
Der Anstieg der Strompreise infolge des Irankriegs und der Blockade der Straße von Hormus lässt die staatlichen Subventionskosten für die Industrie massiv ansteigen.
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Die Bundesregierung subventioniert Stromkosten für energieintensive Unternehmen, um deren internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Die Finanzierung basiert auf Referenzpreisen, die an Terminmarktpreise gekoppelt sind.
Düsseldorf. Die Hilfen der Bundesregierung für energieintensive Unternehmen könnten sich erheblich verteuern. Das zeigt eine Berechnung des Handelsblatts auf Basis von Daten der Beratung Aurora Energy Research. Demnach könnte der Staat für den Industriestrompreis allein im kommenden Jahr rund eine Milliarde Euro mehr ausgeben als in diesem.
Grund sind die Energiepreise, die durch den Irankrieg erheblich gestiegen sind: Weil die Straße von Hormus seit Monaten geschlossen ist, kann Großlieferant Katar kaum noch Gas exportieren. Damit fehlt dem Weltmarkt rund ein Fünftel der üblichen Gasmengen.
Der Gaspreis liegt deshalb inzwischen bei rund 90 Euro pro Megawattstunde – dreimal so hoch wie vor Kriegsbeginn. Weil der Energieträger unter anderem in Gaskraftwerken zur Stromproduktion eingesetzt wird, steigt auch der Strompreis.
Markus F. Schmidt, Vorsitzender der Landesfachkommission Energie beim Wirtschaftsrat der CDU, warnt: „Die Industriestromhilfen wurden bei einem moderaten Strompreis beschlossen. Aber beim aktuellen Strompreisniveau steigt die Belastung für den Bundeshaushalt massiv.“
Tatsächlich hat die Bundesregierung ein Extremszenario wie das aktuelle offensichtlich nicht berücksichtigt, als sie im Frühjahr eine Subvention für die Stromkosten der Industrie auf den Weg brachte. Laut einem Dokument der EU-Kommission, die die Staatshilfen freigeben musste, sind für die Jahre 2026 bis 2028 insgesamt 3,8 Milliarden Euro für die Maßnahme vorgesehen. Die tatsächlichen Kosten dürften diese Schätzung um ein Mehrfaches übersteigen.
Die Industriestromhilfe sieht vor, dass berechtigte Unternehmen auf die Hälfte ihres förderfähigen Stroms eine Subvention bekommen: Für diese Hälfte werden die Stromkosten auf 50 Euro pro Megawattstunde gesenkt. Bei einem Strompreis von 80 Euro pro Megawattstunde würde ein Unternehmen also für die Hälfte der eingekauften Strommenge 30 Euro pro Megawattstunde als Ausgleich bekommen.
In dieser Logik liegt das Problem für den Staat: Liegt der Strompreis nicht bei 80, sondern bei 100 Euro, zahlt der Staat statt 30 Euro bereits 50 Euro pro Megawattstunde an die Unternehmen aus. Stark steigende Strompreise belasten den Haushalt deshalb zusätzlich.
Das vereinfachte Beispiel liegt in der Nähe der aktuellen Zahlen: Für das Jahr 2026 hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einen Referenzpreis von 87,44 Euro pro Megawattstunde veröffentlicht. Das bedeutet, dass in diesem Jahr pro Megawattstunde Strom 37,44 Euro ausgezahlt werden, sodass die Unternehmen für die förderfähigen Strommengen auf einen Preis von 50 Euro pro Megawattstunde kommen.
Bereits jetzt ist aber klar, dass es für 2027 erheblich teurer wird. Denn der Referenzpreis wird auf Basis von Terminmarktpreisen berechnet. Das heißt: Der Referenzpreis für 2027 ergibt sich aus dem durchschnittlichen Preis für Strom, wenn er bereits ein Jahr im Voraus für 2027 eingekauft wurde.
Der Energieexperte Mats Kröger von Aurora Energy Research sagt: „Der Durchschnitt der Terminmarktpreise für 2027 liegt bislang bei rund 100 Euro pro Megawattstunde.“ Würden sich die Preise bis Ende des Jahres auf dem aktuellen Niveau halten, so stiege dieser Durchschnitt laut Kröger auf 110 Euro.
Für den Staat sähe die Rechnung somit wie folgt aus: Bei Preisen über 100 Euro subventioniert der Bund den Strompreis nicht mehr auf 50 Euro herunter, sondern senkt ihn nur noch um die Hälfte. Bei einem Referenzpreis von 110 Euro bekämen die Unternehmen also 55 Euro Unterstützung, sodass sie selbst ebenfalls noch 55 Euro pro Megawattstunde bezahlen müssten.
Für den Staat würde die Belastung im Vergleich zu 2026 um rund 18 Euro pro Megawattstunde steigen.
Wie viele Megawattstunden Strom der Staat insgesamt in einem Jahr fördert, ist noch nicht bekannt. Allerdings steht in einem bekannt gewordenen Dokument zum Bundeshaushalt 2027, dass der Staat für die Finanzierung des Industriestrompreises für 2026 rund 2,4 Milliarden Euro einplant.
Damit läge die geförderte Strommenge rechnerisch bei maximal 64 Millionen Megawattstunden. Müsste der Staat die gleiche Strommenge im Folgejahr zum teureren Preis subventionieren, stiege die Haushaltsbelastung von 2,4 auf 3,5 Milliarden Euro.
Wäre die geförderte Strommenge geringer, könnte die Zusatzbelastung niedriger ausfallen. So schätzt der Wirtschaftsprüfer Tobias Adelfang von KPMG, der Unternehmen zum Industriestrompreis berät, dass zwischen 25 und 30 Millionen Megawattstunden Strom in Deutschland bezuschusst werden könnten. Bei diesem Umfang stiege die Belastung für den Staat von rund 900 Millionen Euro auf rund 1,4 Milliarden Euro.
Die öffentlichen Finanzen würden also durch die hohen Energiepreise allein für das Jahr 2027 um eine halbe bis eine Milliarde Euro mehr belastet. Die Kostenschätzung der EU von 3,8 Milliarden Euro für drei Jahre könnte bereits in einem einzigen Jahr fast erreicht werden – und auf drei Jahre gerechnet weit überschritten werden.
Und: Der positive Effekt für die Industrie wird durch andere Effekte aber konterkariert. Wirtschaftsprüfer Adelfang sagt: „Die Entlastung im Rahmen des Industriestrompreises ist für den Staat mit hohen Kosten verbunden, fällt aber für die Unternehmen nicht sonderlich hoch aus.“
Ein Problem: Steigerungen bei Netzentgelten, weiteren Abgaben und Umlagen würden den Strom in ähnlichem Maße wieder verteuern. So forderten Industrieverbände wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl, dass für die Industrie ein Strompreis von 50 Euro pro Megawattstunde inklusive aller Abgaben, Entgelte und Steuern gelten müsse – nur so sei die internationale Wettbewerbsfähigkeit tatsächlich gesichert.

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