
Steigende Verbraucherpreise, Zölle und hohe Energiekosten nach dem Iran-Krieg setzen Donald Trump vor den Midterms massiv unter Druck.
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Trump versprach bei seiner Wahl Preissenkungen, jedoch stieg die Inflation nach einer temporären Beruhigung wieder an.
Den US-Republikanern unter Präsident Trump droht bei den anstehenden Zwischenwahlen im November ein Debakel. In beiden Kongresskammern könnten sie ihre Mehrheit verlieren und Trump damit die Basis seiner Macht. Schuld daran: unter anderem eine Reihe miserabler Wirtschaftsdaten.
Es ist ziemlich genau zwei Jahren her, da versprach Donald Trump, die Preise in den USA "sehr schnell" zu senken, sollte er denn die Präsidentschaftswahl gewinnen. Er werde die Inflation besiegen und ein "explosives Wirtschaftswachstum" anstoßen, so Trump. Den Menschen steckte ein massiver Preisschock aus der Pandemie in den Knochen, den sie dem amtierenden Demokraten Joe Biden zuordneten. Trump gewann die Wahl.
Zwei Jahre nach Trumps Sieg steuern die USA wieder auf eine Wahl zu, wieder klettern die Preise und wieder schickt das Inflationsthema sich an, die politischen Kräfteverhältnisse ordentlich zu verschieben. Nur dieses Mal zu Trumps Ungunsten.
Verlieren die Republikaner am 3. November eine der beiden Kammern des Kongresses, kommt ihnen die Mehrheit im Repräsentantenhaus oder im Senat abhanden; die Demokraten könnten Trumps Gesetzesvorhaben in dessen beiden letzten Amtsjahren blockieren.
Bei seinem Amtsantritt hatte Trump versprochen, seine Kabinettsmitglieder anzuweisen, alles ihnen Mögliche gegen die von ihm beklagte Rekordinflation zu tun. Er versprach aber nicht nur, die Preise zu stabilisieren: sie sollten fallen.
Tatsächlich ging die Inflationsrate zeitweise zurück. Sie sank von ihrem Höchstwert von 9,1 Prozent im Sommer 2022 auf 2,3 Prozent im April 2025. Die Preise sanken deshalb aber nicht - sie stiegen nur langsamer. Fallende Preise zu versprechen, war ein kaum haltbares Versprechen, ökonomisch nicht wünschenswert. Trump machte es trotzdem. Nun beschleunigt sich der Preisanstieg wieder. Kurz vor den Zwischenwahlen, meldete die US-Statistikbehörde, im September hätten die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr um 3,7 Prozent zugelegt. Ziel ist eine Inflationsrate von 2 Prozent, liegt sie höher, sieht sich die Notenbank gezwungen, die Zinsen anzuziehen.
Mehr als zwei Drittel der Befragten lehnen Trumps Umgang mit der Inflation ab. Auch seiner Wirtschaftspolitik stimmt nur rund ein Drittel der Befragten zu. Trump hat ein offenkundiges Problem. Denn die US-Wähler sind nicht nur mehrheitlich mit Trumps Wirtschaftspolitik unzufrieden, sie sind sich einer Pew-Umfrage zufolge auch einig darüber, dass das bei ihrer Wahlentscheidung eine Rolle spielt.
"Mein Plan wird die Energiepreise halbieren"
Zwei prägende Elemente in Trumps zweiter Präsidentschaft tragen am Preisanstieg mindestens Mitschuld: die Zölle und der Krieg gegen den Iran, den die Mehrheit ablehnt. Analysen der US-Notenbank und ihrer regionalen Institute zeigen, dass die Zölle die Inflation spürbar erhöht haben. Bis Februar 2026 verteuerten sie gewöhnliche Konsumgüter wie Autos, Möbel oder Kleidung demnach um insgesamt 3,1 Prozent.
Die Studien schränken allerdings ein: Der Effekt auf die gesamte US-Inflation falle deutlich kleiner aus. Händler und Importeure hätten einen Teil der Mehrkosten zulasten ihrer Gewinnspannen aufgefangen. Zudem hätten die Zölle das Preisniveau vor allem einmalig erhöht, statt die Inflation dauerhaft anzutreiben.
