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Back|Hyundai-Streik wegen humanoiden Robotern beendet
Hyundai-Streik wegen humanoiden Robotern beendet
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Handelsblatt·1 hour ago·Business·6 min read·🇩🇪Germany

Hyundai-Streik wegen humanoiden Robotern beendet

Nach wochenlangen Arbeitskämpfen und dem Einsatz von Zehntausenden humanoiden Robotern als Zukunftsvision hat Hyundai eine vorläufige Einigung mit der Gewerkschaft erzielt.

Quick Look

  • Hyundai-Beschäftigte in Südkorea traten im Juli und August 2026 in den Streik, um Garantien gegen den massiven Einsatz humanoiden Roboter wie Atlas zu fordern.
  • Nach tagelangem Stillstand und 110 Verhandlungstagen gibt es eine vorläufige Einigung.

AI-generated summary

Why It Matters

Hyundai plant den Einsatz von Zehntausenden humanoiden Robotern wie Atlas von Boston Dynamics in seinen Werken.

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Hyundai plant den Einsatz Zehntausender humanoider Roboter. Die Gewerkschaft verlangte Mitsprache, und legte die Werke lahm. Der Arbeitskampf hat ein neues Thema.

Tokio, Düsseldorf. Das Management spricht von Kooperation zwischen Mensch und Maschine, die Gewerkschaft hat den Existenzkampf ausgerufen. Am 13. Juli verließen Beschäftigte von Hyundai Motor im südkoreanischen Ulsan ihre Arbeitsplätze zwei Stunden vor Schichtende. Es war der Beginn eines historischen Arbeitsstreits.

Über Löhne und Arbeitsbedingungen verhandeln Hyundai und die Gewerkschaft jedes Jahr, doch in diesem Jahr steht im Forderungskatalog der Belegschaft ein Punkt, den es noch nie gab: Garantien für Beschäftigung und Arbeitsbedingungen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotern.

Die Ursache des einzigartigen Konflikts hat einen Namen: Atlas. Der humanoide Roboter der Hyundai-Tochter Boston Dynamics ist 1,90 Meter groß, wiegt rund 90 Kilogramm und hebt bis zu 50 Kilogramm. Er soll Aufgaben in Fabriken übernehmen, die heute Menschen erledigen.

Für Konzernchef Chung Euisun ist Atlas Teil eines großen und grundsätzlichen Umbaus. „Die Hyundai Motor Group entwickelt sich über die traditionellen Grenzen der Automobilfertigung hinaus“, sagte er am 24. Juli auf einem KI-Gipfel in San Francisco, „und beschleunigt ihren Wandel zu einem Unternehmen für Physical-AI-Lösungen.“

Unter Physical AI versteht man eine Künstliche Intelligenz, die über Sensoren ihre Umwelt wahrnimmt, über Motoren in ihr handelt und aus diesen Begegnungen lernt. Roboter wie Atlas sollen so mit KI-gesteuerten Fabriken zusammenspielen. Die Gewerkschaft wollte Garantien, dass dieser Umbau nicht zulasten der Belegschaft geht.

Nahezu alle Produktionsbeschäftigten in Ulsan sind gewerkschaftlich organisiert. Die Arbeitnehmervertretung zählt 39.668 stimmberechtigte Mitglieder, 87 Prozent von ihnen stimmten für den Arbeitskampf. Gestreikt wurde an neun Tagen in drei Wellen im Juli. Nach den Werksferien ging es im August weiter.

Der Streit in Ulsan ist ein Vorgriff auf eine Auseinandersetzung, die der ganzen Branche bevorsteht. Humanoide Roboter arbeiten bisher nirgends in großen Stückzahlen in der industriellen Produktion; der Marktforscher Omdia schätzt die weltweiten Auslieferungen aller Bauformen für 2025 auf rund 13.000 Stück. Doch die Hersteller bereiten den breiten Einsatz bereits vor.

BMW ließ in seinem US-Werk Spartanburg elf Monate lang zwei Roboter des kalifornischen Anbieters Figure mitarbeiten, die mehr als 90.000 Blechteile für über 30.000 Fahrzeuge bewegten. Seit dem 12. Juni erprobt der Konzern im Werk Leipzig den humanoiden Roboter Aeon des Anbieters Hexagon. In Grünheide sollen Beschäftigte von Tesla seit Anfang August bei der Arbeit Kameras tragen, damit der Roboter Optimus von ihren Bewegungen lernt.

