Investoren: Exklusiv: Die Stimmung der Wagniskapitalgeber steigt wieder
Das Geschäftsklima im Venture-Capital-Bereich verbessert sich laut KfW- und BVK-Barometer, doch Exits bleiben schwierig und Kapital konzentriert sich auf wenige Start-ups.
Quick Look
- Das Geschäftsklima für Wagniskapital in Deutschland verbessert sich im dritten Quartal deutlich, bleibt aber im negativen Bereich.
- Während große Finanzierungsrunden für starke Volumina sorgen, erschweren schwierige Exit-Möglichkeiten und Kapitalfokussierung den Markt.
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Why It Matters
Das Investorenbarometer von KfW und BVK misst quartalsweise das Geschäftsklima im deutschen Venture-Capital- und Private-Equity-Bereich.
Deutschland will mehr Investorengeld gewinnen, Finanzierungsrunden sorgen für Schlagzeilen. Das verbessert die Laune der Wagniskapitalgeber – Ausstiege aus Beteiligungen bleiben aber schwer.
Das Geschäftsklima im Venture-Capital-Bereich verbessert sich: Das Investorenbarometer der Förderbank KfW und des Bundesverbands Beteiligungskapital (BVK), das dem Handelsblatt vorab vorliegt, weist auf eine höhere Investitionsbereitschaft und große Finanzierungsrunden hin.
Die Exit-Möglichkeiten, also der Weiterverkauf von Beteiligungen, bleiben allerdings schwierig.
Finanzierungsrunden konzentrieren sich auf weniger Start-ups, wodurch das investierte Kapital auf weniger Unternehmen und Investoren fokussiert wird.
Frankfurt. Die Stimmung unter Wagniskapitalinvestoren verbessert sich deutlich. Nach einer Verschlechterung im zweiten Quartal deuten mehrere Indikatoren auf ein positives drittes Quartal hin.
Das zeigt das Investorenbarometer der Förderbank KfW und des Bundesverbands Beteiligungskapital (BVK), das dem Handelsblatt vorab vorliegt. Demnach gewinnt das Geschäftsklima im Venture-Capital-(VC-)Bereich, das oft stark schwankt, deutlich und liegt bei minus 16,6 Punkten. Damit befindet es sich zwar noch im negativen Bereich, ist aber um 19 Zähler im Vergleich zum Vorquartal gestiegen.
Bei Werten oberhalb der Nulllinie gilt das Geschäftsklima als positiv. Der Indikator basiert auf der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sowie auf den Erwartungen an das Geschäft in sechs Monaten.
BVK-Vorstandssprecherin Ulrike Hinrichs sagt: „Die Stimmung am deutschen Venture-Capital-Markt hellt sich wieder auf. Das ist ein positives Signal, aber noch keine Trendwende.“ Sie führt die Verbesserung auf eine erhöhte Investitionsbereitschaft zurück sowie auf große Finanzierungsrunden.
Gleichzeitig blieben die Exitmöglichkeiten schwierig. Exits bezeichnen Ausstiege aus bestehenden Beteiligungen in der Regel durch Verkauf oder Börsengang.
Das Exitklima liegt im dritten Quartal trotz leichter Verbesserungen mit minus 46,2 Punkten denn auch tief im negativen Bereich. Sowohl sogenannte Tradesales – der Weiterverkauf von Beteiligungen an einen strategischen Investor – als auch Secondaries – the Kauf oder Verkauf von Beteiligungen an Portfoliounternehmen oder ihre Fonds am Sekundärmarkt – verlieren.
KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher sagt: „Die VC-Investoren sind im Vergleich zum Vorquartal also besser gestimmt, sind mehrheitlich aber immer noch unzufriedener als im langfristigen Durchschnitt.“ Diese Gemütslage decke sich mit der tatsächlichen Marktentwicklung, erklärt er.
