Hamburger Hafen wird für 1,8 Milliarden Euro ausgebaut
Quick Look
- Der Hamburger Hafen wird für 1,8 Milliarden Euro ausgebaut, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.
- Das Projekt soll 3.400 neue Arbeitsplätze schaffen und die Wertschöpfung um 720 Millionen Euro pro Jahr steigern.
- Hapag-Lloyd und CMA CGM beteiligen sich finanziell am Ausbau.
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Why It Matters
Der Hamburger Hafen plant einen milliardenschweren Ausbau, um seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Große Reedereien wie Hapag-Lloyd und CMA CGM beteiligen sich finanziell.
Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn es über den Buckelwal Timmy noch etwas zu sagen gäbe, wünschte ich, es würde von meinem Kollegen Tom Kroll gesagt, der hier(Z+), hier (Z+) und hier darüber berichtet hat. Stattdessen hat sich das Ernst Deutsch Theater des Themas angenommen, in einer einzigen Aufführung am Samstag, und Tom war da.
Erzähl mal, Tom.
Es fing mit einer Performance an, einer pseudo-katholischen Messe, in der Timmy an ein Kreuz gebunden wurde, um unsere Sünden auf sich zu nehmen.
Also eine entschlossene Blasphemie.
Wenn du es so ausdrücken möchtest. Vor allem war es ein Spektakel. Irgendwann wurden dem Wal die Därme herausgezogen, die Priester standen in blutverschmierten Gewändern herum, und einer spielte auf der E-Gitarre den Song Er hat sich das nicht ausgesucht, das war die Hymne der Walretter. Dann folgte eine Podiumsdiskussion …
Eine echte, oder war sie gespielt?
Das war eine echte Diskussion, unter anderem mit einer Tierärztin, die wirklich an der sogenannten Walrettung beteiligt war. Und am Schluss hat die Band Tulpe ihr Lied Sprengt den Wal aufgeführt.
Wie war die Diskussion?
Ich fand sie sehr schlecht. Damals hat die Politik das evidenzbasierte Urteil der Wissenschaft beiseite gewischt und Rechten und Esoterikern eine Bühne verschafft, die nur sich selbst darstellen wollten. Das wurde komplett unkritisch behandelt.
Und worum ging es stattdessen?
Die Idee war wohl, dass wir das Mitleid, das wir dem Wal entgegengebracht haben, besser auf Nutztiere in Massenhaltung übertragen sollten.
Klingt nach einer traurigen Veranstaltung.
Ach, teilweise war es auch sehr witzig. Es wurde viel gelacht.
Noch etwas anderes, Tom: Hat sich nach deiner Kenntnis eigentlich irgendeiner der Beteiligten je für sein Handeln entschuldigt?
Nicht, dass ich wüsste.
Das heißt, die würden das alle bei nächster Gelegenheit wieder so machen?
Es gibt ja schon einen neuen Buckelwal. Hartwin heißt er, zeitweise war er schon vor der Küste von Schleswig-Holstein. Ich hoffe, dass er es nicht bis nach Mecklenburg-Vorpommern schafft.
Danke, Tom.
Haben Sie einen schönen Tag!
Ihr Frank Drieschner
Was heute wichtig ist
Im laufenden Jahr sind in Hamburg bisher nur acht Kilometer neuer Radwege fertiggestellt worden. Das geht aus der Antwort der Verkehrsbehörde auf eine Kleine Anfrage von Grünen und SPD hervor. Bis Ende des Jahres seien allerdings noch weitere 45 Kilometer Radwege geplant.
Die Bahn hat die Strecke zwischen Hamburg und Hannover wieder in Betrieb genommen. Seit Samstag sind Personenzüge im Nah- und Fernverkehr unterwegs, der Güterverkehr startete bereits am Freitagabend.
Eine vermisste 15-Jährige ist in Bramfeld tot in der Wohnung ihrer Mutter gefunden worden. Nach Angaben der Polizei ist sie eigentlich in einer Jugendgruppe untergebracht. Die 43-jährige Mutter wurde vorläufig festgenommen.
Ein neues, 24.212 Standardcontainer fassendes Schiff unter französischer Flagge läuft heute erstmals den Hamburger Hafen an. Die Notre Dame soll gegen 15 Uhr am Eurogate-Containerterminal in Waltershof festmachen (siehe unten), das gegenüber dem Elbstrand liegt.
In Eidelstedt ist ein Mann nach einer körperlichen Auseinandersetzung gestorben. Nach Angaben der Polizei brach am Freitagabend ein Streit zwischen dem 79-Jährigen und einem Unbekannten in einer Gaststätte aus. Der Tatverdächtige flüchtete.
Nachricht des Tages
Es ist der teuerste Ausbau des Hamburger Hafens seit Jahrzehnten: Bis Mitte der 2030er-Jahre wollen die Stadt und der Terminalbetreiber Eurogate die Flächen für den Güterumschlag unmittelbar westlich der Köhlbrand-Einmündung erweitern. Der Drehkreis für Schiffe in der Einfahrt des Waltershofer Hafens wird dafür vergrößert und das veraltete Eurogate-Containerterminal automatisiert. Insgesamt soll das Projekt etwa 1,8 Milliarden Euro kosten und dafür sorgen, dass der Hamburger Hafen im weltweiten Wettbewerb nicht weiter zurückfällt.
