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Die deutsche Frauen-Basketball-Nationalmannschaft bereitet sich auf die Weltmeisterschaft vor, nachdem sie im 3×3-Basketball Olympiasieger in Paris geworden ist. Der Artikel untersucht den Kontrast zwischen dem wachsenden öffentlichen Interesse, belegt durch Rekord-Ticketverkäufe, und den anhaltenden strukturellen Benachteiligungen im Vergleich zum Männer-Basketball.
WAMS: Wie würden Sie den Ist-Zustand im deutschen Frauen-Basketball beschreiben, der mit dem Olympiasieg von Paris in der Trendvariante 3 × 3 einen sensationellen Triumph feierte? Boomt er tatsächlich?
Gülich: Gemessen am Ticketverkauf für die WM auf jeden Fall. Schon Tage vor dem Turnierbeginn wurden für die insgesamt 36 Spiele mehr als 200.000 Eintrittskarten verkauft. Das hat es bei den bisherigen 29 Frauen-Weltmeisterschaften noch nicht gegeben. Fürs Finale sind bereits alle Tickets vergriffen. Es fühlt sich großartig an, dass die Menschen hierzulande so einen großen Bock haben, bei unserem Frauensport live dabei zu sein.
WAMS: Gleichwohl die deutschen Männer in den zurückliegenden Jahren weitaus eindrucksvollere Spuren im klassischen Basketball hinterlassen haben. Sie sind amtierender Welt- und Europameister, wurden Olympia-Vierter in Paris. Der bedeutendste Erfolg bei den Frauen ist die EM-Bronzemedaille von 1997. Bei der bislang einzigen WM‑Teilnahme 1998, ebenfalls in Deutschland, sprang lediglich Rang elf heraus. Warum gibt es diese Diskrepanz zwischen den Geschlechtern?
Gülich: Bei den Männern existieren wesentlich professionellere Strukturen. Sie haben bessere Trainings- und Reisebedingungen. Im Gegensatz dazu müssen viele unserer Spielerinnen nebenbei noch einen Beruf ausüben, um über die Runden zu kommen. Dadurch können sie sich nicht 100-prozentig auf ihren Sport konzentrieren. Sie können nur begrenzt trainieren. Ihnen bleibt auch weniger Zeit, sich auf harte Belastungen vorzubereiten und sich dementsprechend davon zu erholen. Wir sind noch sehr weit von einer Gleichstellung entfernt.
WAMS: Spielerinnen hierzulande verdienen durchschnittlich 4000 Euro brutto im Monat. Die Gehälter bei den Männern sind um ein Vielfaches höher. Auch zwischen den Bundesligen existiert eine große Kluft. Während bei den Männern 18 Teams um die deutsche Meisterschaft spielen, sind es bei den Frauen nur zehn. Die drei in diesem Jahr aufstiegsberechtigten Frauenvereine haben ihren Verzicht erklärt, weil sie damit organisatorisch und finanziell überfordert wären. Das hört sich nicht nach einer rosigen Zukunft an. Was muss sich dringend ändern?
Gülich: Der Frauen-Basketball benötigt ganz einfach mehr Geld, mehr Investitionen, um in der Breite erfolgversprechende Strukturen schaffen zu können. Das beginnt bei der Kinder- und Jugendförderung, damit Spielerinnen im Profibereich überhaupt ankommen können, die dann das Niveau in der Bundesliga erhöhen und so auch als Vorbilder für die Nachwuchsentwicklung dienen. Die Vereine müssen in der Lage sein, ihre besten Spielerinnen zu halten. Derzeit sind sie jedoch fast alle bei ausländischen Klubs unter Vertrag.
WAMS: Allein in der WNBA, der zugkräftigsten Liga der Welt, spielen mit Satou und Nyara Sabally, Frieda Bühner, Leonie Fiebig und Luisa Geiselsöder erstmals fünf Deutsche. Dank eines neuen Tarifvertrags verdienen sie dort Jahresgehälter im sechsstelligen Bereich.
Gülich: Das ist natürlich lukrativ, ein solches Angebot kannst du nicht ausschlagen.