Das Fundraising, also die Möglichkeit, neue Fonds aufzulegen und auch darüber Investorengeld einzusammeln, bessert sich. Der entsprechende Indikator im Investorenbarometer legte um 20,7 Zähler auf minus 13 Punkte zu.
Kapital konzentriert sich auf wenige Firmen
Besonders bemerkenswert sind die Finanzierungsrunden von Start-ups. „Die Investitionsbereitschaft ist da, doch während einzelne große Finanzierungsrunden für Aufmerksamkeit sorgen, sinkt die Zahl der finanzierten Start-ups“, sagt BVK-Vorstandssprecherin Hinrichs.
Schumacher von der KfW bestätigt: „Die im dritten Quartal finanzierten Start-ups überzeugten. Es war insgesamt das volumenmäßig stärkste Quartal der letzten Jahre, auch wenn dafür einzelne Milliardendeals maßgeblich waren.“
Weil die Zahl der Finanzierungsrunden allerdings sinke, „konzentriert sich das investierte Kapital auf immer weniger Unternehmen und somit tendenziell auch auf weniger beteiligte Investoren“, erklärt Schumacher. „Diese Spreizung spiegelt sich im Stimmungsbild wider“, sagt er.
Zwar legte der Indikator zur Höhe des Dealflows, also des Transaktionsvolumens am Wagniskapitalmarkt, leicht um 3,3 Zähler auf 5,9 Punkte zu. Die Indikatoren zu Qualität und Innovativität des Dealflows haben aber deutlich verloren – um 10,1 Zähler auf minus 0,7 Punkte und um 14,2 Zähler auf minus 8,3 Punkte, wie das Barometer zeigt.
Die VC-Investoren wurden somit in den vergangenen beiden Quartalen deutlich unzufriedener mit der Qualität und Innovativität auch ihres Dealflows. Die Struktur der Gründungstätigkeit hat sich den Untersuchungen zufolge nämlich verändert: Der Anteil von Gründungen, bei deren Produkt oder Geschäftsmodell Künstliche Intelligenz (KI) eine Rolle spielt, ist stark gestiegen. Dies könne dazu führen, dass Geschäftsideen weniger unterscheidbar würden – und Investoren weniger überzeugt, erklären die Studienautoren.
Hinrichs vom BVK fordert: „Wenn wir wollen, dass aus innovativen Gründungen international erfolgreiche Unternehmen werden, müssen wir mehr privates und institutionelles Kapital für Venture Capital mobilisieren.“ Deutschland habe das Potenzial, ein führender Start-up-Standort zu sein, ergänzt sie.
„Jetzt müssen wir die Voraussetzungen schaffen, damit dieses Potenzial auch ausgeschöpft werden kann“, betont sie. Dazu gehören ihrer Aussage nach bessere Rahmenbedingungen für Wachstumsfinanzierungen, funktionierende Exit-Märkte und weniger Bürokratie.
Mittelstand ist auf privates Kapital angewiesen
Auch auf dem Private-Equity-Markt hat sich das Geschäftsklima im Sommerquartal verbessert. Der entsprechende Indikator für den Beteiligungsmarkt steigt um 17,4 Zähler auf minus 14,6 Punkte. Beteiligungsgesellschaften beurteilen die aktuelle Geschäftslage und insbesondere die Geschäftserwartungen deutlich positiver als im Vorquartal.
Beteiligungsgesellschaften blicken dennoch pessimistisch auf das Exitumfeld sowie die Fundraising-Bedingungen. Beide Indikatoren stiegen zwar, liegen aber weiterhin deutlich im negativen Bereich.
Hinrichs fordert indes mehr privates Kapital für deutsche Unternehmen. „Denn gerade der deutsche Mittelstand ist auf Beteiligungskapital angewiesen, um Wachstum, Innovation und Transformation voranzutreiben“, sagt sie.
Open Questions
- Wie entwickeln sich die Exit-Möglichkeiten in den kommenden Quartalen?
- Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Politik zur Verbesserung der Rahmenbedingungen?






