Politiker von CDU und SPD äußern sich besorgt über die Wahl von Tobias Rausch und fordern Aufklärung innerhalb der Union.
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Der AfD-Politiker Tobias Rausch wurde zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt gewählt, wobei Stimmen aus anderen Fraktionen vermutet werden. Die AfD wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.
Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz blickt kritisch auf die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt. Wer genau für Rausch stimmte, wisse wegen der geheimen Wahl zwar niemand, sagt er in Berlin auf einer Veranstaltung von „Handelsblatt“ und „WirtschaftsWoche“. Gleichwohl gelte, dass jemand, der seine Stimme der AfD gebe, „das Spiel der Extremisten“ spiele und Glaubwürdigkeit zerstöre, sagt Merz: „Mit den Werten meiner Partei, der CDU, verträgt sich das jedenfalls nicht.“
Schleswig-Holsteins CDU-Vorsitzender Daniel Günther kritisiert die Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt mit Stimmen aus anderen Fraktionen scharf. „Die über die mit den Stimmen von AfD und BSW hinausgehende Mehrheit der Abgeordneten des Landtages hat ein Ergebnis zu verantworten, das uns fassungslos macht und entsetzt“, schreibt Günther auf seinem Landesvorsitzenden-Account bei Facebook. „Sollte jemand aus den Reihen der Union daran mitgewirkt haben, hat er oder sie nicht nach den Werten der Union gehandelt.“ Günther weiter: „Für uns gilt ausnahmslos: keine Zusammenarbeit mit Rechtsextremisten. Nicht in Regierungen und nicht im Parlament.“ Aufrecht sei, wer auch in der Wahlkabine zu seinem Wort stehe – gerade dann, wenn niemand hinsehe. „Die politische Mitte hat in diesen Zeiten mehr denn je die verdammte Pflicht, die Probleme des Landes gemeinsam zu lösen“, so der Landesvorsitzende, der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein ist.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat sich besorgt über die Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten im benachbarten Sachsen-Anhalt gezeigt. „Dass das Amt des protokollarisch höchsten Repräsentanten des Landes dort an jemanden gegangen ist, der aus einer Partei kommt, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, darf keine Normalität werden“, sagte Lies.
Der sachsen-anhaltische Landtagspräsident Tobias Rausch (AfD) geht davon aus, auch mit Stimmen aus der CDU-Fraktion gewählt worden zu sein. Dem Portal „Nius“ sagte er zudem, es sei abgesprochen, dass AfD-Ministerpräsidentenkandidat Ulrich Siegmund bei der Wahl im Dezember ebenfalls mit diesen vier Stimmen rechnen könne.
Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Wiebke Esdar nimmt nach der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt Bundeskanzler Friedrich Merz in die Pflicht. Als Vorsitzender der CDU sei es seine Verantwortung, seine Kollegen davon zu überzeugen, dass diese Wahl „mit der historischen Verantwortung, die wir in der Demokratie alle haben, gerade dann, wenn wir in Parlamente gewählt sind, nicht vereinbar ist“, sagte Esdar im Deutschlandfunk.
Ein Machtwort erwartet die SPD-Politikerin dabei nicht unbedingt von Merz. „Ich glaube, dass Politik heute eher mit Werten und Überzeugungen funktioniert.“ Auch sie lasse sich von Machtwörtern in ihrem politischen Handeln nicht einschüchtern. Aber: „Ich erwarte, dass die Union nun endlich erkennt, welche historische Verantwortung wir auch dafür haben, dass gesichert rechtsextreme Parteien bei uns in Deutschland nicht wieder zu Macht verholfen wird“, sagte Esdar weiter. Es brauche eine klare Abgrenzung.
Die Vize-Vorsitzende der Bundes-CDU, Familienministerin Karin Prien, hat sich nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt besorgt geäußert. Sie habe noch keine Bestätigung dafür, „dass in dieser geheimen Wahl geklärt ist, wer nun wie abgestimmt hat, aber ich will deutlich sagen: Sollten es Kolleginnen und Kollegen der CDU-Landtagsfraktion gewesen sein, dann ist das natürlich vollkommen inakzeptabel. Wir haben dazu klare Beschlüsse. Dazu gehört auch die Stimmabgabe für Anträge der AfD.“
Nach der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt sieht die Linke die Gefahr einer rechtsextremen Regierung in dem Land und hat die CDU scharf kritisiert. „Wer einem Rechtsextremen seine Stimme gibt, hat jedes Recht verloren, sich als Demokrat zu bezeichnen“, sagte Fraktionschefin Heidi Reichinnek. Wer sich da „enthält, hat keine Haltung“. Sollte es für den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, der sich im Dezember in Magdeburg zur Wahl stellen will, „auch nur eine Stimme aus der Union“ geben, werde Kanzler Friedrich Merz (CDU) „endgültig als derjenige Parteivorsitzende in die Geschichte eingehen, der den Rechtsextremen den Weg zur Macht geebnet hat“, warnte Reichinnek.
Die Bundestagsfraktion der SPD versammelt sich nach der Wahl des ersten AfD-Landtagspräsidenten spontan zu einem Protestmarsch mitten in Berlin. Gemeinsam liefen die Abgeordneten vom Bundestag durch das Brandenburger Tor zum Bebelplatz, dem Ort der Bücherverbrennung nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Mehrere Parlamentarier tragen dabei Grundgesetz-Bücher in der Hand. Am Ende stimmt Verteidigungsminister Boris Pistorius nach einer engagierten Rede die Nationalhymne an.
Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil sieht nach der Wahl von Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt auch Klärungsbedarf bei der CDU. Dass Rausch mit deutlich mehr als den AfD-Stimmen gewählt wurde, „wirft sehr drängende Fragen auf“, erklärt Klingbeil. „Nicht nur das BSW, sondern auch die CDU muss dringend erklären, wie es dazu kommen konnte.“
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Wahl von Ulrich Siegmund im Dezember
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Chancellor Friedrich Merz criticizes the election of AfD politician Tobias Rausch as state parliament president in Saxony-Anhalt. He indirectly condemns CDU MPs who helped Rausch gain a majority and warns of a red-green-red coalition in Berlin.
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In Magdeburg, Tobias Rausch, an AfD politician, was elected President of Parliament for the first time. Research suggests that in addition to the AfD and BSW, CDU MPs also voted for him and for Vice President Hans-Thomas Tillschneider.