Lebensmittel: Bio boomt laut DHBW-Studie – trotz hoher Preise
Eigenmarken des Handels treiben das Wachstum, Markenartikel verlieren an Bedeutung
Quick Look
- Der Bio-Umsatz in Deutschland stieg um 5,5 Prozent und erreichte mit 6,9 Prozent einen neuen Höchstwert am Lebensmittelumsatz.
- Handels-Eigenmarken machen zwei Drittel des Bio-Umsatzes aus und gewannen seit 2020 rund 5,4 Milliarden Euro hinzu, während Markenartikel an Bedeutung verloren.
- Fast die Hälfte der Verbraucher kauft Bio nur gelegentlich.
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Why It Matters
Der Bio-Umsatz stieg um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, fast viermal so stark wie der restliche Lebensmittelmarkt mit 1,4 Prozent. Der Bio-Anteil am Lebensmittelumsatz erreichte mit 6,9 Prozent einen neuen Höchstwert. Zwei Drittel des Bio-Umsatzes entfallen auf Eigenmarken des Handels.
Das entspricht einem Plus von 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit einem fast viermal so starken Anstieg wie der restliche Lebensmittelmarkt (+1,4 Prozent). Der Bio-Anteil am Lebensmittelumsatz erreicht den Angaben zufolge mit 6,9 Prozent einen neuen Höchstwert.
Eine besondere Rolle spielen dabei die Eigenmarken der großen Einzelhandelsketten, die immer öfter Ware in Bioqualität anbieten. Zwei Drittel des Bio-Umsatzes entfallen laut der Erhebung auf Eigenmarken des Handels – rund 20 Prozentpunkte mehr als im Lebensmittelmarkt insgesamt, heißt es unter Berufung auf die Studie, die Marktdaten mit einer gewichteten Online-Befragung unter mehr als 2000 Verbrauchern verbindet. Die Bio-Handelsmarken haben seit 2020 demnach rund 5,4 Milliarden Euro an Umsatz hinzugewonnen, mehr als das gesamte Marktwachstum. Bio-Markenartikel dagegen hätten seither Bedeutung eingebüßt.
Bio wird oft nur gelegentlich gekauft
Dazu passt, dass die Bio-Umsätze laut der Studie besonders bei Discountern und Drogerie-Ketten stark angestiegen sind. Drogerien verkauften inzwischen sogar mehr als Reformhäuser der Bio-Fachhandel, dessen Umsatzanteil seit 2020 um mehr als sechs Prozent gesunken sei.
Die Bio-Handelsmarken seien inzwischen eine ernste Konkurrenz für Markenanbieter, sagt Studienautor Stephan Rüschen, der an der DHBW Heilbronn zum Lebensmittelhandel forscht. »Das Bio-Siegel allein reicht nicht mehr als Argument. Marken müssen ihren Mehrwert bei Herkunft, Geschmack und Verbandsqualität belegen.«
Luft dazu gäbe es – auch weil der Anteil an Stammkunden bei Bio-Produkten noch wachsen kann. Fast die Hälfte aller Verbraucherinnen und Verbraucher (45 Prozent) kaufen Bio laut der Studie nur gelegentlich. Rund 30 Prozent der Befragten gaben zwar an, nachhaltig orientiert zu sein, kauften aber nur unregelmäßig Bio. »Bio ist im Massenmarkt angekommen – aber noch nicht im Einkaufsalltag«, sagt Rüschen. »Fast jeder kauft Bio, doch nur gut jeder Vierte regelmäßig.«
Eine andere Studie von Rüschen und dessen DHBW-Kollegen Carsten Kortum hatte vor wenigen Wochen immerhin auch ergeben, dass die Lücke zwischen der von den Verbrauchern angegebenen Einstellung pro Bio und dem tatsächlichen Einkaufsverhalten in den vergangenen Jahren kleiner geworden ist.
Bleibt die Frage, warum Bio-Produkte angesichts der enormen Teuerung überhaupt weiterhin boomen. Kortum hat hierzu eine Vermutung: Bei den Biokäufern handle es sich nicht vorrangig um jene Zielgruppen, bei denen das Geld ohnehin knapp sei.
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Open Questions
- Wie hoch war der absolute Bio-Umsatz in Euro?
- Welche konkreten Handelsketten bieten die meisten Bio-Eigenmarken an?
- Wie entwickelt sich der Bio-Umsatz in den nächsten Jahren?






