
Der US-Vermögensverwalter KKR blickt trotz wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen optimistisch auf den Standort Deutschland und sucht vor allem im familiengeführten Mittelstand nach Partnern.
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KKR ist seit 1999 in Deutschland aktiv und hat mehr als 20 Milliarden Euro Eigenkapital investiert.
Der Co-CEO des US-Vermögensverwalters kündigt mehr Investitionen in Deutschland an und nennt eine konkrete Branche, in der KKR intensiv nach Partnern sucht.
KKR hat seit 1999 mehr als 20 Milliarden Euro Eigenkapital in Deutschland investiert und plant, bei passenden Chancen weiteres Kapital einzusetzen, auch aufgrund der industriellen Basis und des starken Mittelstands.
Der Co-CEO Scott Nuttall betont, dass KKR in allen Branchen sucht, besonders im familiengeführten Mittelstand, wo oft ein Nachfolgeplan fehlt, und setzt bei Beteiligungen häufig auf Minderheitsbeteiligungen mit partnerschaftlicher Zusammenarbeit.
Die Private-Equity-Branche erlebt ihm zufolge derzeit Gegenwind durch Risiken wie Software-Bewertungen, private Kreditfonds und gestiegene Zinsen, schlägt sich in einer K-förmigen Entwicklung nieder.
KKR betrachtet Investitionen mit langfristigem Zeithorizont, berücksichtigt die Altersvorsorge von öffentlichen Angestellten und sieht in Versicherungsbeteiligungen strategisches Potenzial, sucht jedoch noch nach geeigneten Versicherungspartnern in Europa.
Herr Nuttall, die Bundesregierung wirbt erstmals mit einem Investitionsgipfel um Kapital von Investoren wie KKR. Überzeugt Sie eine solche Konferenz, mehr in Deutschland zu investieren?
KKR ist seit 1999 in Deutschland aktiv. Wir haben mehr als 20 Milliarden Euro an Eigenkapital in Deutschland angelegt, davon einen erheblichen Teil in den vergangenen sechs Jahren. Wir investieren heute mehr denn je. Die Gespräche mit der Bundesregierung und ihr Reformkurs stimmen uns zuversichtlich. Unser Interesse an Deutschland ist nicht neu – und es ist langfristig.
Wenn sich nichts ändert, was ist dann der Sinn dieser Konferenz?
Das müssen Sie eigentlich die Bundesregierung fragen. Aber der Gipfel ist ein wichtiges Signal: Die Regierung will enger mit privaten Investoren zusammenarbeiten und zusätzliche Investitionen ermöglichen. Und Kapital fließt dorthin, wo es willkommen ist.
Was wäre nötig, damit KKR noch mehr Geld für Investitionen hierzulande in die Hand nimmt?
Ein Fokus auf die angekündigten Reformen und deren Umsetzung würde sicher helfen. Allerdings neigt Deutschland manchmal dazu, sich auf das zu konzentrieren, was nicht funktioniert, anstatt auf die positiven Aspekte. Es gibt eine starke industrielle Basis, kompetente Ingenieure und einen starken Mittelstand. Zudem ist die Staatsverschuldung im internationalen Vergleich relativ niedrig, und der Spielraum für Investitionen ist entsprechend groß. Wenn die angekündigten Reformen umgesetzt werden, wird Deutschland für Investoren noch attraktiver.
Sie haben sicherlich die Erfolge der AfD bei den Landtagswahlen und die endlosen Streitereien der Regierungskoalition zumindest am Rande verfolgt. Wie zuversichtlich sind Sie, dass die großen Reformvorhaben von der Rente über Steuern und Infrastrukturinvestitionen überhaupt kommen?
Wir fokussieren uns auf das, was wir kontrollieren können. Wenn wir investieren, denken wir in Zeiträumen von zehn bis 20 Jahren. Die politischen Zyklen sind also kürzer als unsere Haltedauer. Wir sind daher nicht von einzelnen Reformen abhängig, um Anlagechancen zu finden. Aber wissen Sie, woran mich die Diskussion erinnert?
Woran?
Deutschland wirkt wie ein guter Freund, der unglaublich viele Stärken hat, sich aber manchmal zu sehr mit dem beschäftigt, was in der Vergangenheit nicht funktioniert hat. Einem solchen Freund würde man sagen: ‚Die Vergangenheit kannst du nicht ändern, aber die Zukunft können wir gestalten.‘ So, wie ich es sehe, ist der Investitionsgipfel ein Signal, dass Deutschland den Blick nach vorn richten möchte. Deutschland hat enormes Potenzial, und wir bleiben gute Freunde.
Um im Bild zu bleiben: Ihr Freund, tehát Deutschland, hat bereits vor zwei Jahren angekündigt, sich ändern zu wollen. Seither ist wenig passiert, was Reformen angeht. Wie viel Geduld haben Sie noch mit diesem Freund?
Es stimmt, wir sind sehr geduldige Investoren. Aber es ist ja nicht so, dass Reformen erst Investitionen ermöglichen. Schon heute gibt es viele Chancen im Mittelstand, bei Infrastrukturprojekten und Wachstumsfirmen. Die Regierung könnte durch die richtige Politik die Zahl attraktiver Investitionsmöglichkeiten noch deutlich erhöhen.
