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Gen Z: „Mir steht doch gar nichts offen“ – selbst die Elite von morgen macht sich Sorgen um ihre Zukunft
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Handelsblatt34 minutes agoBusiness6 min readGermanyView translation

Gen Z: „Mir steht doch gar nichts offen“ – selbst die Elite von morgen macht sich Sorgen um ihre Zukunft

Auf einer Karrieremesse der Frankfurt School of Finance & Management zeigt sich: Selbst hochqualifizierte Studierende spüren massiven Druck auf dem Arbeitsmarkt, Zukunftsängste und den Verlust von Gewissheiten.

Quick Look

Auf einer Karrieremesse der Frankfurt School of Finance & Management berichten hochqualifizierte Studierende von massiver Jobangst, harter Konkurrenz und schwindenden Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.

AI-generated summary

Why It Matters

Ein Drittel mehr Studierende an Privathochschulen und sinkende Einstiegsstellen im ersten Quartal 2025 laut Stepstone-Studie.

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Frankfurt. Eigentlich müsste Louisa Tröger sich freuen. Hat die 24-Jährige ihren Master in Management in der Tasche, dürfte die Arbeitswelt auf top ausgebildete Talente wie sie warten. Sie studiert an der Privathochschule Frankfurt School of Finance & Management, einer der führenden Business Schools Europas mit hervorragendem Ruf, starkem Netzwerk und dem Versprechen: „A world of possibilities“. Entspannt wirkt sie dennoch nicht.

Stattdessen läuft Tröger auf der Karrieremesse ihrer Hochschule von Stand zu Stand, schüttelt Hände, stellt sich vor und fragt nach Praktikumsplätzen. „Ich komme aus dem Green-Finance-Bereich“, sagt sie am Stand der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Dort erfährt sie, dass es aktuell doppelt so viele Bewerbungen wie im Vorjahr gibt. Zum Abschied drückt ihr einer der Vertreter eine Goodie-Bag in die Hand. Tröger fragt: „Hast du da ein Praktikum drin?“, lacht und geht weiter. Später sagt sie: „Mir steht doch gar nichts offen.“

Dabei gibt es an den Karrieretagen der Frankfurt School einiges zu holen: Die Deloittes, Goldman Sachses und BNPs der Welt treten in direkten Kontakt mit Studentinnen und Studenten. Es gibt QR-Codes für exklusivere Bewerbungen, manchmal ein Vorstellungsgespräch direkt am Stand. Manche zahlen allein für den Master bis zu 44.000 Euro. Trotzdem trifft man hier auf Leute, die sagen: „Ich fühle mich wie ein Fisch im Wasser, der nicht schwimmen kann.“ Ein anderer sagt: „Die Perspektivlosigkeit ist zu spüren.“

Die Jugend bewegt aktuell ganz Europa: In Serbien hat sie den Präsidenten gestürzt, in Frankreich drohte das Land ausgehend von Schülerprotesten außer Kontrolle zu geraten, und in Deutschland befürchteten Experten bei den angekündigten Gen-Z-Protesten Ähnliches. Zwar fielen die Proteste kleiner aus als erwartet, aber die Jugend will den Aufstand weiter vorantreiben. Für den 20. November kündigte ein Sprecher von „GenZ regelt“ weitere Demonstrationen in Deutschland an. Sie fordern unter anderem mehr Geld für Schulen, eine gerechte Verteilung der Lasten und ein bezahlbares Leben.

Die Jugend treibt gleich mehrere Sorgen um: Da ist die Klimakrise, die vor allem spätere Generationen treffen wird, die Rente, die bei immer weniger Geburten den Jungen eine immer größere Last aufbürdet, Kriege, die plötzlich näher scheinen, oder die Mieten, die in den vergangenen Jahren so stark gestiegen sind, dass das Bafög an vielen Studienorten längst nicht mehr ausreicht.

Sorgen, die die Menschen hier an der Frankfurt School seltener betreffen, sind sie doch zumindest meist finanziell einigermaßen abgesichert. Und dennoch wächst auch bei ihnen die Unsicherheit. Es sei etwas anderes, das sie viel mehr bewegt, sagt Louisa Tröger.

Tröger läuft mit einem Shampoo von Procter & Gamble und einem Deloitte-Jutebeutel durch die Empfangshalle der Frankfurt School. Beides hat sie an Ständen der Unternehmen abgegriffen. Fragt man sie, ob sie die Krise der Jugend auch spürt, antwortet sie: „Das ist genau mein Thema“ – und kommt kaum aus dem Reden heraus. „Wir sind frustriert“, sagt sie. Viele in ihrem Umfeld würden auswandern wollen.

Für Tröger ist das jedoch keine Option: „Wohin denn?“ Anderswo sei es ja auch nicht unbedingt besser. Man muss dann etwa an Sicherheit oder Freiheit als Frau einbüßen.

Ihre Mutter sei in der DDR aufgewachsen, erzählt sie. Inzwischen sitzt sie auf einer Stufe, muss nicht mehr so laut gegen den Trubel um die Stände anreden. Für ihre Mutter sei klar gewesen, dass die Welt Grenzen habe, dass ihr nicht alles möglich sei. Doch dann öffnete sich diese Welt, und Louisa Tröger habe man immer erzählt, ihr stehe alles offen. Aber die Realität sei eine andere.

