
Während das Bundeswirtschaftsministerium Entwarnung gibt, zweifelt die Energiebranche an der Erreichbarkeit der Speicherziele für den Winter.
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Die Speicherziele wurden 2022 infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine eingeführt. Aktuell sind die Speicher zu etwa 50 Prozent gefüllt, verglichen mit 67 Prozent im Vorjahr.
Sind die deutschen Gasspeicher halb voll oder halb leer? Die Branche erwartet für den Winter düstere Aussichten. Das Bundeswirtschaftsministerium gibt sich betont optimistisch. Eine Mangellage sei nicht absehbar, heißt es aus Berlin.
Das Bundeswirtschaftsministerium ist trotz der niedrigen Stände zufrieden mit der Befüllung der Gasspeicher. Ein Sprecher des Ministeriums sprach in Berlin von einem guten Füllstand der Speicher. Zudem gebe es neue Terminals, um Flüssiggas (LNG) importieren zu können, und auch Pipeline-Lieferungen aus Norwegen. "Entscheidend ist, die Versorgungssicherheit muss gewährleistet sein", sagt ein Sprecher von Katherina Reiche. "Wir sehen derzeit keine Anzeichen dafür, dass es nicht der Fall ist." Eine Mangellage sei nicht absehbar.
Das Ministerium äußert sich damit deutlich optimistischer als die Betreiber der Speicher. Auch die Energiebranche ist überzeugt, dass die staatlich vorgegebene Befüllung der Gasspeicher auf 70 Prozent bis Anfang November kaum mehr zu schaffen ist. "Das ist irgendwann physikalisch nicht mehr möglich", sagte die Geschäftsführung des Energielobbyverbandes BDEW, Kerstin Andreae, am Freitag. Es werde trotz hoher Gaspreise beim Einkauf zwar weiter eingespeichert, aber nur langsam. Noch sei die Vorgabe für die Füllstände erreichbar. "Aber es wird immer enger."
Gasspeicher sind derzeit nur etwa zu 50 Prozent gefüllt. Im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 67 Prozent. Normalerweise können Gashändler im Sommer günstig einkaufen und somit die Speicher füllen, die dann im Winter angezapft werden. Dies ist dieses Jahr aber wegen des Nahost-Krieges, der die Energiepreise nach oben getrieben hat, so nicht möglich. Deswegen zögern viele Firmen.
Ende vergangener Woche räumte das Wirtschaftsministerium ein, dass die Lage "weniger komfortabel als in den vergangenen beiden Wintern" sei. Jedoch könnten Speicherstände im Bereich von 60 bis 70 Prozent zum Winterbeginn zusammen mit weiteren Importmöglichkeiten grundsätzlich ausreichen, um eine durchschnittliche Nachfrage im Winter zu decken. "Nach derzeitiger fachlicher Einschätzung ist eine staatliche Befüllung der Speicher aktuell nicht erforderlich."
Das Ministerium möchte mit seiner klaren Haltung vorschnelle und preistreibende Eingriffe in den Gasmarkt vermeiden, stellte jedoch klar: "Wenn sich zentrale Risikofaktoren deutlich verschärfen und die Versorgungssicherheit gefährdet wäre, kann und wird der Staat reagieren."
Auch die zuständige Bundesnetzagentur sieht die Gasunternehmen bei der Befüllung der Gasspeicher in der Pflicht. Zugleich ist die Bonner Behörde, die dem Wirtschaftsministerium untersteht, wie die Betreiber skeptisch, dass die staatlichen Vorgaben noch erreicht werden können. In einem Interview gab Klaus Müller, Präsident der Behörde, jedoch an, dass er die Füllvorgaben für überholt hält. "Die Speichervorgaben haben sich in der Krise bewährt, aber inzwischen drohen die Fehlanreize zu überwiegen", sagt er. "Einen Mehrwert sehe ich nicht mehr."
Die Vorgaben stammen aus dem Jahr 2022, als die Gasmärkte wegen Russlands Angriff auf die Ukraine in Panik gerieten. Der Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, man habe die Aussagen zur Kenntnis genommen. "Wir haben die geltende Rechtslage." Er habe keine konkreten Änderungspläne mitzuteilen.

Der Energiekonzern Uniper hat einen langfristigen Vertrag mit dem norwegischen Unternehmen Equinor unterzeichnet. Von 2027 bis 2041 bezieht Uniper jährlich über 30 Terawattstunden Erdgas, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu stärken.

Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller äußert sich im Handelsblatt-Interview zur deutschen Gasversorgung, den Herausforderungen durch Netzbetreiber-Klagen und seiner Rolle als Behördenleiter in einem politischen Umfeld.

Markus Meyer von Enpal kritisiert die deutsche Energiepolitik. Er fordert den Verzicht auf Solarsubventionen bei gleichzeitiger Digitalisierung der Verteilnetzbetreiber. Pauschale Abregelungen von Solaranlagen behindern laut Meyer Innovationen wie bidirektionales Laden.

Angesichts der iranischen Bedrohung der Straße von Hormus suchen Golfstaaten wie Saudi-Arabien und die VAE nach alternativen Exportrouten. Milliardeninvestitionen in Pipelines und Häfen sollen die Abhängigkeit von der Meerenge langfristig mindern.

Die deutschen Gasspeicher sind aktuell nur zur Hälfte gefüllt, was das gesetzliche Ziel von 80 Prozent bis zum 1. November gefährdet. Experten warnen vor wirtschaftlichen Hürden bei der Einspeicherung und betonen die Systemkritikalität der Speicher für kalte Wintertage.

Die Gasspeicher in Deutschland sind derzeit zu 50 Prozent gefüllt. Die BDEW-Vorsitzende Kerstin Andreae warnt, dass das Ziel von 70 bis 80 Prozent bis November aufgrund gestörter Marktmechanismen und hoher Preise immer schwieriger zu erreichen sei.