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BackKünstliche Intelligenz in der IT: Welche Kenntnisse künftig zählen und was sie zahlen
Künstliche Intelligenz in der IT: Welche Kenntnisse künftig zählen und was sie zahlen
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Handelsblatt1 hour agoTech7 min readGermany

Künstliche Intelligenz in der IT: Welche Kenntnisse künftig zählen und was sie zahlen

Künstliche Intelligenz verändert die IT-Branche grundlegend. Experten erklären, welche Rollen und Fähigkeiten jetzt gefragt sind und welche Gehälter gezahlt werden.

Quick Look

  • Künstliche Intelligenz revolutioniert die IT-Branche und wandelt klassische Aufgabenbereiche um.
  • Unternehmen suchen verstärkt nach Spezialisten für KI, Cloud und Cybersecurity, während kritisches Denken und kontinuierliche Weiterbildung an Bedeutung gewinnen.

AI-generated summary

Why It Matters

Künstliche Intelligenz verändert die Anforderungen an IT-Fachkräfte rasant durch Automatisierung und neue Technologiefelder wie Cloud und Cyber-Security.

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Aus dem Handelsblatt-Archiv: Auf kaum eine Branche hat Künstliche Intelligenz so viel Einfluss wie auf die IT-Branche. Welche Kenntnisse bei Unternehmen künftig zählen – und wieviel Gehalt sie dafür zahlen.

Roboter am Rechner: Die IT-Branche spürt den Wandel durch KI besonders deutlich. Foto: Moment/Getty Images

Berlin. Dirk Stöckmann feierte gerade ein Jubiläum: Seit 25 Jahren arbeitet der frühere Bergarbeiter beim Netzwerkausrüster Cisco. Er startete 2001 als Systemingenieur. Wenige Jahre später spezialisierte er sich auf Rechenzentrumstechnologien. Danach arbeitete er unter anderem als technischer Lösungsarchitekt in einer Gruppe für Datenanalyse. Stöckmann machte eines der anspruchsvollsten IT-Zertifikate, genannt CCIE. Weltweit gibt es nur rund 100.000 davon.

Sein 25-jähriges Jubiläum feierte der 57-Jährige als sogenannter Hypershield Solutions Engineer. In dieser Rolle entwickelt er Sicherheitsarchitekturen für KI-basierte IT – damit Rechenzentren und Cloud-Umgebungen besser geschützt sind. Heute verdient er sechsstellig.

In diese Top-Position hat es Stöckmann geschafft, weil er sich kontinuierlich weiterbildet. Allein sein CCIE-Zertifikat, das er alle drei Jahre erneuert, beschert ihm einen ordentlichen Bonus. „Wer sich für einen Job in der IT entscheidet, sollte neugierig auf Technik sein und bereit, immer wieder dazuzulernen“, sagt er. „Durch Künstliche Intelligenz ist das noch wichtiger geworden.“

Denn kaum eine Branche spürt den Wandel durch KI so deutlich wie die IT. Künstliche Intelligenz kann Code schreiben, Daten auswerten, Fehler finden und Software testen. Alles Aufgaben, die bisher Fachkräfte erledigen.

Die gute Nachricht ist: IT-Experten bleiben gefragt. In einer Umfrage des Verbandes Bitkom unter 850 Unternehmen gaben acht von zehn an, dass sie glauben, dass sich der Fachkräftemangel in der Branche verstärken wird. 42 Prozent gehen außerdem davon aus, dass KI für einen zusätzlichen Bedarf an Spezialisten sorgt.

Allerdings erwarten auch rund 27 Prozent einen Stellenabbau durch KI. Und knapp jedes vierte Unternehmen berichtet, dass Bewerber spezifische Anforderungen durch neue Technologien nicht erfüllen.

Was müssen IT-Talente also aktuell mitbringen? Welche Profile werden wichtiger – welche verlieren an Bedeutung? Das Handelsblatt hat mit Experten gesprochen und sich bei Unternehmen umgehört.

Auch in der IT stellen Unternehmen wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit vorsichtiger ein. Das zeigt unter anderem der Fachkräfteindex der Personalberatung Hays: Demnach sinkt seit den Höchstständen in den Jahren 2022 und 2023 die Nachfrage an IT-Experten stetig und liegt in diesem Jahr deutlich unter dem Vorjahresquartal.

Besonders Softwareentwickler, IT-Testmanager und IT-Administratoren werden seltener gesucht. Hoch bleibt dagegen die Nachfrage nach IT-Security-Spezialisten und IT-Architekten.