Im Bachelor hat sie Wirtschaftsrecht studiert, mit einer guten Note abgeschlossen. „Danach habe ich 80 Job-Bewerbungen geschrieben.“ Nur zweimal habe sie überhaupt eine Rückmeldung bekommen, und am Ende habe sich kein Job ergeben. Nicht mal ein Praktikum.

Deswegen hat sie sich für einen Master hier an der privaten Frankfurt School eingeschrieben. Tröger ist sich sicher: Hätten die jungen Leute nicht die Sorge, sie bekämen keinen Job, würden weniger hier so viel Geld für ein Studium zahlen. „Wir investieren in mehr Sicherheit“, sagt sie.

Die Anzahl der Studentinnen und Studenten an privaten Hochschulen ist in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. 2024/25 studierten 384.000 Menschen an Privatschulen, zeigen Statista-Zahlen. Im Wintersemester 2015/16 waren es nur 196.000 Menschen. Studentinnen wie Tröger erhoffen sich durch Ruf und Netzwerk der privaten Hochschulen einen Vorteil im angespannten Jobmarkt.

Im ersten Quartal 2025 lag der Anteil ausgeschriebener Einstiegsstellen 45 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt und sogar unter dem Niveau der ersten Coronamonate, zeigt eine Stepstone-Studie, die die Jobsituation mithilfe der Daten von mehr als vier Millionen Stellen ausgerechnet hat. Die Situation hat sich zwar im aktuellen Jahr etwas verbessert, doch der Druck auf dem Jobmarkt bleibt, so die Stellenbörse.

Das sagt auch Tröger: „Wenn immer mehr Jobs wegfallen, werden uns die Möglichkeiten genommen, unseren Lebensstandard aufrechtzuerhalten.“ Sie habe bald ein Gespräch für ein Praktikum bei einer größeren Bank. „Da haben sich Hunderte drauf beworben.“

Linda Varga und Julius Merz stehen vor dem Stand des Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens Forvis Mazars. Beide studieren berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre. Angesprochen auf die Krise der Jugend, sagt Merz: „Lustig, wir haben uns gerade eine halbe Stunde darüber unterhalten.“ Und Varga, die gerade einen QR-Code für eine Bewerbung bei einem Unternehmen ergattert hat, sagt:

Vorher hat die 20-Jährige vier Semester Jura studiert. „Ich habe aber gesehen, dass in Jura die KI alles ersetzen kann.“ Darum schwenkte sie auf duale BWL um. Das sei sicherer.

Auch die Stepstone-Studie nennt als einen von vier Hauptgründen die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Gerade die würde Juniorjobs ersetzen. Andere Gründe für den Rückgang seien Remote Work, Corona und die Konjunktur. „Alle vier Kräfte treffen dieselbe Gruppe, die höher gebildeten, computernahen Beschäftigten. Sie sind zugleich am stärksten KI-exponiert, am ehesten im Homeoffice und am ehesten vom Tech-Abschwung betroffen“, schlussfolgern die Studienautoren.

Es gibt aber auch noch ein anderes Phänomen, mit dem Linda die Krise der Jugend begründet: Social Media. „Dort sehe ich Leute, die sich mit teuren Uhren und Autos darstellen, die sind genauso alt wie ich, alles High Performer, die es geschafft haben. Ich frage mich dann, warum schaffen die das alles und ich nicht, auch wenn ich mich abrackere?“ Das würde frustrieren, weil man sich noch schlechter fühle. „Und dann kommen die Großeltern und sagen: ‚arbeite mehr‘. Aber ich denke mir, Fleiß garantiert doch keinen Erfolg.“

Denn wer kann noch garantieren, dass das Studium, das man gewählt hat, später auch das ist, das einen Job garantiert? Dass nicht ausgerechnet der von KI ersetzt wird?

Natürlich tummeln sich auf der Karrieremesse auch jene, die von der aktuellen Situation kaum verunsichert sind. Die zwar sagen, sie könnten die Proteste verstehen, aber sie würden nicht auf die Straße gehen.

Zum Beispiel Timon Geiger und Felix. Gerade an der Frankfurt School würden sie sehr gut auf die Welt mit KI vorbereitet, sagen sie. Beide studieren im Master Finance und sagen, der KI-Einsatz sei in jedem Kurs Thema. Sie hätten auch keine Angst vor der Zukunft, würden es eher Respekt nennen. Aber ihre Branche sei konservativer, und auch, was das Thema Rente angehe, sollte man sich einfach nicht auf den Staat verlassen und privat vorsorgen.

Viele aber sind nicht so gelassen wie die beiden. Auf einem Gang begrüßt Louisa Tröger zwei Bekannte. „Habt ihr schon einen Job bekommen?“, fragt sie im Vorbeigehen. „Nein, aber eine Flasche“, antwortet einer und zeigt auf sein Goodie.

Tröger sagt, es sei weniger eine akute Krise, die sie umtreibt. Vielmehr sei es eine Unsicherheit über die eigene Identität. Sie hätte auch ihr Rechtsstudium weiterverfolgen und eine Beamtenkarriere anstreben können. „Aber wer weiß, ob wir uns in zehn Jahren noch Beamtentum leisten können?“, sagt sie.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Weitere Demonstrationen von 'GenZ regelt' in Deutschland.

    Likely · Within days

Open Questions

  • Wie wird sich der Arbeitsmarkt für Absolventen in den kommenden Jahren entwickeln?
  • Welche konkreten Auswirkungen hat KI auf Akademiker-Einstiegsjobs?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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