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„Ich will erleben, wie er seine Wähler enttäuschen wird“ – CDU-Mann plädiert für Wahl von Siegmund
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Die Welt1 hour agoPolitics4 min readGermanyView translation

„Ich will erleben, wie er seine Wähler enttäuschen wird“ – CDU-Mann plädiert für Wahl von Siegmund

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gibt es in der CDU heftige Debatten über den Umgang mit der AfD und drohende Fraktionsspaltungen.

Quick Look

  • Der sachsen-anhaltinische CDU-Politiker Alexander Räuscher empfiehlt seiner Partei, Ulrich Siegmund (AfD) zum Ministerpräsidenten zu wählen.
  • Die CDU-Fraktion steht vor möglichen Abspaltungen, während bundesweite Parteispitzen scharf auf die Vorgänge im Landtag blicken.

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Why It Matters

Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird über mögliche Regierungs- und Koalitionskonstellationen sowie die Wahl von AfD-Politikern in Spitzenämter diskutiert.

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Der sachsen-anhaltinische CDU-Politiker Alexander Räuscher empfiehlt seiner Partei die Wahl von Ulrich Siegmund (AfD) zum Ministerpräsidenten. „Das Wahlergebnis verlangt, dass Herr Siegmund Ministerpräsident wird. Die CDU sollte seine Wahl ermöglichen“, sagt er dem „Tagesspiegel“. Bei der Landtagswahl verpasste er den erneuten Einzug in den Landtag, in dem er zuvor fünf Jahre saß.

Die CDU sollte bei der für Dezember angekündigten Wahl für Siegmund votieren, so Räuscher, „nicht, weil wir seine Fans wären, sondern, weil es das Wahlvolk will“. Der CDU-Politiker fügte hinzu: „Ich hätte Bauchschmerzen, Siegmund im Landtag zu wählen, aber ich würde es tun. Da müssen wir jetzt durch. Ich will erleben, wie Herr Siegmund ein Wahlversprechen nach dem anderen abräumen muss und seine Wähler enttäuschen wird.“

Die vier Stimmen für den AfD‑Landtagspräsidenten Tobias Rausch führt Räuscher nicht allein auf CDUler zurück. „Meines Erachtens kommen sie teils von der CDU, teils aus dem links-grün-roten Lager. Die nämlich wollen mit dem Finger auf uns, die CDU, zeigen.“

Die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt droht nach Recherchen des MDR eine Spaltung. Mehrere Abgeordnete bestätigten dem Sender, dass einige Unionsparlamentarier einen Austritt und die Bildung einer eigenen parlamentarischen Gruppe erwägen. Ex-Bildungsminister Marco Tullner sagte: „Ich denke zumindest darüber nach, dass das eine Option ist.“ Ein anderer Abgeordneter, der anonym bleiben will, sagte über den amtierenden Ministerpräsidenten: „Sven Schulze hat keine Autorität in der CDU-Fraktion.“ Die Hauptverantwortung sieht er beim amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze, der sich nach der Wahl mit acht zu sieben Stimmen zum Fraktionschef hatte wählen lassen.

Bei der Wahl des Landtagspräsidenten am Dienstag hatte Schulze angekündigt, die 15-köpfige Fraktion werde sich enthalten. AfD-Kandidat Tobias Rausch erhielt jedoch 48 Ja-Stimmen bei nur fünf Enthaltungen, AfD und BSW kommen zusammen auf 44 Sitze. Mit Austrittsgedanken tragen sich laut MDR vor allem jene CDU-Abgeordneten, die eine Zusammenarbeit mit der AfD kritisch sehen.

In der CDU-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt gibt es Widerspruch zur Forderung des früheren CDU-Abgeordneten Alexander Räuscher. Mehrere Politiker äußerten sich gegenüber „t-online“, etwa der CDU-Abgeordnete Tobias Krull: „Wir sollten Siegmund definitiv nicht zum Ministerpräsidenten wählen“, sagt er. „Wenn Herr Siegmund gewählt werden, will muss er sich seine Mehrheit mit anderen suchen.“ Der CDU-Abgeordnete Marco Tullner stellt klar: „Wir sind Opposition und keine AfD-Hilfstruppe.“ Noch deutlicher wird der CDU-Abgeordnete Chris Schulenburg: „Jedem aufrichtigen Demokraten würde in der Wahlkabine die Hand abfaulen, wenn er einen AfD-Ministerpräsidenten wählen würde, der einer gesichert rechtsextremen Partei angehört.“

SPD, Grüne, Linke und BSW waren Ende September zu einem ersten Austausch über einen möglichen überparteilichen Ministerpräsidenten zusammengekommen. Die Gespräche sollten nach der konstituierenden Sitzung fortgesetzt werden. Die CDU hatte die Einladung der SPD abgelehnt, da sie sich in der Opposition sieht. Die Stimmen ihrer Fraktion wären jedoch für eine Mehrheit im Landtag nötig gewesen.

