
Gewinn steigt um 45 Prozent, doch Markterwartungen werden leicht verfehlt – Unsicherheit über Kündigungen und Kundenabwanderung wächst
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Die Commerzbank ist Deutschlands zweitgrößte Privatbank. Unicredit ist 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und hält inzwischen knapp 30 Prozent. Ein im Sommer 2026 abgeschlossenes Übernahmeangebot könnte den Anteil auf knapp 50 Prozent erhöhen. Unicredit plant, die Commerzbank in zwei bis drei Jahren mit der deutschen Tochter Hypovereinsbank (HVB) zu verschmelzen.
Die Commerzbank hat ihren Gewinn kurz vor der Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit ausgebaut. Das Konzernergebnis stieg im dritten Quartal um 45 Prozent auf 859 Millionen Euro, wie Deutschlands zweitgrößte Privatbank am Donnerstag mitteilte.
Damit verfehlte das Frankfurter Geldhaus die Markterwartungen jedoch leicht. Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn von 864 Millionen Euro gerechnet. Die Erträge lagen mit 3,2 Milliarden ebenfalls leicht unter den Analystenschätzungen.
Die Eigenkapitalrendite (RoTE) legte auf 11,9 Prozent zu. Damit schnitt das Institut besser ab als der große Nachbar Deutsche Bank, der im dritten Quartal auf 10,6 Prozent kam. Die Eigenkapitalrendite ist die zentrale Kennzahl, um die Profitabilität von Geldhäusern zu messen.
Für das Gesamtjahr bekräftigte die Commerzbank ihr Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro und Erträgen von rund 13,2 Milliarden. Allerdings senke sie die Prognose für den Zinsüberschuss von 8,6 auf 8,5 Milliarden Euro. „Grund hierfür ist der verstärkte Wettbewerb um Einlagen“, erklärte das Institut.
In Deutschland werben Geldhäuser seit diesem Jahr so intensiv um Kundeneinlagen wie selten zuvor. Für Kunden ist dies positiv, weil sie dadurch höhere Zinsen erhalten. Für Banken dagegen steigen die Zinsaufwendungen oder sie müssen hinnehmen, dass Kunden Gelder zur Konkurrenz abziehen.
Vorstandschefin Bettina Orlopp äußerte sich insgesamt aber sehr zufrieden über das Abschneiden des Instituts. „Die starke Geschäftsentwicklung belegt, welches Potenzial in der Commerzbank steckt“, sagte sie. „Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit Unicredit Wert schaffen können, indem wir die Stärken beider Banken konsequent nutzen.“
Unicredit war 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und hält inzwischen knapp 30 Prozent. Sobald ein im Sommer 2026 abgeschlossenes Übernahmeangebot umgesetzt wird, steigt der Anteil auf knapp 50 Prozent. Dies könnte noch bis Jahresende passieren.
Unicredit-Chef Andrea Orcel will im Anschluss Finanzkreisen zufolge die Kapitalseite des Commerzbank-Aufsichtsrats austauschen und anschließend auch Vorstandschefin Orlopp. Er plant, das Institut grundlegend umzubauen, bevor er es dann in zwei bis drei Jahren mit der deutschen Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) zusammenlegen möchte.
Das Mailänder Geldhaus setzt dabei auf eine Strategie namens „unlocked“, die unter anderem den Abbau von 7000 Vollzeitstellen in Deutschland und ein drastisches Ausdünnen des Commerzbank-Auslandsnetzes vorsieht. Orlopp lehnt diese Pläne ab, weil sie aus ihrer Sicht Wert zerstören würden. Orcel hat bisher jedoch keinen Willen erkennen lassen, davon abzuweichen.
Die bevorstehende Übernahme durch Unicredit hinterlässt bei der Commerzbank inzwischen immer deutlichere Spuren. Viele Investoren haben sich abgewendet, weil sie überzeugt sind, dass sich die Aussichten für die verbliebenen Minderheitsaktionäre eingetrübt haben. Langjährige Aktionäre wie die Fondsgesellschaften Union Investment, Deka und DWS haben ihre Beteiligung deutlich reduziert.