WAMS: Sie waren zuletzt 2020 in Nordamerika aktiv. Derzeit spielen Sie für Australiens Meister Townsville Fire. Können Sie von Ihrem Sport leben?
Gülich: Mittlerweile schon. Vor allem aber bin ich froh, dass ich meine Verletzung auskuriert habe. Sie hätte ja auch mein Karriereende bedeuten können.
WAMS: Den Kreuzbandriss im rechten Knie zogen Sie sich im Mai vorigen Jahres in Bamberg beim EM-Testspiel gegen Tschechien zu. Erst vor drei Wochen entschied sich, dass Sie beim Weltchampionat spielen können. Glaubten Sie trotz des gesundheitlichen Handicaps an Ihre Rückkehr in die Nationalmannschaft?
Gülich: Ich habe mir immer gesagt: Du musst es schaffen. Mit dieser Haltung bin ich täglich in die Reha gegangen, die ich genauso ernst genommen habe wie sonst das normale Training. Als ich nach Monaten die ersten Bälle wieder auf einen Korb geworfen habe, machte es irgendwie Klick, und ich war wieder in meiner Welt.
WAMS: Wie schwer fiel es Ihnen, diese Zwangspause mental zu meistern?
Gülich: Es war nicht einfach, körperlich so eingeschränkt zu sein, mit diesen Schmerzen und einer ungewissen Zukunft umzugehen. Es war auch nicht leicht, wieder gehen zu lernen oder das Bein wieder strecken zu können. Ohne Akzeptanz und Geduld kommst du damit nur schwer zurecht. Wobei mir das Vertrauen in meine Arbeit am meisten geholfen hat. Klar, war ich in Sorge, kam so manches Mal ins Grübeln. Ich hatte Angst, bei meiner Rückkehr nicht mehr die gleiche Person als Spielerin zu sein, die ich vorher war. Ernsthafte Zweifel, mit meinem Comeback zu scheitern, hatte ich letztlich aber nicht wirklich. Die Auszeit besaß aber auch etwas sehr Gutes.
WAMS: Was wollen Sie damit sagen?
Gülich: Ich blicke auf das komplizierte Jahr auch mit viel Dankbarkeit zurück, weil ich endlich ein bisschen durchatmen konnte. Seit zwölf Jahren lebe ich nicht mehr in Deutschland, ziehe durch die Welt. Jetzt hatte ich mal Zeit, meine Familie zu sehen, alte Freundinnen zu treffen. Mir wurde wieder bewusst, dass es im Leben noch mehr gibt als Basketball. Wenn man so lange Leistungssport betreibt wie ich, tut der Körper schon ganz schön weh. Es ist krass, doch jetzt habe ich keine Schmerzen mehr, wenn ich morgens aufwache. Ich habe mich körperlich noch nie so gut gefühlt. Auch vom Kopf her bin ich vollkommen erholt, gehe nun mit einem ganz anderen Mindset in die WM.
WAMS: Bei der Tausende Fans Ihren Namen skandieren werden, was im Frauen-Basketball nicht selbstverständlich ist. Wie löst das bei Ihnen aus?
Gülich: Das ist ein cooles Gefühl. Ich liebe volle Arenen mit heißer Atmosphäre, wenn die Energie von den Rängen überschwappt. Da bin ich in meinem Element.
WAMS: Wenn Sie in zehn Jahren auf die WM zurückblicken, woran möchten Sie sich dann besonders erinnern?
Gülich: Dass wir etwas Bleibendes erreicht haben und sagen können: Wow, das war eine geile Zeit.
*Das Interview wurde vor dem ersten WM-Spiel geführt.
AI outlook — possibilities, not facts
Die WM-Teilnahme wird zu einem nachhaltigen Anstieg der Zuschauerzahlen und Vereinsmitgliedschaften im Frauen-Basketball führen.
Likely · Within months
Weitere deutsche Spielerinnen werden in Zukunft in der WNBA unter Vertrag stehen, wenn die aktuelle Entwicklung anhält.
Possible · Within years
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