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BackKanzler in Asien: Merz wirbt für Handelsabkommen mit dem gesamten Asean-Block
Kanzler in Asien: Merz wirbt für Handelsabkommen mit dem gesamten Asean-Block
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Handelsblatt1 hour agoWorld5 min readGermanyView translation

Kanzler in Asien: Merz wirbt für Handelsabkommen mit dem gesamten Asean-Block

Bundeskanzler Friedrich Merz wirbt in Singapur, Japan und Südkorea für eine engere Zusammenarbeit der Mittelmächte in einer sich wandelnden Weltordnung.

Quick Look

  • Bundeskanzler Friedrich Merz besucht Singapur, Japan und Südkorea, um strategische Partnerschaften zu vertiefen.
  • Er fordert eine stärkere Kooperation der Mittelmächte angesichts der geopolitischen Spannungen durch China, Russland und die USA.

AI-generated summary

Why It Matters

Friedrich Merz unternimmt seine bisher längste Auslandsreise als Kanzler, um strategische Partnerschaften in Asien zu vertiefen. Deutschland strebt eine resilientere Außenwirtschaftspolitik an, ohne sich von China oder den USA abzukoppeln.

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Singapur, Tokio, Bangkok. Im Ballsaal des Marriott Hotels in Singapur verstummt das Stimmengewirr, als Friedrich Merz den Raum betritt. Der Bundeskanzler hält an diesem Dienstag in der Finanzmetropole die 49. Singapore Lecture, eine Grundsatzrede, die den programmatischen Rahmen für seine große Asienreise abstecken soll.

„Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen geopolitischen Ära“, setzt Merz an. „Diese Ära wird geprägt sein von neuen Dynamiken zwischen den Großmächten: von atemberaubenden technologischen Revolutionen, die weit über Künstliche Intelligenz hinausreichen.“ Und, so führt Merz weiter aus, „dem Erodieren einer internationalen Ordnung“.

Diese Dynamiken stellten nicht nur Deutschland und Europa vor Herausforderungen, sagt der Kanzler, sondern alle „Mittelmächte“, auch in Asien. „Unsere Freiheit, unsere Souveränität, unsere Sicherheit und unser Wohlstand stehen auf dem Spiel.“

Russland, das mit dem Angriff auf die Ukraine Schockwellen nicht nur nach Europa, sondern bis in den Indopazifik gesendet hat, lässt Merz ebenfalls nicht aus. „Imperialistischer Revisionismus zahlt sich nicht aus“, das müsse die Botschaft sein, betont der Kanzler. China fordert er auf, die Lage um Taiwan und im Südchinesischen Meer nicht zu eskalieren.

Fast 30 Manager begleiten Merz

Damit setzt Merz den Ton für die kommenden Tage. Am Montag brach der Kanzler nach Singapur auf, den zentralen Wirtschaftsknotenpunkt Südostasiens und des Indopazifiks. Am Mittwoch geht es weiter nach Japan, Deutschlands zweitwichtigstem Handelspartner in Asien nach China, danach nach Südkorea, dem drittwichtigsten. Fünf Tage nimmt sich Merz für die drei Staaten, seine bislang längste Auslandsreise als Bundeskanzler.

Nirgendwo seien die tiefgreifenden geopolitischen und technologischen Veränderungen so sichtbar wie hier, sagt er. Man wolle die strategischen Partnerschaften ausbauen und in Sicherheits- und Verteidigungsfragen enger kooperieren. In allen drei Ländern sind Vereinbarungen mit Regierungsabkommen sowie Unternehmen geplant. Fast 30 Managerinnen und Manager begleiten Merz, darunter die Chefs von Airbus, Siemens, DHL, Lufthansa und der Deutschen Bank.

Merz betrachtet die drei Staaten als seine Schicksalsgenossen. Wie Deutschland seien sie herausgefordert: durch US-Präsident Donald Trumps Angriff auf den freien Welthandel, die Folgen seines Irankriegs, den Machtanspruch Chinas und die Bedrohung der internationalen Ordnung durch Russlands Angriffskrieg. Und sie verbinden dieselben Grundsätze, denen sich auch Deutschland immer noch verpflichtet fühlt: Regeln und multilaterale Institutionen sollen die Welt weiterhin ordnen, möglichst freier Handel soll die Wirtschaft beleben.

Damit begibt sich der Kanzler auf die Spuren des kanadischen Premierministers Mark Carney, der Anfang des Jahres in Davos von einem „Bruch“ der Weltordnung gesprochen hatte. Carneys Kernbotschaft damals: Die alte Ordnung kehrt nicht zurück, die Mittelmächte müssen gemeinsam handeln. „Wenn wir nicht am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte“, sagte der Premier in Davos.

In Singapur klingt das beim Kanzler nun so: „Wir werden besser in der Lage sein, ausgewogene Beziehungen zu China aufzubauen, wenn wir selbst geeint, stark, widerstandsfähig, innovativ und wettbewerbsfähig sind“, erklärt Merz.

Eigene Stärke zeigen, ohne mit den USA oder China zu brechen

Seither hat sich nicht nur der Ton verschärft. Gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drängte Merz auf schärfere EU-Instrumente gegen wirtschaftliche Erpressung und Billigimporte, was in Berlin manche als eine zweite Zeitenwende bewerteten.

Lange war die deutsche Chinapolitik darauf ausgerichtet, den chinesischen Markt für deutsche Exporteure zu erschließen. Dabei entstand eine enge wirtschaftliche Verflechtung, von der man sich auch politische Vorteile versprach. „Wandel durch Annäherung“, so lautete die dahinterstehende Doktrin.

Aus Sicht der Bundesregierung muss dieser Ansatz nun korrigiert werden. Denn China hat sich nicht wie erhofft demokratisiert, es ist autoritärer geworden – und fordert mit seinem staatskapitalistischen Modell die deutsche Industrie heraus.

