Nach dem Scheitern der Zollverhandlungen verhängen die USA Strafzölle von 50 Prozent auf kanadische Waren; Kanada kündigt gezielte Gegenmaßnahmen an.
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Die USA und Kanada verhandelten über ein Handelsabkommen, um drohende Zölle abzuwenden. Die Gespräche scheiterten an Uneinigkeiten über Handelsautonomie und Regeln für die Autoindustrie.
Autos, Holz, Maschinen, Getreide, Papier: Mehr als zwei Drittel der kanadischen Exporte gehen nach Süden hin über die Grenze zu den USA. Kanada ist von den Vereinigten Staaten abhängig. Und doch will sich das Land nicht alles gefallen lassen.
In den letzten Wochen haben die USA und Kanada über ein Abkommen verhandelt, nachdem die USA mit neuen Zöllen in Höhe von 50 Prozent auf diverse Waren gedroht hatten. Jetzt sind die Gespräche gescheitert. Die Folge: ein neuer Zollkrieg.
Die Schuld daran geben sich beide Seiten gegenseitig. Der Handelsbeauftragte der US-Regierung, Jamieson Greer, sprach von einer »verpassten Gelegenheit für Kanada, mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten«. Kanadas Premierminister Mark Carney hingegen sagte am Samstag auf einer Pressekonferenz: »Wir können das, was sie angeboten haben, nicht akzeptieren, und wir werden nicht das geben, was sie verlangt haben.«
Auf die Frage eines Journalisten, ob er jetzt im Krieg sei, antwortete Carney: »Wenn du angegriffen wirst, befindest du dich im Krieg.« Und: »Wir wurden angegriffen.«
Warum der Streit eskaliert
Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada schwelt schon länger. Erneut aufgeflammt ist er, als Trump im Juli neue Zölle auf Waren aus dem Nachbarland angekündigt hat. Um das zu verhindern, sollte sich Kanada auf einen Deal einlassen. Mitte August sah es zwischenzeitlich sogar danach aus, dass ein Abkommen zustande kommen könnte. Doch dann sollen die US-Amerikaner – so stellen es die Kanadier dar – Änderungen in letzter Minute gefordert haben.
Carney zufolge wollten die USA Kanadas Möglichkeiten einschränken, Handelsabkommen mit anderen Staaten zu schließen. Darauf kann sich der Premierminister kaum einlassen. Schließlich will Kanada unabhängiger von den USA werden und sucht weltweit nach neuen Handelspartnern.
Auch bei den Regeln für die Autoindustrie sind sich die beiden Seiten nicht einig geworden. Derzeit erheben die USA Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Wagen aus Kanada. Im Rahmen des Deals sollten sie für Pkw zwar auf 15 Prozent sinken – allerdings nicht pauschal. Die USA forderten, dass der Anteil an Autoteilen herausgerechnet werden müsse, die in Kanada produziert worden sind. Die Zollkosten wären also umso höher ausgefallen, je mehr kanadische Teile ein Hersteller verbaut hätte. Noch dazu sollten Trucks und Lastwagen weiterhin mit den vollen 25 Prozent belegt werden.
Das hätte die ohnehin bereits angeschlagene Autoindustrie vor allem in der Provinz Ontario hart getroffen. Gewerkschafter fürchteten, dass »Tausende und Abertausende Jobs« verloren gehen könnten. Deshalb ist der Deal geplatzt. Und deshalb überziehen sich beide Seiten mit neuen Zöllen.
Für die Wirtschaft sind Zölle Gift
Die USA haben nun erst mal die Zölle scharf gestellt, die sie Kanada ohnehin angedroht hatten. Auf eine Reihe kanadischer Produkte werden ab sofort bei der Einfuhr in die USA 50 Prozent fällig. Zum Beispiel auf Möbel, Käse, Kleidung, Hockeyschläger, Angelruten und Zement. Insgesamt geht es um Waren im Wert von gut 20 Milliarden US-Dollar. Das sind 5,5 Prozent aller Exporte aus Kanada in die USA.
Kanada hat am Wochenende bereits Gegenzölle angekündigt. Gelten sollen sie ab dem 8. September auf US-Waren wie Stahl, Milchprodukte, landwirtschaftliche Ausrüstung und Elektrogeräte. Wie hoch sie ausfallen sollen, ist noch nicht bekannt. Carney sagte: »Das ist eine gezielte Reaktion, um unsere Industriezweige zu schützen, zu verteidigen und ihnen zu ermöglichen, auf dem kanadischen Markt mit US-Produkten zu konkurrieren.«
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Inkrafttreten kanadischer Gegenzölle am 8. September.
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