihnen aber: Unser Münchener Bier wird natürlich weiter in München produziert.
In China brauen wir zusammen mit Tsingtao ein eigens für die Volksrepublik entwickeltes Bier. China ist unser am stärksten wachsender Markt mit 24 Prozent Plus vergangenes Jahr. 2026 werden wir dort mehr als eine halbe Million Hektoliter verkaufen.
Sie setzen auch an anderer Stelle auf Ihre Heimat München: mit der spektakulären Sanierung des legendären Arabellahauses. Die Zinsen steigen, die Baukosten ebenso. Wird Ihnen da nicht mulmig?
Wir reden über eines der größten Einzelbauprojekte, die es in München gibt, vermutlich sogar in ganz Deutschland. Ich gebe zu: Wir sind maximal konzentriert.
Wir werden 2030 mit der Sanierung beginnen und wollen 2034 fertig sein. Wir werden das Vorhaben stark aus eigenen Mitteln finanzieren.
Was wird das Ganze kosten?
Da kann ich Ihnen noch keine Zahl nennen. Aber wir kommen der großen Eins wohl schon sehr nahe. Sie meinen eine Milliarde Euro. Das ist schon mutig.
Klar. Paulaner ist zwar eine unglaubliche Wachstumsstory. Aber die Immobilien sind nach wie vor von der Kapitalallokation unser größtes und damit wichtigstes Geschäftsfeld. Daher machen mir die hohen Baukosten und der Zinsanstieg derzeit natürlich Sorgen.
Als einer der wenigen Projektentwickler haben Sie gerade damit angefangen, in großem Stil Wohnungen in München zu bauen. Wir errichten 165 Wohnungen im Münchener Stadtteil Feldmoching. Wir vermarkten die Wohnungen seit Jahresanfang und haben bereits jetzt rund 40 Prozent verkauft.
Was bremst denn den Wohnungsbau in Deutschland am meisten?
Hauptproblem sind die enorme Regulatorik und die langen Genehmigungsverfahren. Wir reden häufig über acht bis zehn Jahre Projektlaufdauer. Daran scheitern viele am Ende. Unser Vorteil ist: Unsere Grundstücke sind in der Regel eigenkapitalfinanziert.
Und Fisch essen? Ihr Seafood-Unternehmen Ventisqueros in Chile ist ein ganz anderes Geschäft. Warum führen Sie das weiter?
Es ist der Exot in unserem Portfolio, aber der Markt wächst. Das Geschäft ist allerdings volatil. El Niño und andere meeresbiologische Herausforderungen wirken sich aus. Wenn es wärmer wird, fressen die Fische weniger. Dann haben wir weniger Volumen zu verkaufen. Wir haben gute und schlechte Jahre. Aber: Auch die schlechten Jahre in Chile sind inzwischen profitabel. Wir erreichen in guten Jahren 16 bis 18 Prozent operative Rendite.
Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben? Würde es auch ohne Sie funktionieren?
Operativ gibt es 6700 Paar Schultern, die jeden Tag dafür Sorge tragen, dass alles in die richtige Richtung läuft. Aber nicht nur ich, auch meine Mutter und meine Schwestern sind in den Unternehmen der Gruppe präsent. Wir empfinden das als Verantwortung. Eine Verantwortung, die großen Spaß macht.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Beginn der Sanierung des Arabellahauses im Jahr 2030.
Likely · Within years
Open Questions
- Wie hoch sind die genauen Kosten für das Arabellahaus-Projekt?
- Wie wird sich die Zinslage langfristig auf die Projektentwicklung auswirken?






