
Steigende Temperaturen führen zu mehr Notfällen und Diskussionen über den Hitzeschutz.
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Steigende Temperaturen in den Sommermonaten führen zu einer erhöhten medizinischen Notfallbelastung und Diskussionen um nationale Hitzeschutzmaßnahmen.
Mehr Hitzetage, mehr Notfälle: Wenn die Temperaturen steigen, steigt auch die Belastung für den Rettungsdienst. Für Notfallsanitäter Bastian Metzinger hieß das in den letzten Wochen: rausfahren und helfen, auch bei weit über 30 Grad. "Wir können auch nicht sagen, wir machen Hitzefrei oder Homeoffice. Wir kommen, wenn die 112 gerufen wird, egal wie heiß es ist."
Metzinger ist stellvertretender Leiter beim Rettungsdienst des Arbeiter-Samariter-Bunds Berlin. Er und sein Team sind an den heißen Tagen zuletzt häufiger ausgerückt als sonst - da besonders viele Menschen medizinische Hilfe brauchten.
"Wir erleben natürlich, dass die Rettungsdienste einfach am Kapazitätslimit arbeiten. Sowohl wir als auch die Notaufnahmen. Es ist einfach ein erhöhtes Einsatzaufkommen, mit dem wir arbeiten müssen und mit dem wir zurechtkommen müssen", sagt er. "Und natürlich kommt auch die Belastung für unsere Kolleginnen und Kollegen dazu."
Bundesärztekammer sieht vermeidbare Todesfälle
2026 ist schon jetzt, noch vor dem Ende des Sommers, das Jahr, in dem es in Deutschland die meisten Todesfälle infolge von Hitze gab: laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts 14.000, allein bis Anfang August.
Für Klaus Reinhardt, den Präsidenten der Bundesärztekammer, ist dabei Folgendes entscheidend: "Das, was uns besonders beschäftigt, ist die Tatsache, dass man mit entsprechenden Maßnahmen die meisten dieser Verstorbenen oder Todesfälle hätte auch verhindern können."
Höheres Risiko für ältere Menschen
Was im Alltag oft übersehen wird: Hitze kann bereits bestehende Erkrankungen so stark verschärfen, dass daraus ein medizinischer Notfall wird. Das größte Risiko besteht den RKI-Daten zufolge für ältere Menschen ab 75.
"Jemand, der eine Gefäßverkalkung hat im Kopf, altersbedingt, der nicht ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, bei dem dickt sozusagen das Blut ein, dass es tatsächlich zu einer Verstopfung eines Gefäßes kommt oder zu einer Mangeldurchblutung bestimmter Hirnareale, mit dann anschließender Ausbildung eines Schlaganfalls", erklärt Klaue Reinhardt. So ein Schlaganfall ließe sich zum Beispiel verhindern. Die Frage ist: Passiert das schon systematisch genug?
Was bringt der Hitzeschutzplan?
Seit 2023 gibt es einen Hitzeschutzplan für Gesundheit, den das Bundesgesundheitsministerium im letzten Jahr noch erweitert hat. Er soll dafür sorgen, dass Hitzewarnungen möglichst viele Menschen erreichen und Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime vorbereitet sind.
Doch es gibt ein Problem, sagt Christos Pantazis, der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion. "Ich will nicht negieren, dass der Plan gut ist und dass wir da an der Stelle gute Überlegungen haben einfließen lassen, noch in der damaligen Ampel-Regierung. Allerdings müssen sie mit Geld hinterlegt werden."
Vorstoß für Grundgesetzänderung
Und genau da wird es politisch kompliziert: Für Investitionen in die Infrastruktur sind vor allem Länder und Kommunen verantwortlich. Der Bund kann nicht einfach überall mitbezahlen.
Pantazis und weitere SPD-Politikerinnen und -Politiker wollen deshalb die Zuständigkeiten neu ordnen. "Aus meiner Sicht ist ja Hitzeschutz, davon bin ich fest überzeugt, kein Komfort, sondern er ist gelebter Gesundheitsschutz. Und deswegen halte ich es auch für sinnvoll, dass man die Klimaanpassung übrigens auch als Gemeinschaftsaufgabe auch im Grundgesetz verankert." Sollte das passieren, müsste der Bund mindestens die Hälfte der Kosten tragen.
Bastian Metzinger und der Arbeiter-Samariter-Bund wären dafür: "Der beste Rettungsdiensteinsatz ist eigentlich der, den wir gar nicht erst fahren", sagt er. "Das heißt, wenn viel in Prävention investiert wird. Wir schauen, dass wir gut angepasste Städte haben, wo die Bevölkerung nicht so unter der Hitze leidet. Dann ist uns, glaube ich, schon viel geholfen."
Im Sommer 2022 verzeichnete Europa laut EuroMomo mindestens 30.000 zusätzliche Todesfälle infolge von Hitzewellen. Besonders kritisch waren die letzte Juni-Woche und die erste Juli-Woche mit insgesamt 24.000 zusätzlichen Toten in diesen Zeiträumen.

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