Auch innerhalb der Bank hat sich die Stimmung verschlechtert, seitdem klar ist, dass Unicredit die Kontrolle übernehmen wird. Es habe bereits einige schmerzhafte Kündigungen gegeben, weitere könnten folgen, sagten mehrere Mitarbeiter dem Handelsblatt. Sie fürchten zudem, dass Firmenkunden weniger Geschäfte mit der Bank machen.
Darauf deutet auch eine Erhebung des „Finance Magazins“ hin. In einer Umfrage unter 334 Finanzentscheidern aus deutschen Unternehmen gaben 75 Prozent an, dass sie die bevorstehende Übernahme der Commerzbank durch Unicredit negativ bewerten. 64 Prozent überdenken ihren Bankenpool oder haben bereits eine oder mehrere zusätzliche Banken für Finanzierungen angefragt.
Hintergrund ist, dass Unternehmen, die Kunden von HVB und Commerzbank sind, nicht zu abhängig von einem Institut werden wollen. Deshalb reduzieren sie bereits vor der absehbaren Verschmelzung beider Institute ihr Engagement.
„Bei unserer jüngsten Finanzierung haben wir bewusst nur eines der beiden Häuser berücksichtigt“, sagte der Leiter Finanzen einer Firma bei der Erhebung. Ein anderer Befragter erklärte: „Aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit Unicredit werden wir unser Geschäft mit beiden Banken so reduzieren, dass 1 + 1 wieder nur 1 ergibt.“
Für Konkurrenten wie die Deutsche Bank, die DZ Bank und die Landesbanken ist die aktuelle Situation eine große Chance. Sie versuchen allesamt, Kunden und auch Mitarbeiter von der Commerzbank abzuwerben.
„In den letzten drei bis vier Monaten hat die Intensität der Kundengespräche angesichts der Situation bei unseren Nachbarn deutlich zugenommen“, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing vergangene Woche. „Die Menschen suchen eine deutsche Bank mit internationalem Netzwerk.“
Orcel hatte auf die angespannte Lage vergangene Woche mit einem persönlichen Statement reagiert. Darin bat er deutsche Unternehmen um ihr Vertrauen und versprach, die Unterstützung für Firmenkunden von HVB und Commerzbank auszubauen. „Ich persönlich stehe dafür ein, diese Zusagen einzulösen und sicherzustellen, dass unseren Worten konkrete Taten folgen“, sagte Orcel.
Mitarbeiter und Führungskräfte der Commerzbank halten es für unausweichlich, dass viele Firmenkunden wegen der Zusammenlegung mit der HVB ihr Geschäft mit dem fusionierten Institut reduzieren. Wie stark die Einbußen ausfallen, wird aus ihrer Sicht maßgeblich davon abhängen, ob die Übernahme durch Unicredit konstruktiv verlaufen wird – oder wie bisher konfrontativ.
Viele Beschäftigte hoffen, dass sich beide Managementteams noch auf einen geordneten Übergang verständigen und damit zumindest für ein gewisses Maß an Stabilität sorgen. „Ich glaube, dass da jetzt schnell was passieren muss, ansonsten werden viele Mitarbeiter mit den Füßen abstimmen“, sagt ein langjähriger Beschäftigter. „Dann wird es zum nächsten Kündigungstermin richtig knallen.“
AI outlook — possibilities, not facts
Unicredit wird das Übernahmeangebot im Sommer 2026 umsetzen und den Anteil auf knapp 50 Prozent erhöhen.
Very likely · Within months
Unicredit wird die Kapitalseite des Commerzbank-Aufsichtsrats austauschen und anschließend Vorstandschefin Bettina Orlopp ersetzen.
Likely · Within months
Die Commerzbank wird in zwei bis drei Jahren mit der Hypovereinsbank (HVB) verschmolzen.
Likely · Within years
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