Goldminenaktien: Hohe Profitabilität trotz steigender Förderkosten
Trotz steigender Betriebskosten und geopolitischer Unsicherheiten erzielen Goldproduzenten Rekordmargen und starke Cashflows.
Quick Look
- Goldminenaktien übertreffen die Performance von Gold durch Hebeleffekte.
- Trotz gestiegener Förderkosten (AISC) und Energiepreise infolge des Irankriegs melden Branchengrößen wie Barrick und Newmont Rekordgewinne und hohe operative Margen.
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Why It Matters
Die Goldminenbranche profitiert von einem Hebeleffekt bei steigenden Goldpreisen, kämpft jedoch mit steigenden AISC-Kosten durch Royalties und Energiepreise.
Frankfurt. Die Intervention der US-Regierung am Anleihemarkt sorgte nicht nur für steigende Goldpreise – auch die Aktien von Minenbetreibern legten deutlich zu. Goldminenindizes wie der MSCI Global Gold Miners und der Nyse Arca Gold Bugs stiegen im August um mehr als 30 Prozent und somit deutlich stärker als Gold, das sich um zehn Prozent verteuerte.
Zwar gingen die Notierungen Anfang September leicht zurück, doch eine Konsolidierung nach einem starken Anstieg gilt als wenig überraschend. Könnte sich Anlegern jetzt eine gute Einstiegschance bieten?
Seit Jahresbeginn haben Goldminenindizes trotz zweier starker Rückgänge zum Ausbruch des Irankriegs im März und nach Ende des Waffenstillstands im Juni um knapp ein Fünftel zugelegt. Gold stieg seit Jahresanfang hingegen nur um knapp zwei Prozent.
Dass Goldminenaktien besser als Gold performen, ist nicht ungewöhnlich und hat mit einer Hebelwirkung zu tun: Steigt der Goldpreis, aber nicht die Kosten, profitieren die Produzenten überproportional.
Ein Rechenbeispiel: Liegen die Kosten pro geförderter Unze (AISC) bei 1000 US-Dollar und der Goldpreis bei 4000 US-Dollar pro Unze, haben die Minenbetreiber 3000 US-Dollar pro Unze Gewinn gemacht. Steigt der Goldpreis nun um 25 Prozent auf 5000 US-Dollar pro Unze, dann steigt der Gewinn der Bergbaukonzerne um mehr als ein Drittel, auf 4000 US-Dollar pro Unze.
Die Voraussetzung dafür ist, dass die Ausgaben pro geförderter Unze (AISC) stabil bleiben. Doch das war nicht einmal der Fall: Sie sind gestiegen.
Laut dem Branchenverband World Gold Council (WGC) sind die AISC der Goldproduzenten im ersten Quartal um 16 Prozent verglichen mit dem Vorjahr auf 1785 US-Dollar je Unze gestiegen.
„Steigende Kosten sind zu einem dauerhaften Merkmal der Branche geworden“, schreibt Oliver Blagden, Minenanalyst beim Beratungsunternehmen Metals Focus. Das erste Quartal markiere bereits den 28. aufeinanderfolgenden Anstieg der AISC gegenüber dem Vorjahr.
Der bedeutendste Kostentreiber seien dabei die Lizenz- und Förderabgaben (Royalties). Das sind die Zahlungen an den Staat oder den Inhaber von Abbaurechten, die die Unternehmen für die Förderung von Gold zahlen müssen. Dadurch, dass der Goldpreis im vergangenen Jahr so deutlich gestiegen ist, sind auch die Abgaben im ersten Quartal des Jahres laut Blagden um 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Royalties machen dem Analysten zufolge zwölf Prozent der AISC aus. Sie sind also nicht der einzige Grund für die steigenden Kosten. Ein weiterer maßgeblicher Faktor ist der Irankrieg. Denn Treibstoff und Energie machen laut dem Vermögensverwalter VanEck bis zu 20 Prozent der AISC aus.
Besonders die Dieselknappheit belastet die Produzenten, vor allem in Australien. Dort seien die Großhandelspreise innerhalb eines Quartals um 96 Prozent gestiegen, schreibt Blagden.
