
Die Teuerungsrate in Deutschland und im Euroraum steigt stark an, angetrieben durch Energiepreise und den Iran-Krieg.
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Die Inflation im Euroraum und Deutschland ist durch steigende Energiepreise deutlich angestiegen.
Die Inflation ist wieder da - und das deutlich stärker, als es Unternehmen, Verbrauchern und auch der Europäischen Zentralbank lieb sein kann. In Deutschland lag die Teuerungsrate im August bei 2,9 Prozent. Im Euroraum stiegen die Verbraucherpreise sogar um 3,3 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 2023 - und liegt weit über den Zwei-Prozent-Ziel der EZB.
Das liegt vor allem am Anstieg der Energiepreise, der sich im August erneut beschleunigt hat. Hier meldete die Statistikbehörde Eurostat ein Plus von 14,3 Prozent im Jahresvergleich.
Aufwärtsbewegung am Öl- und Gasmarkt
Hintergrund ist der Iran-Krieg, der für einen Preisschock bei Öl und Gas gesorgt hat. Und ein Ende ist nicht in Sicht: So sind die Ölpreise zum Wochenauftakt kräftig gestiegen, nachdem es erstmals seit Ende Juli wieder zu gegenseitigen Raketenangriffen zwischen den USA und Iran gekommen war.
Der Preis für die Nordseesorte Brent kletterte daraufhin über die Marke von 90 Dollar je Barrel (159 Liter). Und auch am Gasmarkt geht die Aufwärtsbewegung weiter: Der europäische Gaspreis ist inzwischen auf mehr als 71 Euro je Megawattstunde (MWh) gestiegen - den höchsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs.
Lebensmittel und Dienstleistungen vor Preisschub
Noch wird die Inflationsrate vor allem von den Energiepreisen nach oben getrieben. Doch je länger Öl und Gas teuer bleiben, desto größer ist die Gefahr, dass Betriebe die gestiegenen Kosten weitergeben und die hohen Energiepreise auch auf andere Bereiche durchschlagen.
"Nach und nach werden sich zunehmend auch indirekte Preiseffekte zeigen, zum Beispiel bei Nahrungsmitteln und Dienstleistungen", betont Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.
"Albtraum einer jeden Zentralbank"
Für die EZB ist das eine besonders unangenehme Situation. "Ein ölpreisgetriebener Inflationsschub ist immer der Albtraum einer jeden Zentralbank", sagt Edgar Walk, Chefökonom bei Metzler Asset Management. "Egal, was sie jetzt macht - es ist wahrscheinlich falsch."
Tatsächlich kann eine Notenbank gegen steigende Verbraucherpreise infolge eines Ölpreisschocks mit höheren Zinsen nur wenig ausrichten, werden die Ölpreise derzeit doch vor allem von den Angebotsrisiken im Mittleren Osten getrieben. Zugleich läuft sie Gefahr, das Wachstum zusätzlich zu bremsen, sollte sie an der Zinsschraube drehen.
EZB vor nächster Zinserhöhung
Einfach zuzuschauen, ist für die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde dennoch keine Option. "Die EZB hat ein Preisstabilitäts-Mandat - und daran muss sie sich messen lassen", sagt Ökonomin Marten.
Die nächste EZB-Sitzung ist bereits kommende Woche. Unter Investoren gilt eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt auf dann 2,5 Prozent inzwischen als nahezu ausgemacht.
Bundrendite steigt auf 15-Jahreshoch
Schon im Vorfeld haben sich die Finanzierungsbedingungen am Kapitalmarkt spürbar verschärft. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren aktuell mit 3,35 Prozent und werfen damit so viel ab wie seit 15 Jahren nicht mehr.
Doch das Phänomen ist nicht auf Deutschland oder die Eurozone beschränkt. Weltweit steigen derzeit die Anleiherenditen. Für Stephan Kemper, Chefanlagestratege bei BNP Paribas Wealth Management, sind die massiven Aufschläge "ein deutliches Indiz dafür, dass Investoren für das hohe staatliche Ausgabenniveau und hartnäckige Inflationsrisiken dauerhaft höhere Risikoprämien einfordern".
Steigende Renditen verteuern Kredite
Und die steigenden Renditen wirken weit über den Anleihemarkt hinaus: Nach und nach verteuern sie auch Kredite für Unternehmen und Haushalte, darunter Baufinanzierungen.
Die EZB selbst beobachtet bereits, dass die höheren Kapitalmarktzinsen zunehmend in der Realwirtschaft ankommen. Im jüngsten Economic Bulletin stellt sie fest, dass sich die Finanzierungskosten für Unternehmen am Kapitalmarkt erhöht haben; zugleich berichteten Firmen in der aktuellen SAFE-Umfrage deutlich häufiger von steigenden Zinsen für Bankkredite und insgesamt strafferen Kreditbedingungen.
Anleihemarkt nimmt der EZB Arbeit ab
Unterm Strich werden Investitionen somit unattraktiver, auch der private Konsum wird gedämpft. Das bremst die gesamtwirtschaftliche Nachfrage - und kann so dazu beitragen, dass sich der Preisdruck abschwächt. Ökonomisch ist das wichtig, weil steigende Renditen damit ähnlich wirken wie eine Leitzinserhöhung der EZB.
Wie weit das der Notenbank tatsächlich hilft, erklärt DZ-Bank-Chefvolkswirtin Marten: "Man kann argumentieren, dass dieser Anstieg der Renditen eine restriktivere geldpolitische Lage simuliert - und insofern der EZB einen Teil ihres Jobs abnimmt." Das entbinde die EZB aber nicht von der Notwendigkeit, die Zinsen weiter anzuheben.
Inflation könnte noch weiter steigen
Das sieht auch Isabel Schnabel so. Die EZB-Direktorin drang in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg in der Vorwoche auf eine restriktivere Geldpolitik. Ihre Sorge: Wartet die Notenbank zu lange, könnte sich der Preisdruck weiter verfestigen.
Eine schnelle Entspannung zeichnet sich jedenfalls nicht ab. Dieses Jahr werde die Inflationsrate in Deutschland im Schnitt voraussichtlich bei 2,8 Prozent liegen und 2027 auf 3,0 Prozent steigen, prognostiziert etwa das ifo-Institut. DZ-Ökonomin Marten rechnet sogar damit, dass die Inflation 2026 noch einmal in Richtung 3,5 Prozent steigt, bevor sie dann ab Mitte 2027 wieder zu fallen beginnt.
Der Inflationsdruck dürfte also so schnell nicht verschwinden. Und damit auch nicht das Dilemma der EZB: Tut sie zu wenig, verliert sie die Kontrolle über die Inflationserwartungen. Tut sie zu viel, bremst sie die Konjunktur womöglich stärker als nötig.
AI outlook — possibilities, not facts
Zinserhöhung der EZB um einen Viertelprozentpunkt auf 2,5 Prozent
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