
Russland hat seine Taktik geändert: Statt massiver Wellen fliegen Drohnen nun einzeln und rund um die Uhr. Das Ziel ist die Zermürbung der ukrainischen Zivilbevölkerung und die Störung des wirtschaftlichen Alltags.
AI-generated summary
Russland hat die Taktik der Drohnenangriffe von massiven nächtlichen Wellen auf vereinzelte, permanente Angriffe mit strahlgetriebenen Drohnen umgestellt. Dies zielt darauf ab, die ukrainische Flugabwehr zu überlasten und den zivilen Alltag zu stören.
Russlands Drohnen folgen jetzt einem anderen Rhythmus. Nach Kiew kommen sie rund um die Uhr: morgens, mittags, abends, nachts. Nicht zu Hunderten, sondern einzeln. Zunächst fünf, eine Stunde später drei, dann noch mal zwei. Jedes Mal heulen Sirenen. Die Drohnen haben jetzt einen Strahlantrieb, gleiten schnell und zischend durch die Luft, fast wie ein Marschflugkörper.
Die Maschinengewehre der Flugabwehr hörte man in der ukrainischen Hauptstadt früher nur nachts, inzwischen gehört ihr Sound zum Alltag. Man sieht Pickups der Luftverteidigung auf den Brücken. Im Umland steigen sogar Kampfflugzeuge auf. Nach den Angriffen ist der Himmel über der Stadt mit dichtem Rauch verhangen. Manchmal löst er sich erst nach Stunden auf und gibt den Blick auf den Sommerhimmel frei.
Die neuen Drohnen haben etwas Grundlegendes verändert. Die permanenten Luftangriffe zermürben, bringen Abläufe und Routinen durcheinander. Sie schaden der Wirtschaft und bedrohen etwas, das die Ukrainer sich insbesondere in der Hauptstadt vier Jahre lang trotzig bewahrt haben: den normalen Alltag.
Ballistische Raketen hingegen feuert Russland in der Regel noch immer nachts ab. Meist mehrere kurz hintereinander. Sobald sie auf den Radaren bemerkt werden, landen die ersten Warnungen auf den Handys. Der Ukraine aber fehlt es an bestimmter Flugabwehrmunition. Deshalb schlagen gerade fast alle Raketen, die Russlands Armee in den Grenzgebieten abfeuert, auch ein. Allein in Kiew sind es manchmal zwanzig Stück in einer Nacht. Die Einschläge der Ballistik sind laut und krachend, die Vibrationen kilometerweit zu spüren. Russland fährt die eigene Produktion hoch, verwendet auch nordkoreanische Raketen.
Auf kombinierte Großangriffe mit Marschflugkörpern können Zivilisten sich noch am besten einstellen. Sobald Russlands Luftstreitkräfte ihre strategischen Bomber verlegen, trudeln die ersten Warnungen über die Handybildschirme. Wer besonders sicher sein will, geht in einen Luftschutzkeller oder in eine U-Bahn-Station. Die meisten Leute aber schlafen zu Hause, gehen vielleicht in einen Raum ohne Fenster, falls sie in einer gefährlichen Gegend wohnen. Es gilt viele Faktoren abzuwägen: Gibt es in der Nähe Kraftwerke oder Logistikzentren? Gibt es überhaupt einen Schutzraum, der erreichbar ist? Wie dringend braucht man erholsamen Schlaf im eigenen Bett?
Auf die Drohnen, die permanent anfliegen, kann man sich kaum vorbereiten. In diesen Tagen sieht man in Kiew immer wieder, wie Menschen sich tagsüber in Fußgängerunterführungen unterstellen, während andere stur vorbeistapfen. Mit Einkaufstüten in der Hand oder Kindern am Arm warten sie keinen Regenschauer ab, sondern ein Ende des Alarms. Davon gibt es täglich Dutzende, hinzu kommen präzise Warnungen der Luftstreitkräfte mit dem Drohnentyp und der ungefähren Richtung. Inzwischen sind es aber so viele Warnungen, dass kaum noch jemand dazu kommt, sie alle zu lesen.
Noch vor ein paar Monaten war das alles anders. Die Drohnen waren langsamer, hatten keinen Strahlantrieb, sondern Propeller. Das Motorengeräusch erinnerte an vorbeifahrende Roller, deshalb nannten die Leute sie Mopeds. Oder Shaheds, nach den iranischen Originalen, die Moskau schnell nachbaute und dann fortwährend weiterentwickelte. Noch zu Beginn des Sommers steuerte Russland manchmal Hunderte pro Nacht auf eine einzige Stadt, um die Flugabwehr zu überlasten. Im März waren es einmal fast 1000 Drohnen binnen 24 Stunden. Doch die ukrainische Luftverteidigung passte sich an. Auch mithilfe von günstigen Abfangdrohnen wurden zuletzt neun von zehn anfliegenden Propellerdrohnen abgefangen.
