Kriegsgeschehen und politische Entwicklungen: Angriffe, Drohnen und Festnahmen in Russland und der Ukraine
Russische Sicherheitskräfte nehmen Dutzende Anti-Kriegs-Aktivisten fest, während Kämpfe, Luftangriffe und Drohnenvorfälle in der Ukraine, Russland und Rumänien anhalten.
Quick Look
- Russische Sicherheitskräfte nahmen in Moskau Dutzende Jabloko-Unterstützer fest.
- Gleichzeitig melden Russland und die Ukraine gegenseitige Luftangriffe mit Drohnen und Raketen, während eine Drohne über Rumänien abgefangen wurde.
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Why It Matters
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert an und führt zu gegenseitigen Angriffen auf Infrastruktur und militärische Ziele.
Russische Sicherheitskräfte haben in Moskau Dutzende Unterstützer der Anti-Kriegspartei Jabloko in Gewahrsam genommen. Vor dem Obersten Gerichtshof wird über den Ausschluss der liberalen Oppositionspartei von der Parlamentswahl verhandelt. Dort seien nicht weniger als 35 Menschen abgeführt worden, teilte Jabloko-Chef Nikolai Rybakow mit. Die Partei veröffentlichte auch Videos von Festnahmen. Rybakow forderte vor Gericht die Freilassung der Menschen und ein Ende der Einschüchterungsversuche durch die Polizei.
Das Oberste Gericht Russlands verhandelte erneut über den Ausschluss von Jabloko von der Parlamentswahl vom 18. bis 20. September. Die Partei hatte Berufung eingelegt gegen den vor einer Woche vom Gericht beschlossenen Entzug der Zulassung zur Duma-Wahl. Die Aussichten, dass Jabloko doch noch zugelassen wird, gelten als düster.
Russland setzt seinen Vormarsch in der Ukraine nach eigenen Angaben weiter fort und meldet die Einnahme von zwei Ortschaften. Es handele sich um Nowosoloschyne in der südöstlichen Region Saporischschja und um Andrijiwska Hromada in der Region Donezk, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit.
In Moskau hat der prominente Ökonom Andrej Klepatsch Russland in seinem Abnutzungskrieg gegen die Ukraine eine Niederlage vorhergesagt und nun seinen Job verloren. Das Staatsunternehmen VEB.RF, Russlands führende Institution für wirtschaftliche Entwicklung, habe seinen Chefökonomen entlassen, berichteten mehrere russische Medien am Sonntagabend. Klepatsch war zuvor mit Äußerungen zitiert worden, nach denen es für Russland unmöglich sei, den Abnutzungskrieg gegen die Ukraine zu gewinnen. Er zeigte sich auch überzeugt, dass Russland auf eine Krise zusteuere.
Die Zeitung „The Moscow Times“ hatte über einen Vortrag von Klepatsch in einem Club der Moskauer Börse berichtet, in dem der Ökonom bereits im Mai der Ukraine ein wirtschaftliches Überleben bescheinigt hatte. „Wir geben uns der Illusion hin, dass dort [in der Ukraine] alles zusammenbrechen wird. Es ist nicht zusammengebrochen und wird auch nicht zusammenbrechen“, zitierte die Zeitung Klepatsch. Russlands Kosten hingegen stiegen, das Land werde „sowohl im technologischen als auch im wirtschaftlichen Wettbewerb weltweit“ den Kürzeren ziehen.
Die Aussagen sind deshalb brisant, weil der Machtapparat und die Staatskonzerne stets behaupteten, dass die Lage trotz aller Probleme unter Kontrolle sei. Kremlchef Wladimir Putin, der die Invasion in die Ukraine im Februar 2022 befohlen hatte, betont immer wieder, dass Russland siegen werde. Bisher ist aber nicht in Sicht, dass der Präsident seine Kriegsziele erreicht. In Russland nehmen vielmehr täglich die wirtschaftlichen Probleme zu.
Nach seiner Frage bei einer Pressekonferenz zur Tötung russischer Soldaten ist in Moskau nach Angaben der Staatsagentur Tass ein Strafverfahren gegen einen deutschen Journalisten eingeleitet worden. Ermittelt werde gegen den Korrespondenten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) wegen des Schürens von Hass und Feindseligkeit, meldete Tass.
Aktuell werde entschieden, ob der Reporter, der für die Zeitung aus Wien über Südosteuropa berichtet, international zur Fahndung ausgeschrieben werde. Die Pressestelle der „FAZ“ teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, dass ihr das Verfahren nicht bekannt sei.
Der Korrespondent hatte vor gut einer Woche in Belgrad den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine dabei zu helfen, mehr russische Soldaten zu töten. Das löste breite Kritik aus. Die Zeitung hatte danach am Montag erklärt, die Frage des Reporters sei missverständlich formuliert gewesen. Dies bedauere man. Es sei nicht die redaktionelle Linie der „FAZ“, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten.
Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben eine Anlage zur Herstellung von Raketentreibstoff in der russischen Region Rostow angegriffen. „Das Unternehmen stellt Feststoffraketentreibstoff für Mehrfachraketenwerfer sowie für eine Reihe von Raketensystemen und luftgestützten Waffensystemen her“, teilt das ukrainische Militär auf Telegram mit. Rostow liegt im Süden Russlands und grenzt an die Ukraine.
Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau landesweit 822 ukrainische Drohnen abgeschossen. Wie viele gegnerische Drohnen entdeckt wurden oder ihr Ziel erreicht haben, teilt Russland nicht mit. Etwa 45 Kilometer südlich von Moskau ist eine große Rauchwolke über dem getroffenen Wildberries-Lager in Koledino zu sehen, wie Reuters-Videos zeigen. Die Ukraine hat in den vergangenen Wochen verstärkt den Online-Händler Wildberries ins Visier genommen. Sie wirft dem Unternehmen vor, Militärgüter zu vertreiben.
Die Ukraine hat die Region der russischen Hauptstadt nach Angaben von Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin in der Nacht mit rund 600 Drohnen angegriffen. Davon seien 201 in der Region Moskau von der Luftabwehr zerstört worden, schrieb Sobjanin auf der Plattform Telegram. Die meisten Drohnen seien bereits vorher beim Anflug auf die Region abgewehrt worden, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Tass den Bürgermeister.
Der ukrainische Angriff auf Moskau schien eine der größten bisherigen Angriffswellen Kiews zu sein. Ende Juli etwa berichteten russische Behörden von 390 Drohnen in einer Nacht, Anfang Juli waren es 452 gewesen. Bürgermeister Sobjanin sprach nun von drei Verletzten. Er machte keine Angaben zu möglichen Schäden.
Der ukrainischen Nachrichtenseite „Kyiv Independent“ zufolge trafen die Angriffe in der Region Moskau unter anderem Industrieeinrichtungen sowie ein Lager des russischen Online-Händlers Wildberries. Die Ukraine hatte dessen Einrichtungen zuletzt auch in anderen russischen Landesteilen angegriffen.
Die Angaben der beiden Kriegsparteien konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Ein F-18-Kampfjet hat im Rahmen eines Nato-Einsatzes eine Drohne abgeschossen, die illegal in den rumänischen Luftraum eingedrungen war. Es sei das vierte unbemannte Flugobjekt, das in diesem Jahr über dem Land abgeschossen worden sei, teilte das rumänische Verteidigungsministerium am Sonntag mit. Ein Sprecher des Nato-Militärhauptquartiers, US-Oberst Martin O'Donnell, sagte, die Drohne scheine russisch zu sein. Die weiteren Untersuchungen zu dem Vorfall dauerten jedoch an.
Das rumänische Verteidigungsministerium machte seinerseits keine Angaben zur Herkunft der Drohne. Sie sei vom Radar erfasst worden, als sie aus der benachbarten Republik Moldau 24 Kilometer nördlich der südostrumänischen Stadt Galati in den rumänischen Luftraum eingedrungen sei. Der F-18-Jet, der zu einem in Rumänien stationierten spanischen Nato-Kontingent gehört, habe Radarkontakt mit dem Ziel hergestellt und die Erlaubnis zum Eingreifen erhalten, hieß es in der Erklärung des Ministeriums. Die Drohne sei um 05.01 Uhr Ortszeit (04.01 Uhr MESZ) sicher abgeschossen worden. Trümmerteile seien offenbar in einem unbewohnten Gebiet zwischen zwei Dörfern niedergegangen.
Erst Anfang Juli hatten rumänische F-16-Piloten erstmals drei russische Drohnen abgeschossen, die in den nationalen Luftraum eingedrungen waren. Seit Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine hatte es zuvor Dutzende solcher Vorfälle gegeben. Im Mai war eine russische Drohne bei einem nächtlichen Angriff auf die benachbarte Ukraine in einen Wohnblock in Galati gestürzt und hatte zwei Menschen verletzt.
Russland greift die ukrainische Hauptstadt Kiew erneut mit ballistischen Raketen an. Es gebe Explosionen in der Stadt, schrieb Bürgermeister Vitali Klitschko in der Nacht auf der Plattform Telegram. Er forderte die Einwohner der Millionenstadt auf, in ihren Schutzräumen zu bleiben. In zwei Stadtbezirken gebe es Brände, die Feuerwehr sei vor Ort.
Die ukrainische Luftwaffe berichtete auf Telegram zudem von Angriffen mit ballistischen Raketen, Gleitbomben und Drohnen auf andere Landesteile. Ziele waren neben Kiew demnach auch die Industriestädte Krementschuk und Krywyj Rih.
Weil es den ukrainischen Streitkräften nach viereinhalb Jahren Krieg an Munition zur Raketenabwehr mangelt, hat Russland seine Angriffe mit ballistischen Raketen auf Kiew und andere Städte zuletzt verstärkt.
Russland hat die USA und die Türkei aufgefordert, Berichte über mögliche Pläne zur Lieferung eines „erheblichen Arsenals“ von US-Waffen und Munition, die die Türkei besitzt, an die Ukraine zu erläutern, erklärt die Sprecherin des russischen Außenministeriums. Eine solche Lieferung würde „unseren bilateralen Beziehungen zu Washington und Ankara ernsthaft schaden“, teilt Sprecherin Maria Sacharowa in einer Erklärung mit.
