Marktbericht: DAX fällt unter 25.000 Punkte
Hohe Anleihenrenditen, steigende Ölpreise und neue Kriegssorgen drücken auf die Kurse. Im Fokus steht die neue Berichtssaison.
Quick Look
- Internationale Kapitalmärkte stehen unter Druck durch hohe Anleihenrenditen, steigende Ölpreise, Kriegssorgen und steigende Unternehmenschulden.
- Der DAX verliert zum Handelsbeginn ein Prozent auf 24.854 Punkte, während der Fokus auf der anlaufenden US-Berichtssaison liegt.
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Why It Matters
An den internationalen Kapitalmärkten belasten seit Wochen hohe Anleihenrenditen, steigende Ölpreise und geopolitische Risiken die Kurse.
Hohe Anleihenrenditen, wieder steigende Ölpreise, neue Kriegssorgen und immer mehr Unternehmenschulden sind seit Wochen die kritisch betrachteten Risikofaktoren an den internationalen Kapitalmärkten. Dem kann sich der DAX nicht entziehen. Kurz nach Handelsbeginn am Donnerstag verliert er ein Prozent auf 24.854 Punkte.
Nach drei Gewinntagen in Folge war die Aufwärtsbewegung am deutschen Aktienmarkt am Mittwoch gestoppt worden. Der DAX war um 1,35 Prozent auf 25.104,36 Zähler gesunken, der MDAX um 1,4 Prozent auf 30.112,41 Zähler.
Die gleichen Risikofaktoren wie hierzulande hatten auch den US-Märkten zugesetzt. Der Dow Jones war mit einem Minus von 0,7 Prozent aus dem Handel gegangen bei 51.180 Punkten, der S&P 500 der 500 größten börsennotierten Unternehmen mit 0,2 Prozent Abschlag bei 7.801 Zählern. Der breiter gefasste Nasdaq Composite hatte ebenfalls leichter geschlossen - hier stand ein Minus von 0,2 Prozent bei 27.538,69 Punkten auf den Kurstafeln.
Inzwischen richtet sich der Fokus auf die neue Berichtssaison. Von den 500 größten börsennotierten Unternehmen in den USA werden steigende Quartalsgewinne von durchschnittlich 25 Prozent erwartet. Das ist außerordentlich viel. Analysten zufolge muss sich allmählich beweisen, ob die jahrelangen Investitionen Renditen abwerfen. Viel Raum für Fehltritte sei nicht.
Jochen Stanzl, Chefmarkt-Analyst der Consorsbank, fast Lage und Stimmung so zusammen. Die Berichtssaison "muss abermals beweisen, ob die für KI aufgewendeten Milliardensummen die erhofften Renditen abwerfen. Die Bewertungen an der New Yorker Aktienbörse sind nur dann moderat, wenn das bereits vorweggenommene Gewinnwachstum von 25 Prozent im Gesamtjahr gehalten werden kann. Jegliche Risse in der Fassade des KI-Wachstums können die Korrekturrisiken schnell erhöhen."
Heute meldete der südkoreanische Tech-Konzern Samsung, dass sein operativer Gewinn zuletzt um das Neunfache gestiegen ist. Damit übersprang das Unternehmen erstmals in seiner Geschichte die Marke von 107 Billionen Won, das sind rund 70 Milliarden Euro. Samsung erreichte damit das vierte Rekord-Quartal in Folge, weil die Nachfrage nach KI-Chips größer ist als das Angebot. Das treibt die Preise.
Für Samsungs andere Produktwelten neben den Chips wie Smartphones, Unterhaltungselektronik, heißt das aber: sinkende Gewinnspannen. An der Börse fällt die Aktie und zieht international den Sektor mit sich - aber sie hat auch seit Jahresbeginn mehr als 140 Prozent gewonnen.
Der Lkw-Hersteller Daimler Truck wartete ebenfalls mit positiven Nachrichten auf: Der Absatz war im dritten Quartal stark gestiegen - um 26 Prozent. Am stärksten hatte Nordamerika dazu beigetragen. mit einem Plus von 51 Prozent. Europa legte um 13 Prozent zu.
