Handelsdeal: Wie die EU einen Handelskrieg mit China noch verhindern will
Handelskommissar Maros Sefcovic reist nach Peking, um über Exportbegrenzungen für Elektro- und Hybridautos zu verhandeln. Bei Scheitern drohen neue Zölle.
Quick Look
- Die EU verhandelt in Peking über ein befristetes Stillhalteabkommen, um den Handelskonflikt mit China abzuwenden.
- Handelskommissar Maros Sefcovic drängt auf Exportbegrenzungen für Elektro- und Hybridautos, andernfalls drohen harte Zölle.
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Why It Matters
Die EU verzeichnet ein massives Handelsdefizit mit China und geht gegen steigende Autoexporte vor.
Brüssel, Peking. Die Europäische Union (EU) will bis Freitag einen Deal mit China aushandeln, um eine Eskalation im Handelskonflikt zu verhindern. Handelskommissar Maros Sefcovic flog am Mittwoch mit europäischen Unterhändlern nach Peking.
Am Donnerstag und Freitag möchte er dort mit Chinas Handelsminister Wang Wentao ein zeitlich begrenztes Stillhalteabkommen verhandeln. Einigt sich die chinesische Seite nicht mit der EU, will Sefcovic hart zurückschlagen.
Nach Informationen des Handelsblatts drängen die EU-Verhandler darauf, dass Peking seine Exporte von Elektro- und Hybridautos in die EU begrenzt. „Der Deal würde den Anstieg der chinesischen Autoexporte zumindest zeitweise dämpfen“, sagte Bernd Lange (SPD), Vorsitzender des Handelsausschusses im Europaparlament, dem Handelsblatt. „Es geht darum, die Importkurve abzulafachen und der europäischen Automobilindustrie Zeit zu verschaffen, ihre Hausaufgaben zu machen.“
Sefcovic sprach vor EU-Botschaftern von einem „Proof of Concept“, einem Pilotversuch, an dem sich zeigen lasse, ob sich weitere Verhandlungen mit China lohnten.
In der kommenden Woche wollen die EU-Regierungschefs auf ihrem Gipfel in Brüssel schließlich über das weitere Vorgehen mit China beraten. Sollte sich die Volksrepublik nicht auf einen Deal einlassen, werde die EU weitere Schutzzölle gegen chinesische Waren einführen, sagen EU-Beamte und Diplomaten.
Brüssel orientiert sich an einem Modell, mit dem Europa vor vier Jahrzehnten den rasanten Aufstieg der japanischen Autoindustrie abfederte. Damals verständigten sich die Europäer und Japan auf eine Begrenzung japanischer Autoexporte. Gleichzeitig bauten japanische Hersteller ihre Produktion in Europa aus.
Nissan, Toyota und Honda nahmen Ende der Achtziger- und Anfang der Neunzigerjahre eigene Werke in Europa in Betrieb und produzierten dort Autos für den europäischen Markt, statt immer mehr fertige Fahrzeuge zu importieren.
Darauf setzt die EU nun auch bei China. Die Exporte sollen gebremst werden, zugleich sollen chinesische Hersteller einen größeren Teil ihrer Autos und Batteriezellen in Europa bauen. BYD will noch in diesem Jahr die Produktion in seinem neuen Werk im ungarischen Szeged aufnehmen. Chery plant die Fertigung in Barcelona. Der chinesische Batteriehersteller CATL fährt im ungarischen Debrecen gerade ein Werk hoch und baut gemeinsam mit Stellantis eine weitere Fabrik im spanischen Saragossa.
Den Verhandlern um Sefcovic ist bewusst, dass eine Begrenzung der Autoexporte allein das Problem der massiven Zunahme chinesischer Exporte nicht beheben wird. Es wäre jedoch für die Kommission ein gesichtswahrender Ausweg, um einen Handelskrieg zu vermeiden, für den Europa momentan noch schlecht gerüstet ist. Denn selbst die USA waren gezwungen, im Konflikt mit China einzulenken, als Peking den Export seltener Erden begrenzte, geben die Diplomaten und Beamte zu bedenken.
„Anders als die USA, die zuerst mit der Zollkeule kamen und dann verhandeln mussten, will Europa zuerst verhandeln und ohne eine Eskalation zu Ergebnissen gelangen“, sagte ein hochrangiger EU-Diplomat.
