
Google hat sein früheres Motto »Don’t be evil« aufgegeben und passt nun in seinen Diensten wie Google Maps Fakten an politische Gegebenheiten an, beispielsweise durch die Anzeige von »Golf von Amerika« bzw. »Lake America« für US-Nutzer, während andere Regionen die ursprünglichen Namen sehen – ein Beispiel für geobasierte Zensur oder politische Akkommodation.
AI-generated summary
Google führte einst das informelle Motto »Don’t be evil« im Verhaltenskodex ein, um einen ethischen Anspruch zu signalisieren. Nach der Umstrukturierung zu Alphabet Inc. 2015 wurde das Motto weitgehend entfernt und durch »Do the right thing« ersetzt. Kürzlich passte Google seine Dienste wie Google Maps an politische Entscheidungen der US-Regierung an, beispielsweise die Umbenennung des Golfs von Mexiko in »Golf von Amerika« und des Lake Ontario in »Lake America« für US-Nutzer.
Als Google einst antrat, der Welt zu zeigen, wie das so geht mit dem Internet, gab sich das Unternehmen ein informelles Motto: »Don’t be evil« – sei nicht böse oder tue nichts Böses.
Offiziell war das nicht, stand aber im Vorwort des firmeninternen Verhaltenskodex – und dass dies nach außen getragen wurde, dürfte der Firmenspitze nicht unangenehm gewesen sein. Schließlich begründete es einen hehren Anspruch: ein aufrechtes, ethisch handelndes Unternehmen sein zu wollen. Weniger gierig als all die anderen, weniger skrupellos, weniger opportunistisch.
Ein paar Hundert Milliarden Dollar später fiel wohl selbst den Gründern auf, dass das nicht mehr glaubwürdig war. Google hatte das Gros der direkten Konkurrenz in Grund und Boden gewalzt, den Internetwerbemarkt zu einem Oligopol weniger Techriesen gemacht und ganze Branchen destabilisiert. Als Google als Firma 2015 hinter dem kryptischen, bis heute allenfalls Aktionären präsenten Namen »Alphabet Inc.« verschwand, ging auch das schöne Motto verloren.
Das mit dem »nichts Böses« stand im Verhaltenskodex nun noch in einem Nebensatz ganz am Ende – niemand konnte also behaupten, Google habe sich von der Ethik getrennt.
Alphabet verpasste sich derweil ein neues, im Vorjahr des amerikanischen Trump-Falls geradezu hellsichtiges Motto: »Do the right thing«, also »Tue das Richtige«.
Für wen und wozu? Das konnte jeder auffassen, wie er wollte.
Nachdem der US-Präsident nach einem Streit mit Mexiko den Golf von Mexiko im vergangenen Jahr kurzerhand in »Golf von Amerika« umbenannte, heißt die Meeresbucht auch für Nutzer von Google Maps so – zumindest, wenn man aus den USA ins Internet geht. Sucht man aus Deutschland, findet man nach wie vor den »Golf von Mexiko«, und dahinter in Klammern: »Golf von Amerika«.
Seit diesem Sonntag kann man als US-Nutzer bei Google Maps auch den »Lake America« bewundern, wo man vorher den »Lake Ontario« fand. Auch hier ging ein politischer Streit Donald Trumps voraus. Weil die Nachbarn aus Kanada sich nicht seinen Vorstellungen einer fairen Handelspolitik beugen wollen, benannte er den Grenzsee kürzlich per Dekret in »Lake America« um.
Google folgte nun brav und verwies darauf, dass sich der Schritt im offiziellen geografischen Namensregister der USA (GNIS) niederschlage. Nur wer aus Kanada suche, bekomme künftig noch ausschließlich den Namen »Lake Ontario« angezeigt. Im Rest der Welt werde man, ähnlich wie beim Golf von Mexiko, künftig beide Namen sehen.
Was das alles über Google sagt? Googeln wir es selbst: »Wie nennt man das, wenn ein Unternehmen Fakten den politischen Gegebenheiten eines Landes anpasst?«
Die Antwort erfolgt gewohnt schnell und präzise:
»Das Phänomen, bei dem Unternehmen Fakten, Informationen oder Wahrheiten an die politischen Gegebenheiten oder Ideologien eines Landes anpassen, nennt man politische Akkommodation, Zensur-Compliance oder abwertend opportunistische Faktenverzerrung. Im medialen und digitalen Kontext spricht man auch von geobasierter Zensur oder regimespezifischer Inhaltsmoderation.«
AI outlook — possibilities, not facts
Google wird ähnliche geobasierte Anpassungen in anderen Ländern vornehmen, wenn lokale Regierungen offizielle Namensänderungen durchsetzen.
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