
Jan-Philipp Schlecht, Redaktionsleiter der Kreiszeitung Böblinger Bote, über den Wandel des Lokaljournalismus, KI und die Rolle der Presse für die lokale Demokratie.
AI-generated summary
Der Lokaljournalismus steht unter Druck durch digitale Transformation und sinkende Werbeeinnahmen. Experten betonen die Rolle der Presse für die lokale Demokratie.
Jan-Philipp Schlecht ist Lokaljournalist aus Überzeugung - in seinem Fall heißt das, er berichtet aus Böblingen und Umgebung. Bei der Kreiszeitung Böblinger Bote ist er Reporter und Redaktionsleiter in einem, leitet also gleichzeitig die Redaktion und geht auf Termine vor Ort, um darüber zu schreiben.
In einer Ausgabe, die vor Schlecht liegt, geht es um den Schulanfang in Baden-Württemberg genauso wie um ein Fest in einem nahegelegenen Dorf. Schlecht zeigt auf das Titelbild, auf dem feiernde Menschen zu sehen sind und sagt: "Das ist natürlich so ein klassischer Lokaltermin, da war der ganze Ort auf den Beinen."
Mehr Themen aus dem Alltag der Menschen
Informationen und Termineinladungen für seine Arbeit bekommt Jan-Philipp Schlecht oft per Mail - direkt von Stadt oder Gemeinden, Vereinen oder Initiativen. Ohne Kontakte vor Ort wäre sein Job fast gar nicht möglich, schildert er: "Das ist ganz, ganz wichtig, dass man in diesen lokalen Communities einfach drin ist und von denen Informationen kriegt."
Die Themensetzung habe sich etwas verändert in den vergangenen Jahren - sei heute mehr an Klickzahlen orientiert. Denn ein Teil der Arbeit der Zeitung spielt sich mittlerweile online ab.
Gerade hier brauche man Relevanz. Für Schlecht heißt das: Themen, die viele Menschen betreffen. Schlecht erinnert sich: "Früher hat man eher nach den Tagesordnungen in den Gemeinderäten gearbeitet, war da sehr nah dran am politischen Lokalgeschehen." Das sei auch gut. Heute müsse die Redaktion aber mehr Themen in den Blick nehmen, die viele Menschen direkt im Alltag berühren.
"Eine unheimliche Aufsplittung an Kanälen"
Ob die Redaktion das zuletzt geschafft hat, zeigt sich in der Redaktionssitzung: Während alle Redaktionsmitglieder im Kreis sitzen und auf die Graphen auf dem Bildschirm schauen, erklärt der Redaktionsleiter: Die Klickzahlen seien zuletzt nicht so erfreulich gewesen wie erhofft - "leider unterdurchschnittlich".
Schwankende Klickzahlen und weniger Abos bedeuten für Verlage weniger Geld. Und damit weniger Mittel, um Reporter zu beschäftigen. Als Redaktionsleiter muss Schlecht mit den Mitarbeitern auskommen, die er hat. Das heißt, dass er nicht alle Termine besetzen kann, die er gerne besetzen würde.
Dazu kommt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kreiszeitung heute mehr Aufgaben haben als früher, sagt Schlecht: "Es ist eine unheimliche Aufsplittung an Kanälen, die wir natürlich möglichst gut bespielen, aber natürlich auch nicht mit einer gewachsenen Mannschaft, sondern im Prinzip mit der gleichen Mannschaft, die wir davor auch hatten." Die Zeitung betreibt zum Beispiel einen Instagram-Kanal.
Künstliche Intelligenz als Bedrohung
Um mit bereits recherchierten Inhalten möglichst viele Nutzerinnen und Nutzer erreichen zu können, verwendet die Redaktion auch Künstliche Intelligenz: Sie macht aus Artikeln Beiträge für Instagram. Für Jan-Philipp Schlecht ist das als Hilfsmittel "okay". Texte selbst schreiben soll die KI aber nicht.
In KI sieht Schlecht eine Bedrohung für den Journalismus - und für ein gesundes Mediennutzungsverhalten: "KI ist sehr stark darauf trainiert, denjenigen, der sie bedient, zu bestätigen in seiner Meinung und auch genau die Informationen zu bieten, die er jetzt gerade haben möchte. Sprich, sein Weltbild zu bestätigen." Journalismus zeige dagegen neue Aspekte auf und präsentiere den Menschen neue Inhalte, die er vielleicht gar nicht erwartet hätte.