Adél Holdampf-Wendel, Bereichsleiterin Future of Work beim Digitalverband Bitkom, sieht diese Entwicklung jedoch gelassen. „Der Bedarf an spezialisierten IT-Fachkräften wird tendenziell hoch bleiben“, sagt sie. Kurzfristig könne die konjunkturelle Lage zwar die Nachfrage dämpfen. „Mittel- und langfristig wird sie durch die Digitalisierung von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft aber weiterhin bestehen und sogar noch steigen.“

Alexander Hendorf ist Geschäftsführer von Pioneers Hub, einer Non-Profit-Organisation zur Förderung von Deeptech- und Open Source Communitys. Zugleich ist er Vorsitzender des deutschen Python Software Verbands. Der Experte glaubt, dass die benötigten Kompetenzen in Zukunft deutlich anspruchsvoller und stärker auf den versierten Umgang mit KI fokussiert sein werden.

Das zeigt auch eine Umfrage unter 383 Tech-Talenten, die der Python Software Verband für das Handelsblatt durchgeführt hat. Demnach sagt jeder zweite Teilnehmer, dass KI mindestens 30 Prozent seiner Routineaufgaben automatisiert. Sieben von zehn gaben an, dass sich ihre Tätigkeit verschoben hat. Statt Code zu schreiben, überprüfen sie eher KI-generierte Inhalte oder implementieren und bewerten diese.

Besonders wichtig werden laut der Umfrage außerdem Domänen- und Geschäftswissen, Systemdesign und Architektur sowie die Kommunikation mit Stakeholdern. „Entwickler müssen also nicht nur KI bedienen“, sagt Hendorf. Sie müssten einschätzen können, ob ein KI‑Vorschlag sicher ist, sich warten und weiterentwickeln lässt, anschlussfähig bleibt und ob er zur bestehenden Systemarchitektur passt. „Darin liegt der eigentliche Rollenwandel.“

Die wichtigste Kompetenz für Entwickler ist laut Hendorf deshalb kritisches Denken. „KI-Tools können wunderbar Standardaufgaben übernehmen“, sagt er. „Aber sie scheitern an großen und komplexen Systemarchitekturen.“ Hendorf vergleicht das mit einem Buch: KI kann Vorschläge für einzelne Kapitel liefern. Ein Mensch müsse aber das Gesamtwerk lesen, es kuratieren und die Fehler ausmerzen.

„KI neigt zum Halluzinieren“, sagt auch Dirk Stöckmann von Cisco. Umso wichtiger sei es, dass IT-Talente die Ergebnisse, die ein System ausgibt, künftig einordnen und bewerten können. „Dafür braucht es ein tiefes technisches Verständnis“, sagt er. „Und das entsteht nur, wenn man sich austauscht und immer wieder praktisch mit der Technologie arbeitet.“

Fragt man bei Unternehmen nach, so bestätigen diese, dass Rollen in der IT nicht komplett verschwinden, sich aber verändern. KI ist allerdings nur ein Treiber. Auch die Art und Weise, wie Unternehmen ihre IT-Infrastruktur durch Cloud-Computing gestalten, wird neue Jobprofile prägen. Das gilt ebenfalls für Big Data, also die Fähigkeit, große Datenmengen für strategische Entscheidungen zu analysieren. Als vierter Bereich wird Cyber-Security die Arbeitswelt von IT-Fachkräften umwälzen.

Während zum Beispiel beim Wirtschaftsprüfer KPMG früher eher traditionelle IT-Profile wie der IT-Systemadministrator gefragt waren, sucht man heute nach spezialisierten Positionen. Auf dem Wunschzettel der Personalabteilung stehen Cloud-Spezialisten, Datenanalysten, KI-Fachkräfte, Cyber-Security-Experten oder auch Softwareentwickler, die sich mit agilen Methoden auskennen.

„Die spannendste Veränderung beobachten wir jedoch nicht bei den Berufsbezeichnungen, sondern bei den Anforderungen innerhalb bestehender Rollen“, sagt Dagmar Zippel, Recruiting-Chefin bei KPMG. Früher zählten vor allem Fachwissen und technische Expertise. Heute werden kritisches Denken, Urteilsvermögen, Schnittstellenkompetenz und Verantwortungsbewusstsein wichtiger.

Das gilt auch für BMW: Vor fünf Jahren standen noch eher klassische IT-Kompetenzen im Vordergrund. Heute, so ein Sprecher, sucht das Unternehmen stärker nach Fähigkeiten, die Fachprozesse, Software, Daten und neue Technologien zusammenbringen. Entsprechend gefragt sind beim Autobauer unter anderem KI-Spezialisten, Security-Experten und Data Scientists.