Nun gibt es erste Zahlen, was das Milliardenprojekt der Stadt bringen könnte. »Man kann davon ausgehen, dass wir 3.400 vom Hafen abhängige Arbeitsplätze schaffen«, sagte Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD) bei einer Pressekonferenz im Hafen. Das entspräche einem Jobaufbau von etwa 7,2 Prozent: Laut einer Studie für die Hamburg Port Authority (HPA) aus 2019 gibt es in Hamburg etwa 47.100 direkt hafenabhängig Beschäftigte, gemeint sind Jobs wie Containerbrückenfahrer, Hafenmeister oder Lotse. Laut Leonhard sorgt der Ausbau auch für eine zusätzliche Wertschöpfung von 720 Millionen Euro pro Jahr. Das wäre für den Hafen ein Plus von gut 14 Prozent.
Eine Folge des Ausbaus dürfte in der rot-grünen Regierung jetzt schon für Erleichterung sorgen: Gleich zwei der weltweit fünf größten Linienreedereien binden sich stärker an den Hafen und wollen dort mehr Container umschlagen als bisher. Ende Juni hatte die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd angekündigt, sich mit 20 Prozent am Eurogate-Terminal zu beteiligen. Bereits im November hatte die französische Reederei CMA CGM ebenfalls 20 Prozent übernommen. »Ich bin begeistert, dass wir diese beiden Partner dabeihaben«, sagte der Geschäftsführer des Eurogate-Terminals, Johannes Stelten. Beide Gesellschafter würden sich finanziell am Ausbau beteiligen.
Von Kristina Läsker
Aus Hamburg
Dieser Mann sprüht Geschichte
Anfang der Achtzigerjahre schrieb Johannes Hartmann an eine Wand: »Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin«. Er ahnte nicht, was er damit auslösen würde. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa.
Es war keine spontane Aktion. Der Täter hatte sich vorbereitet, er hatte heimlich geübt. Aber ist »Täter« das richtige Wort? Oder sollte man besser »Künstler« sagen? Vielleicht »Dichter«?
Was Johannes Hartmann im Frühjahr 1981 tat, war verboten. Er sprühte einen Spruch an einen Bunker in Hamburg. Doch dieser Spruch traf den Zeitgeist. Er sollte zum Slogan der Friedensbewegung werden und noch heute, 45 Jahre später, die Gemüter in Wallung bringen. Der Spruch lautet: »Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin«.
Als die Tat vollzogen war, betrachtete Hartmann sein Werk. Er fand es nicht recht gelungen. Doch da war es bereits zu spät.
Frauen, Schwule, Punks: Die Siebziger waren eine Zeit des Aufruhrs
Heute steht Johannes Hartmann im m1 Kunstraum, seiner kleinen Galerie in Hamburg-Ottensen. Rechts davon liegen die Räume einer Moscheegemeinde, links ein alternatives Kulturzentrum, in dessen Hinterhof noch Hühner picken. Beide kamen in den Siebzigerjahren nach Ottensen, wie auch Hartmann. »Damals gab es hier noch viele Trümmergelände«, sagt er. »Die Fassaden waren verrußt von den Kohleöfen und Autos, das Viertel war verrufen und der Wohnraum vergleichsweise günstig.«
Inzwischen gibt es in der Nähe auch Yoga-Studios, einen Naturweinladen und ein Sterne-Restaurant. Ottensen ist vom Arbeiter- zum Szeneviertel geworden (Z+). Für die 13 Quadratmeter seines Kunstraums zahle er 765 Euro Miete, sagt Hartmann. »Ich habe immer von einer Galerie geträumt« – jetzt gönne er sich, diesen Traum zu verwirklichen. Dabei hat er gar nicht groß was zu verkaufen.
An den Wänden des Kunstraums hängen Schwarz-Weiß-Fotos, die meisten davon ungerahmt, auf Din-A4-Papier ausgedruckt, es wirkt improvisiert. Hartmann hat diese Fotos in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren aufgenommen. Viele davon zeigen die Nachbarschaft: Punks am Spritzenplatz, Hausbesetzungen und Wahlkampfaktionen der Bunten Liste, aus der später die Grünen hervorgehen sollten.
Wie der Spruch damals auch ohne Internet viral ging, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Die historischen Fotos von Hartmann sind noch bis 18. Juli im m1 Kunstraum, Mottenburger Twiete 1 (Ottensen) zu sehen. Mehr Infos hier.
Schon gelesen?
Sommerferien ohne Urlaub: Die Kinder lieben unseren Nicht-Urlaub
Jeder Fünfte in Deutschland hat kein Geld, um mit den Kindern in die Ferien zu fahren. So wie unser Autor. Dafür weiß er, wie man unvergesslichen Urlaub zu Hause macht → Zum Artikel (Z+)
Darauf können Sie sich freuen
Auch dieses Jahr präsentieren die Hamburger Hauptkirchen und der St. Marien-Dom gemeinsam den Hamburger Orgelsommer. Die sechs Kirchen veranstalten von Juli bis September je ein Orgelkonzert pro Woche – das vollständige Programm finden Sie hier. So spielt morgen in der Hauptkirche Jacobi Shin Dong-Ill aus Südkorea.
Shin Dong-Ill beim Hamburger Orgelsommer, 14. Juli, ab 20:00, Hauptkirche St. Jacobi, Jakobikirchhof 22, Tickets online oder an der Abendkasse
Meine Stadt
Hamburger Schnack
In der U1. Ein Mann, Mitte, Ende 40, lässt seine beiden Bekannten an seinen neuesten Erkenntnissen teilhaben: »Ich geh nicht mehr in die Kneipe, ich rauche ja nicht mehr. Da ist man in der Kneipe falsch. Ich habe das mehrfach ausprobiert: Du sagst dir: ›Ich mache dies nicht mehr, ich mache das nicht mehr‹. Dann bist du in der Kneipe und machst da wieder alles.«
Gehört von Wiebke Neelsen
Open Questions
- Wie werden die neuen Arbeitsplätze verteilt?
- Welche Umweltauswirkungen hat der Ausbau?