Können Sie sagen, wie viel KKR in den kommenden Jahren in Deutschland investieren will?
Das ist nicht möglich. Wir haben heute 140 Milliarden Dollar sogenanntes Dry Powder, also eingeworbenes, aber bisher nicht investiertes Kapital. Gleichzeitig haben wir in diesem Jahr deutlich mehr als 100 Milliarden Dollar an Zusagen eingesammelt. Wenn das Chancen-Risiko-Verhältnis stimmt, sehen wir erhebliches Potenzial, noch mehr in Deutschland zu investieren.
Dass das Wirtschaftswachstum seit Jahren stagniert, schreckt Sie nicht ab?
Die Wirtschaft hat sich angesichts hoher Zölle und hoher Energiepreise sicherlich nicht so entwickelt wie erhofft. Aber zuletzt zeigte die Tendenz wieder stärker nach oben. Und wir kaufen ja keinen Index der gesamten Wirtschaft. Wir investieren gezielt in Unternehmen, die Wachstum versprechen und gleichzeitig Kapital benötigen, um beispielsweise im Ausland zu expandieren.
In welchen Branchen suchen Sie besonders intensiv nach Investitionsmöglichkeiten?
Grundsätzlich kommen alle Sektoren infrage. Der Mittelstand ist sehr wichtig in Deutschland. Und eine überwiegende Mehrheit dieser Mittelständler ist familiengeführt. In vielen Fällen fehlt ein Plan für die Unternehmensnachfolge.
Wie kann KKR da helfen?
Menschen machen häufig Geschäfte mit Menschen, die sie mögen und denen sie vertrauen. Wir bauen also eine Beziehung zu den Gründern oder der Familie hinter den Unternehmen auf, an denen wir uns beteiligen wollen. Die Möglichkeit, an der Seite eines Familienunternehmers investieren zu können, muss man sich hart erarbeiten.
Hat sich der deutsche Mittelstand gegenüber Private Equity geöffnet?
Unternehmen und Unternehmerfamilien sind zunehmend offener für eine Zusammenarbeit mit Finanzinvestoren. Wenn ich das mit dem Ende der 90er Jahre vergleiche, ist die Dynamik eine ganz andere. Inzwischen haben wir viele positive Fallstudien, auf die wir verweisen können. Das hilft sehr.
Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten gibt sich KKR bei mittelständischen Familienunternehmen oft mit Minderheitsbeteiligungen zufrieden. Wie stellen Sie ohne Kontrolle sicher, dass die Portfolio-Unternehmen die gemeinsame Strategie umsetzen?
Wenn man die richtige Partnerschaft eingegangen ist und sich vertraut, sollte es keinen Unterschied machen, ob man sich als Minderheits- oder Mehrheitsinvestor engagiert. Bei unseren Transaktionen verwenden wir die meiste Zeit darauf, zu klären, was das Zielunternehmen erreichen will und was wir mitbringen, das die Familie nicht bereits hat.
Haben Sie Beispiele dafür?
Das können Wissen oder Zugang zu neuen Märkten im Ausland sein. Dieses Partnerschaftsmodell funktioniert sehr gut in Deutschland. Deshalb haben wir 80 Prozent unserer Private-Equity-Investitionen hierzulande als Partnerschaften umgesetzt.
In der Energiebranche ist kürzlich eine geplante Partnerschaft von KKR mit RWE bekannt geworden, in der sie gemeinsam für den Versorger Uniper bieten. Wie ist da der Stand?
Das kann ich nicht kommentieren.
Warum verfängt der Optimismus, den Sie verbreiten, nicht bei Ihren Investoren? Die Aktie von KKR notiert mit rund 87 Dollar seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent im Minus nahe dem Jahrestief.
In diesem Jahr gab es für die Private-Equity-Branche Gegenwind. Eine Reihe von Faktoren haben die Stimmung belastet: die Sorge um Software-Bewertungen, um Ausfälle in privaten Kreditfonds, ausbleibende Exits und die Auswirkungen gestiegener Zinsen auf die Bewertung von Portfolio-Unternehmen, um nur einige zu nennen. Der Markt versucht noch herauszufinden, wohin die Entwicklung geht.
Welche dieser Risiken treibt die Anleger denn zurecht um – und welche sind übertrieben?
Darauf gibt es keine simple Antwort. Fakt ist, die privaten Kapitalmärkte haben von 2010 bis 2020 ein gewaltiges Wachstum erlebt. Die verwalteten Vermögen haben sich von drei Billionen Dollar auf 15 Billionen Dollar verfünffacht. Die Zinsen waren tief, die Bewertungen sind immer weiter gestiegen. Aber diese Zeiten waren nicht normal. Wir haben immer gewarnt, diesen Bullenmarkt nicht mit Können zu verwechseln. Seit 2020 folgten auf die Pandemie ein Krieg, Zölle und ein weiterer Krieg. Jetzt setzt eine Zweiteilung am Markt ein.
Können Sie das näher erläutern?