Seit Mitte 2026 verliert der Zolleffekt laut Fachleuten an Kraft. Für den erneuten Anstieg der Gesamtinflation waren zuletzt vor allem höhere Energiepreise verantwortlich. Dabei hatte Trump vor gut zwei Jahren versprochen: "Mein Plan wird die Energiepreise innerhalb von zwölf Monaten nach meinem Amtsantritt halbieren oder sogar noch stärker senken."
Am 28. Februar 2026 aber griffen die USA und Israel den Iran an. Sie feuerten Hunderte Raketen ab, warfen Bomben auf Bunker und töteten einen großen Teil der iranischen Führung sowie Hunderte Zivilisten. Daraufhin sperrte der Iran die Straße von Hormus und schnitt den Weltmarkt von einer seiner wichtigsten Rohölquellen ab. Die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl stiegen spürbar - auch in den USA.
Spritpreise treiben Inflation an
Das treibt die Inflation. Den neuesten Anstieg der Verbraucherpreise um saisonbereinigte 0,6 Prozent führt die US-Statistikbehörde zur Hälfte auf den Preissprung an den Tankstellen zurück. Benzin verteuerte sich innerhalb eines Monats um durchschnittlich 9,1 Prozent. Im Autoland USA ein Fanal.
Wie teuer das Tanken ist, unterscheidet sich in den USA regional stark. Am meisten kostet Benzin in Kalifornien. Dort treiben strengere Umweltvorschriften und die schlechte Anbindung an Pipelines die Preise in die Höhe. Generell ist Sprit an der Ost- und Westküste teurer als im Landesinneren, denn dort liegen Ölfördergebiete.
Nach einem Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin kündigte Trump vergangene Woche an, Russland werde "umgehend" 300.000 Tonnen Diesel für die USA und den Weltmarkt bereitstellen. Doch der Diesel aus dem Geschäft mit Putin dürfte wenig ändern. Womöglich kommt er nicht einmal rechtzeitig vor den Zwischenwahlen an. Und selbst wenn: ob die Lieferung den Preis senkt, ist ungewiss. Wenn Russland dafür laufende Lieferungen umlenkt, fehlt der Kraftstoff anderswo. Der Preis entsteht auf dem Weltmarkt, und der bleibt angespannt. Die Internationale Energieagentur rechnet mit einer Dieselknappheit bis Mitte 2027. Auch die Preise am Terminmarkt reagierten nur kurz auf Trumps Ankündigung. Danach stiegen sie wieder.
Die hohen Energiekosten treiben die Inflation und dürften die US-Notenbank noch in diesem Jahr zu einer weiteren Zinserhöhung zwingen. Mehrere Notenbankvertreter haben das bereits öffentlich angedeutet. Die nächste Sitzung steht Ende Oktober an, kurz vor den Midterms. Nach Einschätzung der meisten Fachleute dürfte die Fed zunächst noch abwarten und die Zinsen dann im Dezember erhöhen.
Steigende Zinsen machen sich in den USA schneller in den Taschen der Menschen bemerkbar als in Europa. Vergleichsweise viele Menschen zahlen Hypothekenzinsen und finanzieren ihre täglichen Ausgaben auf Pump. Steigt der Leitzins der Notenbank, folgen gewöhnlich auch die Zinsen auf das Eigenheim oder den Kredit.
Inflation, Spritpreise, steigende Zinsen - das alles sind Messgrößen eines Eindrucks, den die meisten Wählerinnen und Wähler so auf den Punkt bringen dürften: Dinge werden teurer. Wie verfestigt dieser Eindruck ist, das erfasst eine Erhebung der Universität von Michigan Monat für Monat. Sie befragt einen Querschnitt der US-Gesellschaft, ermittelt, wie konsumwillig die Menschen sind. Das Ergebnis ist ein Index - eine einzige Zahl, die auf einen Blick erkennen lässt, wie sich die wirtschaftliche Stimmung im Land entwickelt. Zu Trumps Amtseinführung war diese Stimmung durchgängig gut. Mittlerweile hat der Indexwert in zwei von drei Einkommensgruppen Tiefststände erreicht, nur bei den Gutverdienern hält sich der Stimmungsabschwung noch in Grenzen.
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Die US-Notenbank wird die Zinsen im Dezember anziehen.
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