Interessant ist, dass parallel zum Kanzler Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch Asien reist, der lange einer der führenden Vertreter der deutschen Verflechtungspolitik gegenüber Peking war. Doch auch Steinmeier hat seine politischen Überzeugungen den veränderten Realitäten angepasst, so zumindest sieht man es im Kanzleramt.

Man habe sich eng abgestimmt, heißt es aus Merz' Umfeld, die neuen „Nuancen“ der Chinapolitik dienten dabei als Grundlage: Berlin und seine Partner wollen ihre Abhängigkeiten verringern, eigene Stärke zeigen, ohne mit Washington oder Peking zu brechen.

„Wir müssen resilienter werden. Dabei suchen wir weiterhin den Dialog“, führt Merz aus. „Abschottung wäre ein Fehler. Sie würde uns weder sicherer noch wohlhabender machen“, mahnt er.

Auch die südostasiatischen Asean-Staaten, zu denen Singapur gehört, wollen sich im Machtkampf zwischen den USA und China nicht auf eine Seite schlagen und plädieren für eine regelbasierte internationale Ordnung. Singapurs Regierungschef Lawrence Wong warnte vor einem „Führungsvakuum“ in der Weltordnung, in dem Regelbrüche kaum noch Konsequenzen hätten: „All das macht die Welt gefährlicher“, sagte er.

Kleinere Länder wie Singapur seien dem Druck der Großmächte stärker ausgesetzt, mahnte Wong. Ein vertiefter Austausch mit Europa liege daher im beiderseitigen Interesse. Merz und Wong besprechen das am Dienstag auch bei einem bilateralen Treffen.

„Gemeinsam verfügen Europa und die Länder des Indopazifiks über erheblichen Einfluss in der Sicherheitspolitik, in der Wirtschaftskraft und bei der Gestaltung von Normen“, sagt der Kanzler auf der Bühne. „Zusammen stehen wir für ein Drittel des Welthandels.“

Merz will EU-Handelsabkommen mit dem gesamten Asean-Block

Seither hat sich in der Region einiges getan. Ein Freihandelsabkommen der EU mit Singapur ist seit 2019 in Kraft, eines mit Vietnam seit 2020. Im vergangenen Jahr einigte sich die EU mit Indonesien auf ein Handelsabkommen, das 2027 in Kraft treten könnte.

Mit den Philippinen gab es im September eine politische Einigung auf einen Freihandelsdeal. Verhandlungen mit Thailand und Malaysia stehen den Teilnehmern zufolge kurz vor dem Abschluss.

Der Kanzler will nun den „nächsten Schritt in der Handelspolitik“ gehen und spricht sich für ein EU-Handelsabkommen mit dem gesamten Asean-Block aus. Die bisherigen Abkommen sollten aufeinander abgestimmt werden.

„Dies ist ein bewusster Kontrapunkt zu dem, was wir zurzeit an Einschränkung des globalen Handels sehen“, sagt Merz, auch mit Blick auf die USA. Würden sich Europa, die Asean-Länder sowie Japan und Südkorea zusammentun, könnten sie den Vorsprung der USA und Chinas bei KI aufholen, betont Merz.

Japan plant ein multilaterales Handels- und Sicherheitssystem

Am Mittwoch fliegt der Kanzler weiter zum größten Gegengewicht zu China in der Region, mit dem die EU seit 2019 ein Freihandelsabkommen unterhält: Japan, Deutschlands zweitgrößter Handelspartner in Asien. 2025 betrug das bilaterale Handelsvolumen über 43,1 Milliarden Euro.

Flankiert wird die Reise vom militärischen Großmanöver „Keen Sword“, an dem sich die Bundeswehr mit 100 Soldatinnen und Soldaten beteiligt. Während Merz in Japan ankommt, üben Japans Streitkräfte und ihre Verbündeten mit etwa 50.000 Soldaten die Verteidigung der südjapanischen Inselkette gegen mögliche Angriffe aus China.

Das gibt einen Vorgeschmack auf die großen Gesprächsthemen mit Premierministerin Sanae Takaichi. Japan, Mitglied der G7 und enger Verbündeter der USA, rüstet stark auf. In Asien baut es mit seinem Militär sowie mit wirtschaftlichen und politischen Netzwerken ein Gegengewicht zu China auf.

Japan hat zudem die Abhängigkeit von Lieferungen aus China, etwa bei seltenen Erden für die Fertigung von Hightech-Produkten, deutlich reduziert. Den Anstoß gab ein regelrechter Stresstest. 2010 stellte China die Lieferungen seltener Erden nach Japan für zwei Monate ein, Tokio musste notgedrungen Alternativen aufbauen.

Unter dem Schlagwort eines freien und offenen Indopazifiks (FOIP) will Japan ein multilaterales Handels- und Sicherheitssystem errichten, das Chinas expansive Bestrebungen einhegt. Tokio will dabei als Mittelmacht Eigenständigkeit gewinnen, ohne den Bündnispartner in Washington aufzugeben.

Ende der Woche eröffnet der Kanzler dann die 19. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Seoul. Südkorea ist seit 2011 Freihandelspartner der EU. Am 1. Juni unterzeichneten beide Seiten ein Abkommen über digitalen Handel. Entsprechend groß ist die Offenheit gegenüber dem Gast aus Deutschland.

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Unterzeichnung von Kooperationsvereinbarungen in Japan und Südkorea.

    Likely · Within days

Open Questions

  • Wie konkret werden die geplanten Handelsabkommen mit dem Asean-Block ausgestaltet?
  • Wie reagieren China und die USA auf die verstärkte Kooperation der Mittelmächte?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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