Bei Toyota geht es bislang ohne Konflikt. Seit April arbeiten im kanadischen Werk Woodstock in Ontario sieben humanoide Roboter der Firma Agility Robotics, eine Ausgründung der Oregon State University. Das Forschungsinstitut des Konzerns gründete im Januar das Start-up Walden Robotics aus. Dessen Maschine lädt in einem nordamerikanischen Toyota-Werk Autoteile, reinigt Maschinen und stellt Bauteile zusammen. Sie geht nicht, sie fährt.

Der Unterschied zu den Robotern, die seit Jahrzehnten in Autofabriken stehen, liegt in ihrer Gestalt. Ein Schweißroboter ist frei programmierbar, aber an eine feste Zelle mit eigenen Spannvorrichtungen gebunden. Wer ihn einsetzen will, muss die Fertigungslinie um ihn herum konstruieren.

Ein humanoider Roboter soll dagegen dort anpacken, wo bisher Menschen arbeiten, ohne dass die Fabrik umgebaut werden muss. Möglich wird das durch die Fortschritte der Künstlichen Intelligenz: Atlas soll nach Angaben des Herstellers neue Aufgaben binnen eines Tages lernen.

Hyundai hat sich das Know-how aus Amerika zugekauft. Boston Dynamics entstand 1992 als Ausgründung aus dem Leg Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT), Google kaufte die Firma 2013.

2015 ließ Boston Dynamics den vierbeinigen Roboter Spot über unebenes Gelände laufen. Als ein Mitarbeiter ihn von der Seite wegtrat, taumelte er kurz und lief weiter. Das Video machte das Unternehmen weltbekannt. Im selben Jahr erprobten US-Marines den Roboter auf dem Stützpunkt Quantico. Knapp drei Jahre später tauchten ähnlich aussehende, allerdings mörderische Roboterhunde in der Serie „Black Mirror“ auf.

2017 ging Boston Dynamics an den japanischen Investor Softbank, der das Unternehmen 2021 an Hyundai weiterreichte. Die Bewertung lag bei 1,1 Milliarden Dollar, Hyundai übernahm 80 Prozent der Anteile. Seit Juli 2026 gehört der Roboterhersteller dem koreanischen Konzern vollständig.

Für die nächste Robotergeneration arbeitet Boston Dynamics mit Google Deepmind zusammen, mit dem Chipkonzern Nvidia besteht seit 2025 eine Entwicklungskooperation. Für seine KI-Fabrik hat der Mutterkonzern 50.000 KI-Prozessoren bestellt.

Hyundai stellte seinen Investoren im Mai mehr als 25.000 humanoide Roboter für die eigenen Werke in Aussicht, allerdings ohne Zeitplan und Orte zu nennen. 2028 soll Atlas im Werk Ellabell im US-Bundesstaat Georgia eingesetzt werden. Eine Gewerkschaft gibt es dort nicht.

Im knapp 12.000 Kilometer entfernten Ulsan sind die Arbeiter dagegen gut organisiert. Im Januar 2026 zeigte Boston Dynamics auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas die Serienversion von Atlas, die vollständig auf Elektromotoren setzt. Investoren reagierten euphorisch: Allein in den ersten drei Wochen des Jahres stieg Hyundais Aktienkurs um 85 Prozent, von 296.500 auf 549.000 Won. Zugleich setzte die Gewerkschaft eine Warnung ab.

Am 22. Januar erklärte die Hyundai-Sektion der Korean Metal Workers' Union, bei Hyundai Motor zeichne sich der Einsatz von KI-Robotern zur Senkung der Personalkosten immer deutlicher ab. Ihre Forderung: „Ohne eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft darf kein einziger Roboter, der neue Technologien nutzt, am Arbeitsplatz zum Einsatz kommen.“

In einem Flugblatt warnte die Gewerkschaft vor einem „Beschäftigungsschock“. Park Sang-man, Vorsitzender der Metallgewerkschaft, in der auch die Hyundai-Belegschaft organisiert ist, sagte der Fachzeitung „Labor Today“: „Wir werden eine Gesetzesänderung fordern, wonach der Einsatz von Robotern in Industriebetrieben erst nach Beratung und Vereinbarung mit der Gewerkschaft zulässig ist.“