Die neuen Modelle fliegen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 300 Kilometern pro Stunde. Durch einen chinesischen Strahlantrieb sind sie schneller als die ukrainischen Abfangdrohnen. Ihre fünfzig Kilogramm schweren Sprengköpfe richten verheerende Schäden an. Früh morgens fährt man in manchen Vororten von Kiew durch dichte Rauchschwaden, am Straßenrand sieht man ausgebrannte Lagerhäuser und Sortierzentren.
Die über den Tag verteilten Drohnenangriffe sollen die Bevölkerung zermürben, den Alltag unmöglich machen. Bisher war es den Ukrainern gelungen, in den Städten ein normales Leben aufrechtzuerhalten. Selbst in Charkiw, nur rund 30 Kilometer von der Front entfernt, kann man in diesen Tagen Restaurants, Sporthallen und sogar einen Nachtclub besuchen. In den Parks sieht man Menschen Eis essen oder joggen. Die Bewahrung dieser Normalität ist für die Ukraine überlebenswichtig. Nur auf diese Weise bleibt die Wirtschaft am Laufen und wird ein noch größerer Exodus von Menschen verhindert.
Russland scheint es auf ein Verkehrschaos abgesehen zu haben. Kiew etwa wird durch den Fluss Dnipro getrennt, nur zwei Metro-Linien und wenige Fahrzeugbrücken verbinden beide Ufer. Da die U-Bahnen oberirdisch über den Fluss fahren, werden sie während des Luftalarms aus Sicherheitsgründen angehalten. Morgens und abends im Berufsverkehr wird der Alarm nun zu einem echten Problem. Hunderttausende Pendler wollen auf die andere Seite. Aus Sorge vor einer U-Bahn-Unterbrechung nehmen mehr Menschen als ohnehin schon ihr Auto. Das verstopft die chronisch überfüllten Straßen noch weiter. Leute sind mitunter stundenlang unterwegs zu ihren Arbeitsplätzen. Termine und Verabredungen werden verschoben.
Die Angriffe wirken sich auch auf den Alltag der Jüngsten aus. Am ersten September hat das neue Schuljahr begonnen. In den Schulen müssen bei Alarm eigentlich alle Kinder in einen Schutzraum. Jene Schulen, die über keinen eigenen verfügen, stellen nun auf Onlineunterricht um.
Auch die Orientierung in der Stadt ist schwieriger geworden. Ein Phänomen, das man flächendeckend eher aus frontnahen Orten wie Charkiw oder Kramatorsk kannte, ist nun auch in Kiew Alltag. Um russische Waffen in die Irre zu führen, werden GPS-Signale gestört. Navigationsapps zeigen einen falschen Standort an, oder der blaue Punkt bewegt sich nicht fort. Wer sich nicht auskennt, kann sich schnell verfahren.
Durch die Einstellung des Flugverkehrs fällt der Bahn eine besondere Rolle zu. Die Passagierzahlen schossen seit Kriegsbeginn in die Höhe. Wer aus dem Land reist, fährt heute entweder mit dem Auto oder nimmt einen Zug in die Nachbarländer Polen, Moldau oder Rumänien. Auch europäische Staats- und Regierungschefs reisen regelmäßig auf diese Weise ein. Das gigantische Streckennetz in der Ukraine ist zwar nicht mit westeuropäischen Ländern vergleichbar. Auch zwischen großen Städten verkehren nur wenige Züge täglich. Doch die Eisenbahn war während des Krieges stets ein Anker der Verlässlichkeit. Trotz aller logistischen Schwierigkeiten waren die Züge pünktlich.
Das ist vorerst vorbei. Russland greift immer öfter Bahnanlagen oder die Züge selbst an. Im August kamen mehrere Lokführer auf diese Weise ums Leben. Erst in der vergangenen Woche starben sechs Bahnmitarbeiter durch den Beschuss eines Zugdepots in Kiew. Während des Luftalarms können die Züge nicht abfahren. Stundenlange Verspätungen sind inzwischen die Regel, insbesondere bei Nachtzugverbindungen.
Wegen der Gefahr durch die neuen Drohnen werden die Züge auf offener Strecke evakuiert. Rund um Charkiw, Odessa und Dnipro passiert das täglich. Die Züge fahren dort oft schon mit Stunden Verspätung ab. Während der Fahrt bremst der Zug dann plötzlich ab. Es folgt eine Durchsage: Alle Passagiere müssen raus. Im besten Fall an einem Dorfbahnhof, oft auch auf offener Strecke. In völliger Dunkelheit springen die Passagiere dann hinab ins Gleisbett, stolpern über die Schienen zur nächsten Böschung. Schlaftrunkene finden sich im T-Shirt in der nächtlichen Kälte wieder. Eltern beruhigen ihre verwirrten Kinder. Es sind aber keine Momente der Panik. Die meisten Menschen reagieren routiniert.
