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Kapitalanlage: Wie Versorgungswerke Gelder für die Altersvorsorge versenken
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Handelsblatt1 hour agoBusiness3 min readGermanyView translation

Kapitalanlage: Wie Versorgungswerke Gelder für die Altersvorsorge versenken

Das Versorgungswerk der hessischen Rechtsanwälte verzeichnet hohe Abschreibungen bei der Transamerica Pyramid in San Francisco, während branchenweit Kritik an Transparenz und Kompetenz laut wird.

Quick Look

  • Das Versorgungswerk der hessischen Rechtsanwälte muss 58 Millionen Euro bei der Transamerica Pyramid in San Francisco abschreiben.
  • Experten kritisieren mangelnde Transparenz und fehlende Expertise bei berufsständischen Versorgungswerken in Deutschland.

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Why It Matters

Berufsständische Versorgungswerke verwalten Rentengelder für Selbstständige und investieren diese in Kapitalmärkte. Aufgrund mangelnder Transparenzpflichten geraten sie bei Fehlinvestitionen zunehmend in die Kritik.

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Was haben Rechtsanwälte aus Hessen mit dem Büroturm Transamerica Pyramid in San Francisco zu tun? Leider sehr viel. Denn das Versorgungswerk der hessischen Rechtsanwälte hat sich finanziell an der Sanierung der Immobilie beteiligt. Dieses Investment war ein Fehlschlag, rund 58 Millionen Euro sind abzuschreiben. Ein Grund für den Flop waren die Folgen der Corona-Pandemie: steigende Baukosten, gestörte Lieferketten.

Das Versorgungswerk selbst relativiert den Anlageflop. Die Abschreibung des Immobilieninvestments betreffe weniger als ein Prozent des gesamten Anlagekapitals, heißt es in der Mitteilung. Die zugesagten Leistungen des Versorgungswerks für seine Mitglieder – sowohl Anwartschaften als auch laufende Renten – blieben unverändert bestehen.

Berufsständische Versorgungswerke sollen die Gelder ihrer Mitglieder sicher anlegen. Denn die von ihnen ausgezahlten Renten ersetzen für viele Selbstständige wie Ärzte, Anwälte, Architekten oder Notare die gesetzliche Rente. Derzeit haben die Versorgungswerke in Deutschland 1,2 Millionen Mitglieder und verwalten rund 300 Milliarden Euro Anlagekapital.

Bisweilen verheben sich die Versorgungswerke bei ihren Investments – bis hin zum Totalverlust. Für die knapp 26.000 hessischen Anwälte ging das US-Immobilienabenteuer noch glimpflich aus. Bei anderen Versorgungswerken reißen Fehlinvestments jedoch tiefe Löcher in die eigenen Finanzen.

Das Versorgungswerk der Berliner Zahnärzte beispielsweise musste mehr als eine Milliarde Euro abschreiben. Das ist immerhin gut die Hälfte des gesamten Kapitals. Ein Grund dafür waren fehlgeschlagene Investments in Luxushotels und eine Garnelenzucht. Den 11.000 Mitgliedern des Versorgungswerks drohen nun Rentenkürzungen von mehreren Hundert Euro pro Monat.

Der Berliner Fall ist spektakulär, aber bei weitem kein Unikum. Das Analysehaus Metzler Ratings hat eine große Zahl von Investmentflops der Versorgungswerke gesammelt und analysiert. Ein Großteil der Fehlschläge waren Immobilienprojekte, denen unter anderem die steigenden Zinsen zu schaffen machten.

Bestimmte umstrittene Anlagen tauchen in den Portfolios vieler Versorgungswerke auf. Dazu zählen unter anderem die Verius-Finanzierungsfonds für Immobilienprojekte. In diese Fonds haben laut Metzler rund 50 Versorgungswerke und Kirchenkreise investiert. Inzwischen ist der Fonds aufgelöst. Folge: Millionenverluste für die Investoren.

Geschäftsführer Marcus Metzler kritisiert die mangelnde Transparenz in der Kapitalanlage. Von 92 Versorgungswerken legten 76 ihren Geschäftsbericht nicht vollständig offen. Derzeit gibt es für sie keine gesetzliche Offenlegungspflicht. „Wer Pflichtbeiträge verwaltet, muss mindestens so transparent sein wie eine Pensionskasse“, sagt Metzler. Er fordert einen einheitlichen Kennzahlenkatalog für alle Versorgungswerke.

Andere Kritiker monieren, dass es besonders bei kleineren Versorgungswerken an Kapitalmarktexpertise fehlt. Oft sind bei ihnen die entscheidenden Gremien ausschließlich mit Mitgliedern besetzt, die keine Bank- und Börsenerfahrung haben. Umso erstaunlicher ist, dass viele Versorgungswerke in Kapitalanlagen investieren, die auch für Profis anspruchsvoll sind. Dazu gehören unter anderem Nachrangdarlehen, Private Equity, Hedgefonds oder stille Beteiligungen.

Hinzu kommt, dass es mitunter persönliche Verbindungen zwischen den Anbietern von Kapitalanlagen und dem Vorstand der Versorgungswerke gibt. Oft werden diese Seilschaften intern nicht hinterfragt. Das heißt, die Auswahl von Investments kann dann weder unabhängig noch renditeorientiert sein.

Auch beim Versorgungswerk der Berliner Zahnärzte gab es wohl Interessenskonflikte. So war der inzwischen gekündigte Direktor des Versorgungswerks auch in Gremien einiger Beteiligungsgesellschaften vertreten. Das Berliner Arbeitsgericht entschied, dass eine Kündigung wegen der Interessenskonflikte zulässig war. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Bei der öffentlich-rechtlichen Bayerischen Versorgungskammer (BVK) gab es Compliance-Verstöße bei Immobilieninvestments, die 2025 von der BVK bestätigt wurden. Externe Prüfer hatten eine zu große Nähe der Entscheider zu den Anbietern der Immobilienbeteiligungen festgestellt.

Der damalige Immobilieninvestmentchef der BVK musste danach gehen. Im März kippte das Münchner Arbeitsgericht die fristlose Kündigung aus formalen Gründen, weil eine bestimmte Frist nicht eingehalten wurde. Über die Compliance-Verstöße hatte das Gericht jedoch nicht entschieden.

Die BVK war wie das Versorgungswerk der hessischen Rechtsanwälte in dem Sanierungsprojekt Transamerica Pyramid investiert. Sie musste wegen dieses Investments Wertberichtigungen von bisher rund 160 Millionen Euro vornehmen. Wegen dieser und weiterer angeschlagener Immobilienanlagen hat die BVK übergangsweise einen externen Manager damit beauftragt, das Immobilienportfolio zu betreuen.

Derzeit ist die Immobilie Transamerica Pyramid im Besitz des Immobilienentwicklers SHVO. Im Dezember vergangenen Jahres gab das von Michael Shvo gegründete Unternehmen bekannt, dass 85 Prozent der Büroflächen in dem Gebäude vermietet seien. SHVO ist vor allem ein Spezialist für Luxusimmobilien.

Open Questions

  • Wann werden verbindliche Transparenzregeln für Versorgungswerke eingeführt?
  • Wie hoch sind die tatsächlichen Verluste bei anderen Versorgungswerken?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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