Hyundai warnte vor weiterem Arbeitskampf. „Streikmaßnahmen können Auswirkungen auf unsere Kunden, Partner und unseren Geschäftsbetrieb haben“, sagte ein Sprecher auf Anfrage des Handelsblatts. „Doch in dieser entscheidenden Phase müssen beide Seiten zusammenarbeiten, um den globalen Wandel hin zur Mobilität der Zukunft erfolgreich zu bewältigen.“

Atlas kommt in dieser Antwort nicht vor. Auch nicht in den Erklärungen von Choi Young-il, dem Vorstandsmitglied, das die Verhandlungen führt. Und auch nicht in der Quartalsmitteilung vom 23. Juli, in der der Streik selbst fehlt, obwohl der operative Gewinn um 20,8 Prozent sank. Als Gründe nennt Hyundai dort Rohstoffkosten und einen Brand bei einem Zulieferer.

Einmal hat sich der Konzernchef dazu geäußert, am 14. Mai bei der Wiedereröffnung der umgebauten Lobby des Konzernsitzes in Seoul. „Das Wichtigste ist, dass das Empfinden und die Kultur der arbeitenden Beschäftigten gut damit verschmelzen“, sagte Chung über das Robotergeschäft. Auf den Tarifkonflikt angesprochen sagte er, abzuwägen sei vieles: „Die Entwicklung des Unternehmens ist wichtig, die Aktionäre sind wichtig, und die Entwicklung des Landes ist wichtig.“

Roboter stehen in koreanischen Autofabriken seit Jahrzehnten, nach Daten der International Federation of Robotics ist die Roboterdichte in Südkorea die höchste der Welt. Neu ist deshalb nicht der Roboter, neu ist der Versuch, seine Einführung zur Verhandlungssache zu machen. Möglich wurde dieser Schritt durch ein Gesetz, das seit fünf Monaten gilt.

Am 10. März trat die Novelle des Gewerkschaftsgesetzes in Kraft, die in Korea nach den gelben Gehaltsumschlägen einer Spendenkampagne für verklagte Streikende „Gesetz des gelben Umschlags“ heißt. Sie erweitert den zulässigen Streikgegenstand auf unternehmerische Entscheidungen, soweit diese die Arbeitsbedingungen konkret verändern. Bis dahin galt eine Investitionsentscheidung des Managements nicht als streikfähig. Ob auch die Einführung von Robotern darunterfällt, ist umstritten.

Park Ji-soon, Professor für Arbeitsrecht an der Korea University in Seoul, sagte der Wirtschaftszeitung „Chosun Biz“, das Gesetz werde für die Hyundai-Gewerkschaft eine Grundlage sein, „die sie zu nahezu 100 Prozent nutzen kann, um die Einführung von Robotern zu blockieren“. Das Arbeitsministerium hat in seiner Auslegungsrichtlinie allerdings eine Schwelle eingezogen: Entscheidungen des Managements sind nur dann verhandelbar, wenn sie die Arbeitsbedingungen substanziell und konkret verändern.

Die Belegschaft schrumpft längst, ohne dass ein Roboter in Ulsan steht. Ähnlich verhält es sich mit der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder unter den Beschäftigten: Der Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens zählt Ende 2025 noch 37.829, 2019 waren es 49.647. Jährlich gehen 1800 bis 2000 Produktionsfachkräfte in den Ruhestand, eingestellt werden 300 bis 800. Der Abbau läuft also nicht über Entlassungen, sondern über ausbleibende Nachbesetzungen.

Wie so etwas ausgeht, lässt sich in Deutschland studieren. Wolfgang Dauth, Sebastian Findeisen, Jens Südekum und Nicole Woessner fanden für den deutschen Arbeitsmarkt zwischen 1994 und 2014 heraus, dass jeder zusätzliche Industrieroboter rund zwei Arbeitsplätze in der Fertigung ersetzte – die Gesamtbeschäftigung aber nicht sank. Bestehende Stellen wurden kaum vernichtet, es kamen aber weniger Neue nach.

