
In Deutschland könnten mehr Wärmepumpen in Mietshäusern verbaut werden. Oft reicht dazu ein Heizkörpertausch, zeigt eine aktuelle Untersuchung.
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Deutschland hat einen großen Nachholbedarf beim Heizungstausch, da rund 40 Prozent der 21,5 Millionen Anlagen veraltet sind.
Düsseldorf. In Kürze beginnt in Deutschland die Heizperiode. Angesichts der derzeit hohen Kosten für Öl und Gas erwarten viele Haushalte für dieses Jahr Nachzahlungen auf die Heizkosten – zu Recht. So schätzt die Beratungsgesellschaft co2online, dass 2026 die Kosten für Ölheizungen um 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen werden. Bei Holzpelletheizungen wird ein Plus von 17 Prozent erwartet. Grundlage für die Schätzungen ist eine 70 Quadratmeter große Wohnung in einem Mehrfamilienhaus.
Nach Zahlen der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online schneiden Wärmepumpen deutlich besser ab. Die Berater erwarten für sie nur einen Anstieg der Heizkosten um drei Prozent. Es verwundert daher kaum, dass Wärmepumpen im ersten Halbjahr 2026 mit 194.500 Anlagen das meistverkaufte Heizungssystem in Deutschland waren. Erst an zweiter Stelle folgen Gasheizungen mit 134.000 Stück.
Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat der Absatz von Wärmepumpen noch von der üppigen Förderung des Gebäudeenergiegesetzes profitiert. Für neue Förderanträge bei der staatlichen Förderbank KfW gelten jedoch bereits die Vorschriften des Gebäudemodernisierungsgesetzes. Dieses Gesetz greift seit dem 29. Juli.
Für die meisten Haushalte fallen die Zuschüsse für den Heizungstausch geringer aus als nach der alten Gesetzeslage. Es bleibt abzuwarten, wie stark sich die reduzierte Förderung bei der Installation von Wärmepumpen bemerkbar machen wird.
Deutschland hat einen großen Nachholbedarf beim Heizungstausch. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) beziffert die Zahl der Heizungen, die älter als 30 Jahre sind, auf rund vier Millionen. Insgesamt seien 40 Prozent der 21,5 Millionen Heizungsanlagen nicht auf dem aktuellen Stand der Technik.
Der Energiedienstleister Techem sieht in Bestandsimmobilien noch viel Potenzial für die Installation von Wärmepumpen, insbesondere bei Mehrfamilienhäusern. Bisher wurden Wärmepumpen vor allem in Einfamilienhäusern verbaut. Ein Grund dafür ist, dass es bei Mietshäusern in dicht bebauten Städten aufwendiger ist, erforderliche Abstände und Lärmvorschriften für den Betrieb von Wärmepumpen einzuhalten.
Hinzu kommt, dass viele Mehrfamilienhäuser im Besitz von Eigentümergemeinschaften sind. Vor einem Heizungstausch müssen sich die Wohnungseigentümer untereinander einigen. Oft sind diese Gemeinschaften jedoch zerstritten, vor allem wenn es um teure Baumaßnahmen geht. Statt die Heizung zu tauschen, wird sie in vielen Eigentümergemeinschaften daher nur repariert.
Die aktuelle Studie von Techem hat sich mit diesen rechtlichen Hürden jedoch nicht auseinandergesetzt. Es geht viel mehr darum, ob der Einbau von Wärmepumpen technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Laut Studie könnten in Deutschland auch ohne den Tausch von Heizkörpern 40 Prozent der Mehrfamilienhäuser mit Wärmepumpen ausgestattet werden. Ersetzen die Immobilieneigentümer die alten Heizkörper zusätzlich durch moderne Niedrigtemperaturheizkörper, steigt die Quote auf 90 Prozent.
Der Heizkörpertausch ist sinnvoll, weil Wärmepumpen mit niedrigeren Vorlauftemperaturen arbeiten als beispielsweise Zentralheizungen, die mit Gas betrieben werden. Niedrigtemperaturheizkörper können Wärme über eine größere Oberfläche an die Wohnräume abgeben. Das Wasser in den Heizkörpern benötigt daher eine geringere Temperatur, um die gleiche Raumwärme zu erzeugen.
Ob allein der Austausch der Heizkörper reicht, damit eine Wärmepumpe wirtschaftlich arbeitet, hängt von der einzelnen Immobilie ab. Es ist jedoch in der Regel deutlich günstiger, Heizkörper auszutauschen, als etwa eine Fußbodenheizung zu installieren oder die Außenhülle des Gebäudes zu dämmen. Welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, kann ein Energieberater nach einem Vor-Ort-Termin beurteilen.
Im europäischen Vergleich ist das Potenzial für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern in Deutschland hoch. Laut Techem-Studie liegt das Potenzial in der Schweiz ohne Heizkörpertausch bei gerade mal 14 Prozent. Werden Niedrigtemperaturheizkörper eingebaut, würde die Quote auf 68 Prozent wachsen.
Allerdings lassen sich die Potenziale in den europäischen Ländern nicht eins zu eins miteinander vergleichen. In der Schweiz sind bereits ein Viertel der Gebäude mit einer Wärmepumpe ausgestattet, in Deutschland dagegen liegt der Anteil noch unter zehn Prozent. Das heißt, die Schweizer haben den Heizungstausch schon deutlich weiter vorangetrieben. Das erklärt auch das größere Potenzial in Deutschland.
Dieser Text ist zuerst bei der WirtschaftsWoche erschienen.
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