Jede Angriffsnacht fordert Menschenleben. Im Juli starben fast 200 Zivilisten in Städten fernab der Front durch Drohnen und Raketen. Allein bei einem Angriff auf ein Munitionsdepot bei Kiew kamen am vorvergangenen Wochenende Dutzende Menschen ums Leben. In diesen Fällen wird ein lokaler Trauertag ausgerufen. Das macht sich etwa dadurch bemerkbar, dass keine Musik gespielt werden darf. In Nachtlokalen, die trotzdem geöffnet haben, ist die Atmosphäre gedämpft.
Bei einer Autofahrt durch das Land kann man einen Eindruck davon gewinnen, welchen immensen Preis die Soldaten an der Front Tag für Tag bezahlen. Die blau-gelben Flaggenmeere auf den Friedhöfen werden größer. Selbst in winzigen Ortschaften entdeckt man Soldatengräber. Kehrt ein Gefallener zurück, läuft die Trauerprozession einmal durch das Dorf. Der Autoverkehr wird angehalten. Passanten nehmen ihre Kappen ab, manche gehen auf die Knie.
Medien tragen hauptsächlich Bilder von Zerstörungen und Leid in die Welt. Doch aus der Nähe betrachtet scheinen Drohnen und Raketen in einer Millionenstadt unterzugehen. Kiew ist alles andere als eine Trümmerlandschaft, hat hier und da aber deutliche Kratzer. Manchen Stadtbezirken sieht man die vielen Treffer an. Ihre Straßenzüge erinnern an Städte nahe der Front, in denen Sperrholzplatten die gesprungenen Fenster ersetzen. Rund um die U-Bahn-Station Lukjaniwska etwa erblickt man zahllose fensterlose Gebäude neben einem ausgebrannten Einkaufszentrum. Doch der Alltag bahnt sich selbst hier seinen Weg. Der Markt findet weiterhin statt. Vor dem verkohlten Gerippe breiten Rentner Beeren, Blumen und Flohmarktplunder aus. In dem ausgebrannten Einkaufszentrum sieht man Obdachlose nach Verwertbarem suchen.
Russlands Angriffe richten sich jetzt auch verstärkt gegen die ukrainische Wirtschaft. Betroffen sind Lagerhäuser und Sortierzentren von Supermarktketten und Versandhändlern. Laut dem Landwirtschaftsminister wurden rund neunzig Prozent der modernen Lebensmittellager im Land zerstört. Leere Regale aber sieht man bislang eher in sozialen Medien als in der Realität. Die Supermärkte haben es offenbar schnell geschafft, auf direkte Lieferungen ohne Zwischenlagerung umzustellen. Der wirtschaftliche Schaden ist immens.
Der Luftkrieg bleibt ein permanentes Wettrennen. Eine Seite entwickelt neue Waffen und verändert ihre Angriffsstruktur. Dann dauert es, bis die andere Seite sich anpasst. Regeln werden geändert, Gegenmittel gefunden – und oft auch die Waffen kopiert. In Kiew wird bereits an Lösungen gearbeitet. Der Luftalarm soll künftig in zwei Stufen unterteilt werden: Gelb und Rot. Manche Notfallmaßnahmen sollen künftig nur noch während der höheren Alarmstufe gelten. Eine U-Bahn-Linie fährt bald trotz der Sirenen über den Fluss. Die Warnungen sollen noch präziser werden. Es ist der Versuch der Politik, sich die Normalität zurückzuerobern. Stück für Stück.
AI outlook — possibilities, not facts
Einführung eines zweistufigen Luftalarmsystems (Gelb/Rot) in Kiew.
Likely · Within weeks
Five people were killed in an accident involving an Amazon cargo plane at Miami Airport. The jet collided with a cleaning company van while landing. In total there were five dead and five injured.
The number of victims of cluster bombs more than tripled in 2025. According to the Cluster Bomb Coalition, 1,063 people were killed or injured, with 87 percent being civilians. Ukraine is particularly affected by the Russian war of aggression.
A technical malfunction at British air traffic control Nats has led to massive outages at numerous airports. Around 300 flights were canceled until the evening, and connections from German airports and Zurich to London were also affected.
After a three-day ceasefire, Russia attacked Kyiv again with missiles and drones. At least two people died and seven were injured. Meanwhile, Defense Minister Pistorius announced further German air defense assistance.

US negotiators mediate between Kiev and Moscow while Russia attacks Kiev with missiles. Germany and Great Britain promise Ukraine further air defense assistance. Hungary expels Russian diplomats and Russia closes German missions.

Britain bans imports from Israeli settlements, sparking sharp criticism in Israel. Meanwhile, tensions are heating up in the Strait of Hormuz, Lebanon and the West Bank. Goldman Sachs raises oil price forecasts due to risks.