Bevor humanoide Roboter auch in Deutschland am Fließband stehen, will die Gewerkschaft mitreden. „Die zentrale Frage ist, wie die Technologie eingesetzt wird und welche Auswirkungen sie auf die Arbeitsbedingungen hat“, sagt Walther Schneeweiß, Pressesprecher der IG Metall. Er sieht aber auch Chancen: „Humanoide Roboter können Aufgaben übernehmen, die körperlich belastend, monoton oder gefährlich sind.“ Nötig seien klare Regeln bei Datenschutz, Haftung und Qualifizierung – und die Betriebsräte müssten schon ab den ersten Testphasen eingebunden werden.

Ein erheblicher Teil des Einkommens in Ulsan hängt an Sonderschichten und Nachtarbeit. Wie groß er ist, rechnete ein Gastautor der Fachzeitung „Labor Today“ schon 2013 vor: vier Sonderschichten im Monat, rund 48 im Jahr, mindestens 2495 Arbeitsstunden. Das sind etwa 700 mehr als der Durchschnitt der OECD-Länder; der Grundlohn machte danach weniger als die Hälfte des Einkommens aus.

Wenn Roboter Schichten übernehmen, ist diese Aufteilung gefährdet. „Die Roboter nehmen uns die Sonderschichtzuschläge weg“, titelte die Wirtschaftszeitung „Financial News“. Deshalb stand neben der Roboterklausel eine zweite Forderung, die international kaum vorkommt: das vollständige Monatsgehalt.

Die Gewerkschaft hat vorgerechnet, was auf dem Spiel steht. Bei einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 100 Millionen Won kosten drei Beschäftigte im Rund-um-die-Uhr-Betrieb 300 Millionen Won im Jahr, rund 184.000 Euro. Ein Atlas koste in der Anschaffung 200 Millionen Won, rund 122.000 Euro, dazu kämen Wartungskosten von geschätzt 14 Millionen Won jährlich, rund 8500 Euro.

Den Trend selbst wird man durch bedingungslose Blockade nicht aufhalten, so sieht es auch Kim Dong-myeong, Vorsitzender des mitgliederstärksten Dachverbands FKTU, der im Januar betonte, dass man den großen Trend durch Blockade nicht aufhalten könne.

Hyundai hat keine solche Rechnung veröffentlicht. Auch eine Folgenabschätzung für einen einzelnen Standort, in der Stellenabbau, neue Tätigkeiten und Umschulungsbedarf gegenübergestellt werden, ist nicht bekannt. Genau eine solche Bewertung verlangt die Metallgewerkschaft.

Am 18. August trafen sich beide Seiten zur sechzehnten Verhandlungsrunde. Nach zwei Stunden und fünfzig Minuten gingen sie ohne Ergebnis auseinander. Hyundai bot 89.000 Won mehr Grundgehalt, einen Bonus von 350 Prozent plus zehn Millionen Won und 15 Aktien. Gefordert hatte die Gewerkschaft 149.600 Won und eine Erfolgsbeteiligung von 30 Prozent des Nettogewinns.

Noch am selben Abend beschloss die Gewerkschaft die Eskalation. Am 19. und 20. August wurde jeweils vier Stunden gestreikt, am 21. August acht Stunden – der erste Vollstreik seit zehn Jahren. In Ulsan, Asan und Jeonju standen die Bänder still, rund 39.000 Mitglieder legten die Arbeit nieder, 3000 zogen vor die Konzernzentrale in Seoul.

Drei Tage später kam das Unternehmen zurück an den Tisch. Die siebzehnte Runde begann am 24. August und endete am nächsten Morgen. Nach 110 Tagen stand eine vorläufige Einigung. Gestreikt worden war 60 Stunden lang, die Bänder standen 120 Stunden still. Die Kosten betrugen nach Branchenschätzungen etwa 1,4 Milliarden Euro Umsatz.

Anstelle der umstrittenen Roboterklausel steht nun ein Satz im Abschluss: Die Einführung von Physical AI und Robotik sei „eine unerlässliche Voraussetzung für das Überleben“.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Einsatz von Atlas im Werk Ellabell in Georgia

    Likely · Within months

Open Questions

  • ?Wie sieht die genaue Formulierung der Einigung zur Robotik aus?
  • ?Wann genau startet der Einsatz in Georgia?

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  • Hyundai-Beschäftigte in Südkorea traten im Juli und August 2026 in den Streik, um Garantien gegen den massiven Einsatz humanoiden Roboter wie Atlas zu fordern.
  • Nach tagelangem Stillstand und 110 Verhandlungstagen gibt es eine vorläufige Einigung.

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