„Wir haben nach der Wahl jede demokratische Möglichkeit geprüft und CDU, Grüne, Linke und BSW an einen Tisch eingeladen“, sagt die SPD-Landesvorsitzende Juliane Kleemann demnach. Das BSW organisiere inzwischen Mehrheiten mit der AfD. Die CDU sei erst den Gesprächen ferngeblieben und bekomme nun offenbar die eigene Fraktion nicht zusammen, um Rechtsextremen den Weg in die höchsten Staatsämter zu versperren.

Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz blickt kritisch auf die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt. Wer genau für Rausch stimmte, wisse wegen der geheimen Wahl zwar niemand, sagt er in Berlin auf einer Veranstaltung von „Handelsblatt“ und „WirtschaftsWoche“. Gleichwohl gelte, dass jemand, der seine Stimme der AfD gebe, „das Spiel der Extremisten“ spiele und Glaubwürdigkeit zerstöre, sagt Merz: „Mit den Werten meiner Partei, der CDU, verträgt sich das jedenfalls nicht.“

Schleswig-Holsteins CDU-Vorsitzender Daniel Günther kritisiert die Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt mit Stimmen aus anderen Fraktionen scharf. „Die über die mit den Stimmen von AfD und BSW hinausgehende Mehrheit der Abgeordneten des Landtages hat ein Ergebnis zu verantworten, das uns fassungslos macht und entsetzt“, schreibt Günther auf seinem Landesvorsitzenden-Account bei Facebook. „Sollte jemand aus den Reihen der Union daran mitgewirkt haben, hat er oder sie nicht nach den Werten der Union gehandelt.“ Günther weiter: „Für uns gilt ausnahmslos: keine Zusammenarbeit mit Rechtsextremisten. Nicht in Regierungen und nicht im Parlament.“ Aufrecht sei, wer auch in der Wahlkabine zu seinem Wort stehe – gerade dann, wenn niemand hinsehe. „Die politische Mitte hat in diesen Zeiten mehr denn je die verdammte Pflicht, die Probleme des Landes gemeinsam zu lösen“, so der Landesvorsitzende, der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein ist.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat sich besorgt über die Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten im benachbarten Sachsen-Anhalt gezeigt. „Dass das Amt des protokollarisch höchsten Repräsentanten des Landes dort an jemanden gegangen ist, der aus einer Partei kommt, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, darf keine Normalität werden“, sagte Lies.

Der sachsen-anhaltinische Landtagspräsident Tobias Rausch (AfD) geht davon aus, auch mit Stimmen aus der CDU-Fraktion gewählt worden zu sein. Dem Portal „Nius“ sagte er zudem, es sei abgesprochen, dass AfD-Ministerpräsidentenkandidat Ulrich Siegmund bei der Wahl im Dezember ebenfalls mit diesen vier Stimmen rechnen könne.

Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar nimmt nach der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt Bundeskanzler Friedrich Merz in die Pflicht. Als Vorsitzender der CDU sei es seine Verantwortung, seine Kollegen davon zu überzeugen, dass diese Wahl „mit der historischen Verantwortung, die wir in der Demokratie alle haben, gerade dann, wenn wir in Parlamente gewählt sind, nicht vereinbar ist“, sagte Esdar im Deutschlandfunk.

Ein Machtwort erwartet die SPD-Politikerin dabei nicht unbedingt von Merz. „Ich glaube, dass Politik heute eher mit Werten und Überzeugungen funktioniert.“ Auch sie lasse sich von Machtwörtern in ihrem politischen Handeln nicht einschüchtern. Aber: „Ich erwarte, dass die Union nun endlich erkennt, welche historische Verantwortung wir auch dafür haben, dass gesichert rechtsextreme Parteien bei uns in Deutschland nicht wieder zu Macht verholfen wird“, sagte Esdar weiter. Es brauche eine klare Abgrenzung.

Die Vize-Vorsitzende der Bundes-CDU, Familienministerin Karin Prien, hat sich nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt besorgt geäußert. Sie habe noch keine Bestätigung dafür, „dass in dieser geheimen Wahl geklärt ist, wer nun wie abgestimmt hat, aber ich will deutlich sagen: Sollten es Kolleginnen und Kollegen der CDU-Landtagsfraktion gewesen sein, dann ist das natürlich vollkommen inakzeptabel. Wir haben dazu klare Beschlüsse. Dazu gehört auch die Stimmabgabe für Anträge der AfD.“

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Wahl des Ministerpräsidenten im Dezember

    Likely · Within weeks

Open Questions

  • Wer hat konkret für den AfD-Landtagspräsidenten gestimmt?
  • Kommt es zu einer Spaltung der CDU-Landtagsfraktion?
  • Wie verhält sich die CDU bei der Ministerpräsidentenwahl im Dezember?

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This article was originally published by Die Welt.

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