Doch trotz dieser höheren Kosten arbeiten Goldproduzenten außergewöhnlich profitabel. Ihre durchschnittlichen Margen pro geförderter Unze seien laut Blagden im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 134 Prozent auf einen Rekordwert von 3076 US-Dollar pro Unze gestiegen.
Für das zweite Quartal hat das WGC noch keine durchschnittlichen AISC veröffentlicht. Doch obwohl der Goldpreis im zweiten Quartal um rund 14 Prozent gesunken ist, dürfte der Großteil der Minenunternehmen weiterhin sehr profitabel gewirtschaftet haben.
Die großen Goldabbaufirmen profitierten im zweiten Quartal von den hohen Goldpreisen und meldeten teils Milliardengewinne. Barrick etwa steigerte seinen Nettogewinn um 50 Prozent auf 1,22 Milliarden US-Dollar. Auch Branchenführer Newmont sowie Agnico Eagle veröffentlichten Nettogewinne von jeweils deutlich mehr als einer Milliarde Dollar und verwiesen auf starke Cashflows trotz gestiegener Kosten.
„Bei einem aktuellen Goldpreis von rund 4000 US-Dollar pro Unze erzielt der Sektor derzeit operative Margen von ungefähr 2000 US-Dollar pro Unze, damit gehören sie zu den höchsten in der Geschichte der Branche“, schreibt Imaru Casanova, Portfoliomanagerin bei VanEck in einer Analyse.
Selbst in einem Stressszenario, in dem die Goldpreise weiterhin um die 4000 US-Dollar liegen und die Produktionskosten um zehn bis 15 Prozent steigen, würde der Sektor weiterhin einen beträchtlichen freien Cashflow pro Unze generieren. Damit ist der nach Investitionen verbleibende Mittelzufluss je geförderter Unze Gold gemeint. „Die Unternehmen brauchen keinen weiter steigenden Goldpreis, um hochprofitabel zu bleiben“, schreibt Casanova.
Hinzu komme laut der Expertin, dass die Goldminenunternehmen ihre Margen – anders als in früheren Gold-Hochphasen – nachhaltig ausgeweitet hätten. Sie würden eine strenge Kostendisziplin beibehalten, operative Verbesserungen vorantreiben, um den steigenden Kosten entgegenzuwirken, und hätten auch eine Verschlechterung der Erzgehalte vermieden. „In vielerlei Hinsicht befinden sie sich in der stärksten finanziellen Position, die der Sektor seit Jahren gesehen hat“, schreibt sie.
Das zeigt sich auch daran, dass größere Unternehmen kleinere übernehmen. So hat der kanadische Gold- und Kupferkonzern Oceana Gold Corporation im August den australischen Entwickler Ausgold für etwa 776 Millionen australische Dollar (rund 550 Millionen US-Dollar) übernommen.
Anleger, die mit Aktien von Goldminenbetreibern auf Gewinne spekulieren, sollten jedoch Risiken beachten. Selbst breit gestreute Goldminenindizes unterliegen starken Schwankungen. So gingen die Notierungen im März um rund ein Fünftel und im Juni um rund 15 Prozent zurück.
Auch das hing mit dem Irankrieg zusammen, durch den der Goldpreis einbrach. Die Energiekosten steigen, je länger die Straße von Hormus geschlossen bleibt – das treibt die Inflation und somit auch die Zinserwartung der Anleger. Hohe Zinsen sind in der Regel schlecht für Gold. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab.
Dieser Zusammenhang weicht sich allerdings auf, wenn das Vertrauen der Anleger in andere, zuvor als sicher geltende Assets wie Anleihen erodiert. Genau das war der Fall, nachdem das US-Finanzministerium in den vergangenen Wochen ankündigte, die geplanten Käufe von Staatsanleihen mit zehn-, 20- und 30-jährigen Laufzeiten auf mindestens vier Milliarden Dollar zu verdoppeln. Der Goldpreis stieg daraufhin deutlich. Er korrigierte aber, nachdem Kevin Warsh, Chef der US-Notenbank Federal Reserve, in einer Rede die PCE-Inflationsrate als „besorgniserregend“ bezeichnet hatte.
Open Questions
- Wie entwickeln sich die AISC im zweiten Quartal genau?
- Wie reagiert der Goldpreis auf weitere Zinsentscheidungen der Fed?






