Inflation in der Euro-Zone steigt unerwartet auf 3,8 Prozent
Die Verbraucherpreise im Euroraum ziehen im September stärker an als erwartet. Die EZB steht vor der Frage, ob sie die Zinsen bereits im Oktober anhebt.
Quick Look
- Die Inflation in der Euro-Zone stieg im September unerwartet auf 3,8 Prozent.
- Dies erhöht den Druck auf die EZB bezüglich einer möglichen Zinsanhebung Ende Oktober.
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Why It Matters
Die EZB strebt eine Preisstabilität von zwei Prozent an und hat im Juni und September die Leitzinsen erhöht.
Die Verbraucherpreise in der Euro-Zone steigen schneller als erwartet. Die EZB muss sich jetzt noch stärker damit beschäftigen, ob sie die Zinsen bereits Ende Oktober weiter anhebt.
Frankfurt. Die Inflationsdaten der einzelnen Euro-Länder hatten es bereits angedeutet, nun ist es offiziell: Die Verbraucherpreise für Waren und Dienstleistungen ziehen im Euroraum aktuell schneller als erwartet an. Im September ist die Inflationsrate auf 3,8 Prozent gestiegen, wie das EU-Amt Eurostat am Freitag meldete.
Der Sprung von 3,2 Prozent im August auf das jetzige Drei-Jahres-Hoch hat viele Analysten überrascht. Sie hatten laut Finanzdienst Bloomberg im Durchschnitt eine Teuerungsrate von 3,5 Prozent prognostiziert. Damit stellt sich für die EZB noch dringlicher die Frage, ob sie die Leitzinsen rasch weiter anheben muss.
Nach zwei Zinserhöhungen im Juni und September könnte die EZB ein höheres Tempo anschlagen, indem sie bereits Ende Oktober nachlegt und nicht bis Dezember wartet. Investoren deuten aktuelle Kommentare von EZB-Präsidentin Christine Lagarde und EZB-Direktorin Isabel Schnabel jedoch eher als Absage an schnellere Zinserhöhungen.
Schnabel sagte am Mittwochabend bei einer Rede in Luxemburg, die langfristigen Inflationserwartungen lägen nach wie vor recht stabil „in der Nähe unseres Zwei-Prozent-Ziels“. Solange dies so sei, könne die Geldpolitik mit Geduld vorgehen. Bei zwei Prozent sieht die Notenbank Preisstabilität.
„Die kommenden Monate werden ein klareres Bild davon vermitteln, in welchem Ausmaß sich der aktuelle Preisdruck nach und nach in der Kerninflation und den Inflationserwartungen niederschlägt“, sagte Schnabel. „Außerdem werden sie zeigen, wie die Wirtschaft auf die bereits erfolgten Zinserhöhungen reagiert.“
Unerwartet hohe Inflationsschätzungen in den EU-Industrienationen
Die Kerninflation klammert die stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise aus. Ökonomen und Notenbankern gibt sie bessere Hinweise auf Inflationstrends in der Breite der Wirtschaft.
Schnabels Äußerungen sind der bislang deutlichste Hinweis, dass die EZB sich Zeit bis Dezember lassen dürfte. Als die Zins-Hardlinerin ihre Rede hielt, kannte sie die unerwartet hohen Inflationsschätzungen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Dennoch schlug sie eher moderate Töne an, nachdem sie sich seit dem Frühjahr energisch für eine straffere Geldpolitik starkgemacht hatte.
Bereits am Montag hatte Lagarde die Erwartungen an eine Zinserhöhung in vier Wochen gedämpft. Bei einer Anhörung im EU-Parlament verwies die EZB-Chefin auf die steigenden Anleiherenditen. Die höheren Marktzinsen würden das Wachstum bremsen und die Auswirkungen hoher Energiepreise auf die Inflation begrenzen.
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What to Watch
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EZB lässt sich bis Dezember Zeit für eine mögliche Zinsentscheidung
Likely · Within months
Open Questions
- Wann wird die EZB die Zinsen tatsächlich das nächste Mal anheben?
- Wie stark schlägt sich der Preisdruck in der Kerninflation nieder?



