Kölner Dom führt zwölf Euro Eintritt ein – Atheistenbund kritisiert Gebühr
Quick Look
- Der Kölner Dom erhebt ab Mittwoch erstmals zwölf Euro Eintritt zur Finanzierung des Unterhalts.
- Der Atheistenbund kritisiert die Gebühr, da Steuerzahler bereits zahlen, und schlägt vor, den kostenlosen Gebetsbereich zu nutzen.
- Das Domkapitel verteidigt das Konzept, räumt aber die Gefahr der Ausnutzung ein, da Touristen 99% der Besucher ausmachen.
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Ab Mittwoch kostet der Eintritt in den Kölner Dom erstmals zwölf Euro. Damit soll der jährlich 16 Millionen Euro teure Unterhalt der Unesco-Weltkulturerbestätte finanziert werden. Für Rainer Ponitka, den Vorsitzenden des Atheistenbundes, ergibt diese Zahlung wenig Sinn. Er kritisiert, dass der Steuerzahler bereits jetzt für den Erhalt des denkmalgeschützten Bauwerks zahlt. „Was soll da noch eine Gebühr?“
Er sehe kein Problem darin, beim Eintritt in die Kirche zu schummeln, wie er der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte. Denn ein Teil des Doms ist für Betende und Gottesdienst-Teilnehmer reserviert. Über den Nordeingang kommt man gratis rein, wenn man beten möchte. Damit erhält man jedoch nicht den vollen Zugang zu den Innenbereichen. Zahlende Gäste können über den Westeingang den gesamten Kirchenraum besichtigen.
Auf die Frage, ob er den Satz „Ich möchte beten“ als Atheist sagen würde, antwortete er: „Warum denn nicht? Wenn ich da rein will, aber die zwölf Euro nicht habe oder nicht zahlen möchte, wieso sollte ich den Satz nicht sagen? (...) Die ganze Kirchengeschichte ist doch voller Sünden.“
Eine „Gesinnungsprüfung“ soll es beim Eingang nicht geben, betont Markus Frädrich vom zuständigen Domkapitel. „Der kostenfrei zugängliche Gebetsbereich ist ein wichtiger Bestandteil des neuen Besuchskonzeptes. Der Kölner Dom bleibt auch künftig ein Gotteshaus, das Menschen für ihr Gebet und zur persönlichen Einkehr offensteht“, sagt er.
Die Frage bleibt, ob nicht ausgenutzt werde, dass es keine Prüfung gibt. „Ja, die Gefahr besteht“, sagt Dompropst Guido Assmann. Ihm zufolge machen Touristen etwa 99 Prozent der Dom-Besucher aus.
An einigen Tagen wird keine Eintrittsgebühr verlangt: vom 6. Januar (Fest der Heiligen Drei Könige) bis zum darauffolgenden Sonntag. Zudem auch am 1. Mai (Tag der Arbeit), am 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) sowie zur Dreikönigswallfahrt Ende September. Ausgenommen von den neuen Ticketpreisen sind außerdem Kinder bis 13 Jahre und Menschen mit Schwerbehinderung. Ermäßigungen (halber Preis) gelten für Schüler und deren Begleitpersonen, Studenten, Auszubildende sowie Menschen mit Sozialpässen in Nordrhein-Westfalen.
Die Einführung hatte eine heftige Debatte ausgelöst. Befürworter verweisen darauf, dass andere Kathedralen wie die Sagrada Família in Barcelona (26 Euro) oder die Londoner St. Paul’s-Kathedrale (31 Euro) ebenfalls Eintritt kosten. Auch in Deutschland zahlt man für eine Besichtigung des Berliner Doms 15 Euro. Es gibt allerdings auch prominente Gegenbeispiele. Der Besuch von Notre-Dame in Paris ist kostenlos, obwohl die Kathedrale nach dem verheerenden Feuer von 2019 für Hunderte Millionen Euro restauriert werden musste. Ebenso ist der Besuch des Petersdoms in Rom kostenlos.
Bislang war der große Innenraum des Doms stets kostenlos zugänglich, Eintritt wurde aber bereits für die Schatzkammer oder auch den Aufstieg zur Aussichtsplattform verlangt (acht Euro). Das Domkapitel teilte vor einigen Monaten aber mit, dass seit 2019 sechs Jahre in Folge Minus gemacht worden sei. Über viele Jahre habe man das noch mit Rücklagen auffangen können, aber: „Wir sind in die Situation gekommen, dass die Reserven des Kölner Doms auf absehbare Zeit aufgebraucht sind“, erklärte Domrendant Clemens van de Ven.