Wenn es darum geht, in Dörfern und kleinen Gemeinden nah dran an den Menschen zu sein, sieht Schlecht den Lokaljournalismus großen Playern überlegen. "Im Lokalen ist natürlich ein großes Pfund und ein großes Plus, dass wir exklusive Inhalte von vor Ort bringen, wo zum Beispiel auch kein großer News-Aggregator wie Google News oder andere große News-Seiten jemals sein werden mit Personal."
"Dann nimmt die Korruption zu"
Was mit der Demokratie passiert, wenn freie und professionelle Berichterstattung nicht mehr gut funktionieren, zeige ein Blick in die USA, erklärt der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen von der Uni Tübingen. Er erklärt: "Wenn lokale, unabhängige journalistische Berichterstattung nicht mehr existiert, dann nimmt das zivilgesellschaftliche Engagement ab, dann nimmt die Korruption zu, dann dringen Populisten einfacher in dieses entstandene Vakuum."
Welchen Stellenwert der lokale Journalismus in Deutschland vielerorts noch hat, zeigt ein Termin in Böblingen, bei dem die Stadt die örtlichen Vereine eingeladen hat - und auch die Presse. Jan-Philipp Schlecht sitzt in der Veranstaltungshalle mit Stift und Papier und macht sich Notizen. Er schreibt auf, was der Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) über ein Mikrofron verkündet. Der erklärt, Lokaljournalismus werde in Böblingen sehr geschätzt - auch wenn mal kritisch berichtet wird: "Wenn in der Berichterstattung etwas gefunden wird, wo man nochmal nachbessern muss, dann bereichert es natürlich auch unsere politische Debatte."
An diesem Abend hat Lokaljournalismus eines geschafft: Die Vereinsmitglieder im Publikum fühlen sich gesehen - denn ihr Engagement kommt in die Zeitung.
Westdeutscher Rundfunk (WDR) announces the discontinuation of 76 program offerings by the end of 2027. Social media channels, newsletters, websites as well as linear radio and television formats such as 'Frau TV' and 'People hautnah' are affected.
Jürgen Klopp's debut as national coach on RTL reached 10.76 million viewers. The reporting focused on Klopp's emotional production and the journalistic closeness of presenter Laura Wontorra to her former TV expert.

The NRW media authority is refraining from taking any further steps in the dispute over an uncommented Höcke interview with podcaster Ben Berndt. Since the false statement about the SA was sufficiently classified through the public debate, the protection goal was achieved.
Tech billionaire Peter Thiel criticized the media landscape as "very, very one-sided" and a "left-wing hate factory" at the Axel Springer Awards in Berlin. At the same time, he praised Springer boss Mathias Döpfner and journalist Bari Weiss for their courage. Thiel also commented on the housing problem in Berlin and warned against rent controls. During the event there were protests and a brief disruption on stage.

Deutsche Welle is continuing its Greek-language service despite earlier announcing its closure due to austerity measures, but on a reduced scale starting next year. The decision follows public pressure from Greece and Germany, including an objection from Greek Prime Minister Kyriakos Mitsotakis. In the future, 400,000 euros are earmarked annually for the editorial team instead of the previous 700,000 euros.

After the CDU election defeats in Saxony-Anhalt, speculation about the replacement of Chancellor Friedrich Merz dominates the Berlin media. Critics complain that this fixation on personnel issues ignores complex political problems.