Das ukrainische Militär hat eine Ölanlage im russischen Ust-Luga angegriffen. Das teilt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram mit, lässt aber offen, ob es durch den Angriff zu Beschädigungen gekommen ist. Erst am Freitag hat die Ukraine die russische Gaskondensat-Verarbeitungsanlage im Ostseehafen Ust-Luga attackiert.
Das ukrainische Militär hat das Raketen- und Raumfahrtzentrum im russischen Samara angegriffen. Die Streitkräfte hätten auch den Militärflugplatz Sawasleika, einen Stützpunkt für russische Kampfflugzeuge, beschossen, teilt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Telegram mit.
Russische Behörden in Samara hatten bereits zuvor mitgeteilt, dass Industrieanlagen vor Ort angegriffen worden seien. Die Luftabwehr habe einen „massiven Angriff“ abgewehrt, so der Verwaltungschef der gleichnamigen Regionalhauptstadt Samara, Iwan Noskow, in einem Online-Beitrag. Die industrielle Infrastruktur der Stadt habe „örtlich begrenzte Schäden“ erlitten. Nähere Angaben zu der betroffenen Anlage macht er nicht.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat mit seinem ägyptischen Amtskollegen Abdel Fattah al-Sisi über die Bedrohung der Nahrungsmittelversorgung durch russische Angriffe auf Frachtschiffe im Schwarzen Meer beraten. Die Ukraine sei einer der größten Lebensmittellieferanten für Ägypten sowie für viele andere Länder in Afrika und im Nahen Osten, teilt Selenskyj auf der Plattform X mit. Wegen des Krieges seien diese Lieferungen nun ernsthaft bedroht. Man verzeichne bereits einen deutlichen Rückgang, was zu steigenden Preisen und Engpässen führen könne. Beide Länder hätten vereinbart, an Lösungen zu arbeiten. Die jüngsten Attacken Russlands auf Schiffe und die Hafeninfrastruktur blockieren de facto die Hauptexportroute für ukrainisches Getreide zu den internationalen Märkten.
Die russische Justiz hat die an der Universität Bremen angesiedelte Forschungsstelle Osteuropa (FSO) in ihre umstrittene Liste der unerwünschten Organisationen aufgenommen. Das Justizministerium erweiterte damit seine Liste mit ausländischen und internationalen Einrichtungen, deren Arbeit auf dem Gebiet der Russischen Föderation untersagt ist.
Besondere Gründe werden nicht genannt, gelistet werden aber Organisationen, die nach Auffassung der Moskauer Behörden gegen die Interessen des russischen Staates arbeiten. In der Liste stehen bereits mehrere deutsche Organisationen, darunter das viele Jahre in Moskau tätige Deutsche Historische Institut (DHI), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) sowie zahlreiche politische Stiftungen.
In Rumänien ist eine Drohne rund fünf Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt in einem Waldgebiet abgestürzt. Das teilte das Verteidigungsministerium des Nato-Landes am Freitag mit. Die Drohne ging demnach im östlichen Bezirk Tulcea nieder. Militärische Radarsysteme hätten sie nicht erfasst, weil sie in „sehr niedriger“ Höhe geflogen sei, hieß es. Zur Herkunft der Drohne machte das Ministerium zunächst keine Angaben.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat eine Ausweitung der russischen Luftangriffe auf die Ukraine angekündigt. „Wir werden viel härtere Methoden einsetzen, um alles zu zerstören, was die Kriegsmaschinerie Kiews aus dem Westen speist“, sagte er in einem Interview, das das russische Staatsfernsehen am Freitag ausstrahlte.
Eine russische Gleitbombe hat in der ostukrainischen Region Donezk sechs Stockwerke eines zehnstöckigen Wohnhauses zerstört. Ein Mensch sei getötet worden, 16 weitere seien verletzt worden, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag mit. Insgesamt griff Russland nach Angaben Selenskyjs in der Nacht zwölf ukrainische Regionen an.
Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Wohnhaus in der nordukrainischen Region Sumy sind eine 29 Jahre alte Frau und ihr neunjähriger Sohn getötet worden. Das teilten die Behörden am Freitag mit. Bei dem Angriff am frühen Freitagmorgen wurden vier weitere Menschen verletzt, darunter der Vater und die Großmutter des getöteten Jungen. Beide wurden mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus gebracht, wie der Leiter der regionalen Militärverwaltung, Oleh Hryhorow, mitteilte.
Die Rohölexporte aus dem russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk sind Insiderangaben zufolge nach einem Drohnenangriff ausgesetzt. Wegen des Angriffs seien die Verladungen gestoppt und die Annahme vo
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Ausweitung russischer Luftangriffe auf ukrainische Infrastruktur
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- Wird Jabloko endgültig von der Parlamentswahl ausgeschlossen?
- Wie reagieren USA und Türkei auf Russlands Forderungen bezüglich Waffenlieferungen?