Jian Junbo, Direktor des Zentrums für Chinesisch-europäische Beziehungen an der Shanghaier Fudan-Universität, äußerte im Handelsblatt die Hoffnung, dass das Treffen zwischen Sefcovic und Wang eine solide Grundlage für einen „Mechanismus zur Koordination von Handel und Investitionen“ schaffe und dazu beitrage, einen heftigeren Handelskonflikt zu verhindern.
Die EU habe eine „weiche und harte“ Reaktion vorbereitet, sagte er. Sollten die Verhandlungen nicht reibungslos verlaufen und die EU härtere Maßnahmen ergreifen, „würde China jedoch unmissverständlich und mit Härte reagieren“. Jian zeigte sich überzeugt, dass ein Kompromiss möglich ist, „da beide Seiten ein Interesse daran haben, eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden“.
Auch die deutsche Außenhandelskammer setzt auf eine Verhandlungslösung. „Eine verhandelte Handelseinigung, etwa in Form von vereinbarten Exportobergrenzen, ist einer weiteren handelspolitischen Eskalation klar vorzuziehen“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.
Der Druck auf Brüssel wächst. Alle 27 EU-Mitgliedstaaten verzeichnen inzwischen ein Handelsdefizit mit China, das sich insgesamt auf mehr als eine Milliarde Euro pro Tag beläuft. In der ersten Hälfte dieses Jahres weitete sich das Ungleichgewicht noch einmal um neun Prozent aus.
Die EU erhebt zwar seit Oktober 2024 zusätzliche Ausgleichszölle auf in China produzierte batterieelektrische Autos. Dennoch steigen die Exporte weiter rasant an. Plug-in-Hybride sind zudem von den europäischen Ausgleichszöllen ausgenommen. Diese Lücke will die Kommission nun schließen. Peking solle seine Elektro- und Hybridautoexporte freiwillig begrenzen, andernfalls müsse die EU zusätzliche Zölle erheben.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Elektroautos. Der für die Durchsetzung der europäischen Handelspolitik zuständige Kommissionsbeamte Denis Redonnet warnte vergangene Woche vor stark und dauerhaft steigenden Einfuhren aus China bei Maschinen, Chemikalien, Textilien und Grundmetallen.
Gleichzeitig bricht insbesondere den deutschen Unternehmen, die lange Zeit in China profitable Geschäfte machten, der Markt weg. Im ersten Halbjahr 2026 sanken die deutschen Exporte nach China um mehr als zwölf Prozent auf weniger als 37 Milliarden Euro. Gleichzeitig stiegen die Importe aus China um knapp neun Prozent auf fast 92 Milliarden Euro.
Eine Einigung über Exportgrenzen bei Fahrzeugen könne deshalb nur der Anfang sein, sagen EU-Diplomaten. Auch die deutschen Maschinenbauer fordern die EU dazu auf, konkrete Zugeständnisse für ihre Branche durchzusetzen. „China muss auf dem Verhandlungsweg dazu gebracht werden, seine seit Jahren praktizierten unfairen Handelsmaßnahmen wie hohe Subventionen und eine künstlich niedrig gehaltene Währung zu beenden“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.
Wie das Handelsblatt bereits im Juni exklusiv berichtete, hat die EU-Kommission Untersuchungen gegen chinesische Plug-in-Hybride, Chemikalien und Maschinen vorbereitet. Im Falle eines Scheiterns der Verhandlungen will die EU rasch Ausgleichszölle und Importkontingente verhängen.
Sefcovic hatte im September selbst gewarnt, dass der politische Druck für andere Lösungen massiv steigen werde, falls die Gespräche mit China keine Ergebnisse bringen.
Parallel zu den Verhandlungen bereitet sich die EU deshalb auf einen eskalierenden Handelskonflikt mit China vor. Wie das Handelsblatt bereits am Montag berichtete, haben Deutschland und Frankreich die Kommission aufgefordert, die europäischen Handelsabwehrinstrumente dafür zu verschärfen.
Ein sogenannter „Kill Switch“ soll die Kommission im Falle eines Handelskriegs ermächtigen, schnell weitreichende Gegenmaßnahmen bis hin zu einem Ausschluss aus dem EU-Binnenmarkt zu ergreifen. Das Instrument soll China vor einer Eskalation abschrecken.
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EU-Regierungschefs beraten auf Gipfel über weiteres Vorgehen
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- Wird China den Exportobergrenzen zustimmen?
- Wie hart fallen die EU-Zölle im Falle eines Scheiterns aus?