Der Zuckerhersteller Südzucker hat im ersten Halbjahr mehr verdient, obwohl der Umsatz stagnierte. Der operative Gewinn stieg von 189 auf 303 Millionen Euro - der Umsatz blieb mit 4,188 Milliarden Euro fast auf Vorjahresniveau. Die Aktie steigt im frühen Geschäft.
Ein Hindernis und Belastungsfaktor für Unternehmen wie Verbraucher bleiben die Rohstoffmärkte: Die Ölpreise steigen weiter über die Marke von 100 Dollar. Die Nordseesorte Brent kostete heute Morgen gut 102 Dollar. Die Nervosität am Markt nimmt zu, weil die Vereinigten Staaten - so berichten US-Medien - neue Militärschläge gegen den Iran in den kommenden Wochen planen sollen. Die US-Regierung wolle damit vor den Zwischenwahlen im November die Spritpreise in den USA drücken und Fortschritte im Nahost-Krieg vorweisen.
Gerade wird das Angebot an Öl erneut knapper. Zwar fahren mehr Schiffe durch die Straße von Hormus, so dass mehr Öl über die Wasserstraße verschifft werden kann. Aber derzeit müssen Produzenten im Golf von Mexico unfreiwillig ihre Produktion drosseln; ein Tropensturm zieht heran, so dass bis über das Wochenende gut 500.000 Barrel Öl pro Tag weniger gefördert werden können. Das wäre ein Viertel der regionalen Produktion.
Indessen beschleunigt die Internationale Energie Agentur (IEA) die Freigabe von Ölreserven. Vorrangig soll Diesel auf den Markt gebracht werden, weil dieser Kraftstoff in einigen Märkten besonders knapp geworden ist. Außerdem signalisierte die Energieagentur, dass sie bei Bedarf weitere Reserven lockern würde.
Trotz hoher Preise für Öl und Gas wird erwartet, dass die Bundesregierung heute optimistischere Wirtschaftsprognosen als bisher vorstellt. Ökonomen halten eine Prognose von 1,3 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für möglich.
In den vergangenen Wochen hatten schon die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute ihrerseits ein größeres Wirtschaftswachstum für Deutschland in Aussicht gestellt. Indessen meldete das Statistische Bundesamt gesunkene Exporte von 0,8 Prozent im August, während Ökonomen mit einem Anstieg gerechnet hatten.
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING für Deutschland und Österereich sagt: "Im Handel zeigt sich Deutschlands Schwachpunkt. Während deutsche Exporteure im zweiten Quartal von der stärkeren Betroffenheit asiatischer Konkurrenten durch die Blockade der Straße von Hormus profitierten, erwies sich das dritte Quartal bislang als Rückschlag."
International etabliert sich ein neuer Trend: Trotz immer höherer Zinsen und steigender Renditen am Anleihenmarkt verschulden sich vor allem große Unternehmen immer mehr. Am Aktienmarkt wird kritisch betrachtet, dass Unternehmen wie der Raumfahrt-Konzern SpaceX oder der Software-Konzern Oracle neue Milliarden-Schulden machen wollen. Das Problem: Sie zapfen immer stärker die Anleihenmärkte an, deren Renditen ohnehin schon stark zulegen.
"Der Aufbau der KI begann mit Barmitteln. Zunehmend läuft er auf Kredit, und Kredit verändert das Risikoprofil vollständig", sagte Nigel Green, Chef der deVere Group. "Schulden müssen planmäßig zurückgezahlt werden, egal ob die Einnahmen fließen oder nicht."
What to Watch
AI outlook — possibilities, not facts
Bundesregierung stellt optimistischere Wirtschaftsprognosen vor
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Open Questions
- Wie stark fallen die Quartalsgewinne der US-Unternehmen tatsächlich aus?
- Kommen die geplanten US-Militärschläge gegen den Iran?




