Hessen fordert Schadensbegrenzung bei möglicher Unicredit-Übernahme der Commerzbank
Quick Look
- Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hat mit Unicredit-Chef Andrea Orcel über Erwartungen gesprochen, die bei einer Übernahme der Commerzbank berücksichtigt werden sollten.
- Obwohl die Landesregierung keine direkten rechtlichen Werkzeuge hat, setzt sie auf öffentlichen Druck und Einflussnahme über den Bund, der noch zwölf Prozent an der Bank hält.
- Für Frankfurt steht viel auf dem Spiel: der Erhalt der Commerzbank als Marke und Sitz ist entscheidend für den Finanzplatz und seine Ambition, der wichtigste in Kontinentaleuropa zu werden.
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Why It Matters
Die Commerzbank ist ein zentraler Akteur des Finanzplatzes Frankfurt. Eine Übernahme durch Unicredit könnte zu einer Verschmelzung mit der Hypovereinsbank führen und den Sitz nach München verlagern, was die Bedeutung Frankfurts als Finanzzentrum gefährden würde.
Es geht um Schadensbegrenzung für Frankfurt. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein hat sich am Donnerstag mit Unicredit-Chef Andrea Orcel getroffen und dabei Erwartungen formuliert, die im Falle einer Übernahme der Commerzbank durch die Italiener berücksichtigt werden sollten.
Das Problem an der Sache ist bloß: Boris Rhein und die hessische Landesregierung haben keine unmittelbaren rechtlichen Werkzeuge in der Hand, mit denen sie Druck ausüben können. Als vor zehn Jahren die Fusion der Frankfurter Börse mit London scheiterte, durch die Frankfurt erheblich an Einfluss verloren hätte, hatte Hessen in Form der Börsenaufsicht einen direkten Hebel, die den Zusammenschluss hätte verhindern können. Etwas Vergleichbares gibt es dieses Mal nicht.
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Und doch ist eine Landesregierung in einem Fall wie diesem nicht hilflos. Erstens kann (und muss) Rhein öffentlichen Druck auf die Unicredit ausüben, schließlich will Orcel bei einem Zusammenschluss Kosten in Milliardenhöhe einsparen, könnten Tausende Stellen zur Disposition stehen. Teilnahmslos an der Seite zu stehen, ist bei einem Vorhaben dieser Dimension für einen Regierungschef keine ernsthafte Option.
Zweitens wird Wiesbaden versuchen, möglichst viel Einfluss in Berlin zu nehmen, schließlich hält der Bund nach wie vor zwölf Prozent an der Commerzbank. Über diesen Umweg besteht die Option, gewisse Forderungen zu platzieren, sofern die Bundesregierung mitspielt. Daran wurde in den vergangenen Wochen intensiv gearbeitet. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat Orcel bereits für den 14. September zu einem Gespräch nach Berlin eingeladen, dass der Termin in Wiesbaden kurz vorher stattfand, dürfte kein Zufall gewesen sein.
Für Frankfurt, Rhein weiß das, steht eine Menge auf dem Spiel. An erster Stelle sorgt man sich natürlich darum, dass die Commerzbank unter dem Dach der Unicredit mit der Hypovereinsbank verschmolzen wird und diese deutsche Einheit in München sitzen und von Mailand aus gesteuert werden könnte. Faktisch käme das einer Aushöhlung des Traditionshauses gleich. Für den Finanzplatz wäre das ein erheblicher Verlust, nicht nur, weil hier knapp 10.000 Männer und Frauen für die Bank arbeiten, sondern auch mit Blick auf die Reputation des Standorts.
Schließlich will sich der Standort am Main, das ist ein Ergebnis auch des von Rhein einberufenen Finanzplatzkabinetts, künftig noch stärker nicht nur als Finanzplatz Frankfurt, sondern als Wichtigster seiner Art in Kontinentaleuropa platzieren. Der Erhalt der Commerzbank als Marke in Frankfurt ist dabei ein wichtiger Teil eines kleinteiligen Übernahme-Puzzles, von dem noch keiner weiß, was es zeigt, wenn es eines Tages fertig sein wird.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Die Landesregierung Hessen wird öffentlichen Druck auf Unicredit ausüben, um den Erhalt der Commerzbank als Marke in Frankfurt zu sichern.
Likely · Within weeks
Die Bundesregierung wird über ihren Anteil von zwölf Prozent an der Commerzbank versuchen, Einfluss auf die Übernahme zu nehmen.
Possible · Within weeks
Open Questions
- Welche konkreten Forderungen wird Hessen an Unicredit stellen?
- Wie wird die Bundesregierung auf die Einladung von Lars Klingbeil reagieren?
- Welche Auswirkungen hätte ein Sitzverlust der Commerzbank auf die Beschäftigung in Frankfurt?







