
Behörden in Lettland, Litauen und Polen haben unterirdische Schleichwege zur Umgehung der Grenzanlagen gefunden. Frontex vermutet staatliche Hilfe aus Minsk.
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Belarus wird vorgeworfen, gezielt Migranten an die EU-Grenze zu bringen, um Druck auszuüben.
Drei EU-Staaten teilen sich eine Grenze mit Belarus: Polen, Lettland und Litauen. Die Grenzen sind gut gesichert, vor allem Polen rühmt sich einer Hightech-Anlage, um Migrantinnen und Migranten, die aus Belarus in die Europäische Union wollen, abzuhalten. Nun sollen jedoch mehrere Minitunnel entdeckt worden sein, mit denen Menschen dennoch durchschlüpfen können.
Vor allem geht es dabei um die Baltenstaaten Lettland und Litauen. Lettische Behörden sprachen am Freitag von einem Tunnel, der unweit des Ortes Kraslava im Südosten des Landes entdeckt worden sei. Zuvor war in der Vorwoche bereits eine andere geheime Unterführung unter der Grenze zwischen Belarus und Lettland aufgetan worden. Auch in Polen und Litauen wurden wiederholt unterirdische Schleichwege entdeckt, durch die Menschen von Belarus aus in die EU-Staaten gelangten.
Besonders groß sind die Bauwerke nicht. Nach SPIEGEL-Erkenntnissen geht es um mickrige, nur zehn Meter lange Tunnel. Die Tunnel könnten mit Billigung aus Minsk gebuddelt worden sein. Litauen wirft dem Regime des belarussischen Machthabers und Kremlfreundes Alexander Lukaschenko seit Längerem vor, gezielt Migranten aus Krisenregionen an die Außengrenze der Europäischen Union zu bringen, um Druck auf die EU auszuüben.
Nach Recherchen von NDR und WDR erhob auch Frontex schwere Vorwürfe gegen Belarus: Die EU-Grenzschutzagentur geht in einer internen Analyse demnach davon aus, dass staatliche Stellen in Belarus den Bau der Grenztunnel unterstützen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Regime von Lukaschenko Spezialisten für die Konstruktion der Tunnel und Migranten zum Graben nutze, heißt es in den Papieren, die NDR und WDR vorliegen.
Hoffen auf »Operation Werwolf«
Zur Eindämmung der im Sommer deutlich gestiegenen Zahl an irregulären Grenzgängern startete Lettland zuletzt die »Operation Werwolf« zur Sicherung seiner Ostgrenze. Dabei sollen Grenzschutz, Staatspolizei, Streitkräfte und Geheimdienste enger zusammenarbeiten. Auch sollen im Grenzgebiet etwa verstärkt Radarsysteme und Drohnen zum Einsatz kommen, um illegale Grenzübertritte festzustellen.
Unterstützung erhält Lettland von Estland und Litauen, die Grenzschützer entsendet haben, um das baltische Nachbarland beim Schutz und der Kontrolle der Grenze zu unterstützen. In beiden Staaten waren zuvor vermehrt Schutzsuchende aufgegriffen worden, deren Weg von Belarus über die EU-Außengrenze nach Lettland und dann weiter nach Estland oder Litauen führte. Auch die Zahl an beteiligten Schleusern habe zugenommen. Viele Migranten, die über Belarus irregulär in die EU einreisen wollen, haben Deutschland als Ziel.

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