Bei Cisco, dem Arbeitgeber von Dirk Stöckmann, sind derzeit vor allem Software- und KI-/Machine-Learning-Entwickler, Data Engineers sowie Cloud- und Embedded Engineers gefragt. „Mit steigender KI-Nutzung steigt die Nachfrage nach entsprechenden Spezialistinnen und Spezialisten für KI-Sicherheit, KI-Infrastruktur und KI-Governance“, sagt Cisco-Deutschlandchef Uwe Peter. Die größte Veränderung sieht er in der Softwareentwicklung. „Hier entstehen enorme Produktivitätssprünge, weil sich Entwicklung, Dokumentation oder Tests heute mit KI deutlich schneller erledigen lassen.“

Und auch im Mittelstand, etwa beim Befestigungsspezialisten Würth, gewinnen spezialisierte IT-Fachkenntnisse weiter an Bedeutung. Gleichzeitig steigt aber auch der Bedarf an Expertise, „die technologische Kompetenz mit strategischem Prozess- und Geschäftsverständnis verbindet“, heißt es aus der Konzernzentrale. Man suche deshalb verstärkt nach IT-Fachkräften aus den Bereichen Software-Engineering, Data- und AI-Engineering, Cloud-Technologien, Cyber-Security sowie SAP- und Business-Plattformen.

Laut dem Gehaltsreport der Jobplattform Stepstone liegt das Bruttomediangehalt in der Berufsgruppe IT bei 66.750 Euro. Wer allerdings in einem hochkomplexen Zukunftsfeld arbeitet, kann deutlich mehr erwarten. Wie Gehaltsdaten der Personalvermittlung Robert Half zeigen, verdient ein IT-Security-Architekt mit der entsprechenden Erfahrung 81.250 Euro brutto. Ein Data-Analyst kann demnach bis zu 90.000 Euro erhalten. Und ein Software-Architekt sogar bis zu 109.500 Euro.

Und auch KI-Spezialisten können ein gutes Gehalt erwarten. Laut der Gehaltsdaten von Robert Half beträgt das Gehalt eines KI-Entwicklers mit der entsprechenden Berufserfahrung 92.000 Euro und das eines Machine-Learning-Engineers 87.000 Euro.

Beim Pharmakonzern Bayer kommt KI ebenfalls in allen Bereichen zum Einsatz. Laut einem Sprecher sucht das Unternehmen deshalb vor allem nach Arbeitskräften, die in der Lage sind, KI-gestützte Lösungen verantwortungsvoll zu einzusetzen. Besonders gefragt sind auch hier Full-Stack-Engineers, Cloud- und Plattformarchitekten, Data Scientists, AI-Engineers sowie Experten für Cyber-Security.

Um die benötigten Kompetenzen aufzubauen, entwickelt Bayer seine Mitarbeiter kontinuierlich weiter. Neben klassischen Trainings gibt es digitale Lernangebote und praxisnahe Lernformate. Der wichtigste Lernort sei jedoch nicht das Seminar, sondern die Arbeit selbst, heißt es vom Unternehmen.

Ein Unternehmen, das sich seit vielen Jahren mit Künstlicher Intelligenz befasst, ist Celonis. Die Münchener Firma ist mit einer Plattform für die Analyse von Geschäftsprozessen zum wertvollsten Start-up Deutschlands aufgestiegen. Weil KI schon lange ein Thema sei, hätten sich die grundlegenden Anforderungen an die Beschäftigten in den vergangenen fünf Jahren nicht wesentlich verändert, hieß es dort auf Handelsblatt-Anfrage.

Angesichts der rasanten technischen Entwicklung müssten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allerdings bereit sein, sich kontinuierlich weiterzubilden. Als Beispiel nennt Celonis hier Kompetenzen im Umgang mit Agentic AI oder unterschiedlichen Sprachmodellen. Neben angebotenen Trainings sollen die Beschäftigten auch hier vor allem im Berufsalltag voneinander lernen.

„Gerade in der IT ist kontinuierliche Qualifizierung entscheidend, weil sich Technologien, Tools und Anforderungen besonders schnell verändern“, sagt Adél Holdampf-Wendel von Bitkom. Generell sei die Bereitschaft der Unternehmen hier hoch. Laut einer Umfrage des Verbandes würden 80 Prozent der Unternehmen Digitalkompetenzen zumindest an Teile der Belegschaft vermitteln.

Und gibt es Jobs, die komplett verschwinden? Hendorf glaubt nicht daran. „Stattdessen gibt es eine Teilautomatisierung in bestimmten Rollen“, sagt er. Ersetzt oder sich stark verändert würden vor allem Standardaufgaben, die aber auch schon früher nur einen Teil der Arbeit von Entwicklern ausgemacht hätten.

Gerade für Junioren sieht er hier eine große Chance, die bislang oft solche Standardaufgaben ausgeführt haben. „Durch die gewonnene Zeit können Berufseinsteiger viel früher ihre Kreativität in der Forschung und Entwicklung einbringen, statt dieses wichtige Potenzial zu verschwenden.“

What to Watch

AI outlook — possibilities, not facts

  • Fachkräftemangel bei IT-Spezialisten wird sich verstärken.

    Likely · Within months

Open Questions

  • Wie stark wird der Stellenabbau durch KI in der IT tatsächlich ausfallen?
  • In welchem Tempo können Unternehmen ihre Mitarbeiter erfolgreich weiterbilden?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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