Ich beobachte eine K-förmige Entwicklung in der Private-Equity-Branche. Nehmen Sie schuldenfinanzierte Übernahmen (Buyouts): Hier liegt der Renditeunterschied zwischen den besten 25 Prozent der Fonds und den schlechtesten 25 Prozent der Fonds bei 15 Prozentpunkten oder mehr. Und ich denke, dass diese Differenz in den kommenden fünf Jahren noch steigen wird.
Mit welchen Folgen?
Jetzt kristallisiert sich heraus, wer in der Lage ist, zyklusübergreifend zu investieren. 60 Prozent der Private-Equity-Häuser wurden nach der Finanzkrise gegründet. Und nur 17 Prozent haben – wie wir – die Dotcom-Blase und die Finanzkrise überstanden. Nur wer bei den richtigen Private-Equity-Managern investiert, wird für die Risiken und die geringe Liquidität angemessen entschädigt.
Was passiert mit den Private-Equity-Häusern, die das nicht schaffen?
Sie werden für eine gewisse Zeit Schwierigkeiten haben, Kapital einzusammeln. Sie werden vielleicht einen kleineren Fonds auflegen und daran arbeiten müssen, das Vertrauen ihrer Investoren zurückzugewinnen. Und ja, einige werden den Markt verlassen müssen.
Welche Lehren hat KKR aus vergangenen Krisen gezogen?
Die Branche ist im Kern zyklisch. Sie neigt dazu, in Zeiten, in denen die Sonne scheint, zu viel Kapital zu investieren. In schlechten Zeiten investiert sie zu wenig. Wir versuchen nicht, den Markt zu timen, sondern investieren gleichmäßig über einen Fünf-Jahres-Zeitraum jeweils 20 Prozent des eingesammelten Kapitals. Das hilft, Höhen und Tiefen auszugleichen.
Neben den Risikofaktoren, die Sie genannt haben, sorgte zuletzt auch die hohe Verschuldung zur Finanzierung neuer KI-Rechenzentren für Nervosität. KKR ist mit dem Portfolio-Unternehmen Helix Digital ebenfalls in dem Markt engagiert. Teilen Sie die Sorgen?
Wir sehen immense Chancen bei Investitionen in Rechenzentren. Es ist aber unerlässlich, sehr genau darauf zu achten, mit wem man zusammenarbeitet. Ein Rechenzentrum zu bauen und die Rechenleistung zu vermieten bedeutet, einen Partner für 15 oder 20 Jahre zu finden. Man muss diese Partner also sehr sorgfältig auswählen.
Wie geht KKR dabei vor?
Wir setzen daher auf große Hyperscaler, mit mehreren Quellen für freien Cashflow und unterschiedlichen Möglichkeiten, langfristig erfolgreich zu sein. Unser Ziel ist es, das eingesetzte Kapital unabhängig von der technologischen Entwicklung zu erhalten. Aber es gibt keinen Zweifel: Wenn Billionen Dollar in diesem Tempo ausgegeben werden, wird es sicherlich Überraschungen geben.
Wie stellen Sie sicher, dass es bei Ihnen im Portfolio keine bösen Überraschungen gibt?
Wir machen uns stets bewusst, für wen wir investieren. Wir legen die Altersvorsorge von Lehrern an, von Feuerwehrleuten, Polizistinnen und Polizisten, von kommunalen Angestellten. Wenn ich mit diesen Leuten spreche, will ich immer mit Stolz darauf blicken können, was wir für ihre Altersvorsorge geleistet haben.
Neben der Vermögensverwaltung für Pensionskassen und Staatsfonds wird die Anlage von Versicherungsgeldern immer wichtiger für die Branche. Warum sind Beteiligungen an Versicherern für Sie so interessant?
Lebensversicherungen und Rentenversicherungsprodukte ähneln einer Altersvorsorge: Im Kern zahlt ein Versicherter regelmäßige Prämien, um im Alter eine Absicherung zu haben. Die Gelder, die Lebensversicherer anlegen müssen, können sich ebenfalls für Privatmarktanlagen eignen und mit Verbindlichkeiten mit festen, langen Laufzeiten abgestimmt werden.
Wie geht KKR vor, wenn sich der Investor an einer Versicherung beteiligt?
Wir übernehmen das gesamte Asset Management, wobei ein Teil der Anlagen an spezialisierte Manager ausgelagert werden kann. Ein Großteil der Anlagen ist in Anleihen mit guter Bonität investiert. Darüber hinaus können je nach Anlagebedarf und regulatorischen Anforderungen auch Private-Credit- und Infrastrukturinvestments eine Rolle spielen.
Während Konkurrenten wie Apollo auch in Deutschland mit ihrem Versicherungsarm viele Deals abschließen, wird KKR als weniger aktiv wahrgenommen. Wollen Sie das ändern?
Wir suchen hier intensiv nach Investitionsmöglichkeiten. Deshalb haben wir zum Beispiel die Joint-Venture-Transaktion mit Bayer durchgeführt.
AI outlook — possibilities, not facts
KKR wird weitere Beteiligungen im deutschen Mittelstand eingehen.
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