Mailand, Lissabon, Brüssel: Proteste und Krawalle in einigen europäischen Städten
Zehntausende demonstrieren in Frankreich, Portugal, Italien und Belgien gegen Inflation und Wohnungsnot. In mehreren Städten kommt es zu schweren Krawallen und Brandstiftungen.
Quick Look
- Europaweite Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten und Wohnungsnot haben in Frankreich, Italien und Belgien zu gewalttätigen Ausschreitungen geführt.
- Rathäuser brannten, Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, und es gab zahlreiche Festnahmen.
AI-generated summary
Why It Matters
Steigende Lebenshaltungskosten, Inflation und explodierende Mieten führen europaweit zu massiven Protesten.
Ein Rathaus steht in Flammen – dies ist eines der Bilder der Randale in Frankreich. Das Gebäude in Limoges, 143 Jahre alt, sei »zum großen Teil verloren«, sagte der zuständige Präfekt Maurice Barate der Nachrichtenagentur AFP.
In Frankreich hatten die sogenannte Gelbwesten-Bewegung, Gewerkschaften, Schüler, Studierende, Landwirte und andere Organisationen für Samstag zu einem Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem aufgerufen. An den Protesten nahmen nach Regierungsangaben rund 550.000 Menschen teil, darunter allein 110.000 in Paris. Die Organisatoren sprachen von landesweit rund 800.000 Demonstranten. Doch nicht nur in Marseille, Lyon und Avignon gab es Proteste, auch in Portugal, Italien und Belgien gingen Menschen wegen steigender Lebenshaltungskosten auf die Straßen und Plätze.
Die Demonstrantin Elena Costa sagte, die Menschen, die in Portugal Steuern zahlen und das Land am Laufen halten würden, würden »ihre Rechte verlieren – insbesondere das Recht auf Wohnen«. »Deswegen sind wir alle zusammen hier und versuchen zu erklären, dass wir ersticken«, sagte die 46-jährige Sozialarbeiterin.
Offiziellen Zahlen zufolge sind die Mieten in Portugal binnen zehn Jahren um 124 Prozent angestiegen. Das ist etwa doppelt so stark wie im EU-Durchschnitt. Besonders betroffen sind junge Menschen – und Bewohner von Lissabon. Proteste hat es auch in der nordportugiesischen Großstadt Porto gegeben. Dort ist ebenfalls ein Protestcamp errichtet worden.
Mailand
Wie in Frankreich ist es auch in Italien am Rande friedlicher Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Betroffen war vor allem die norditalienische Metropole Mailand, wo schwarz gekleidete, vermummte Jugendliche die Polizei auf der zentralen Piazza Duomo mit Feuerwerkskörpern und Flaschen bewarfen sowie Barrikaden errichteten, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. Die Polizei habe sich zunächst zurückziehen und auf Verstärkung warten müssen.
Italiens rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Gewalt. »Demonstrieren ist ein Recht, aber unsere Städte in Brand zu setzen nicht«, wurde sie zitiert. Auch der linksgerichtete Bürgermeister Mailands, Giuseppe Sala, verurteilte die Ausschreitungen, äußerte aber auch Verständnis für den Unmut vieler Menschen. »Die Gründe für den Protest waren verständlich. Die Gewalt gegen die Polizei und die schweren Schäden an der Stadt sind aber nicht zu rechtfertigen«, sagte er. »Ich bin besorgt, vielleicht unterschätzen wir die Proteste auf den Plätzen gerade.« so Sala weiter.
Auch in anderen Städten wie Turin, Bologna und Bergamo kam es demnach zu Zusammenstößen, bei denen Steine und Feuerwerkskörper auf die Polizei geworfen wurden. Allein in Mailand seien mindestens vier Polizisten und 20 Demonstranten verletzt sowie über 50 Jugendliche festgenommen worden. Die Hälfte von ihnen war minderjährig, wie Ansa weiter berichtete.
Vor allem Menschen mit geringen bis mittleren Einkommen werden durch die Inflation, hohe Benzin- und Dieselpreise in Italien stark belastet, während die Reallöhne stagnieren. In den Ballungszentren fehlt es zudem an bezahlbarem Wohnraum.
Brüssel und Lüttich
In Belgien hat die Polizei Wasserwerfer eingesetzt, um Teilnehmer von Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten auseinanderzutreiben. In Brüssel setzten die Beamten Tränengas gegen Jugendliche ein, die Flaschen und andere Gegenstände warfen, wie ein AFP-Journalist am Samstag berichtete. Nach Angaben der Polizei gab es etwa zehn Festnahmen.
Zu der Kundgebung, an der Hunderte Menschen teilnahmen, war zuvor aufgerufen worden. Der Protestmarsch war schließlich von den Behörden genehmigt worden. Polizeiangaben zufolge wurden Wasserwerfer eingesetzt, um Gruppen zu zerstreuen, die Feuerwerkskörper und brennbare Flüssigkeiten warfen. Die Demonstranten setzten Mülltonnen und E-Scooter in Brand und verwüsteten ein Büro der Sozialistischen Partei.
Auch in Lüttich setzte die Polizei Wasserwerfer ein, um kleinere Gruppen von Demonstranten aufzulösen. In der Stadt im Osten Belgiens waren bereits vor zehn Tagen bei Protesten Demonstranten und Einsatzkräfte aneinandergeraten.
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Weitere Proteste und Kundgebungen in europäischen Städten
Likely · Within weeks
Open Questions
- Wie werden die Regierungen auf die Forderungen reagieren?
- Drohen weitere landesweite Ausschreitungen?







