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MSCI World im Jahr 2026: Zwischen KI-Boom, US-Dominanz und verdeckten Risiken
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Handelsblatt2 hours agoBusiness3 min readGermanyView translation

MSCI World im Jahr 2026: Zwischen KI-Boom, US-Dominanz und verdeckten Risiken

Trotz starker Renditen ist der MSCI World längst nicht mehr so breit aufgestellt wie oft angenommen. Experten warnen vor einer verdeckten Konzentration bei Tech und Chips.

Quick Look

  • Der MSCI World verzeichnet 2026 solide Zuwächse, ist jedoch stark von US-Tech-Konzernen, dem Dollar und der Chipindustrie abhängig.
  • Experten warnen vor verdeckten Risiken trotz guter Renditen.

AI-generated summary

Why It Matters

Der MSCI World Index verzeichnet im Jahr 2026 eine Rendite von rund 20 Prozent, leidet jedoch unter einer hohen Konzentration auf US-amerikanische Tech-Unternehmen und die Halbleiterindustrie.

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Berlin. Für Anleger ist 2026 kein einfaches Jahr. Das Wechselbad aus KI-Hype und Angst vor einer KI-Blase lässt die Aktienkurse von Tech-Konzernen wie Alphabet, Nvidia und Amazon stark schwanken. Der Nahostkonflikt und die Blockade der Straße von Hormus haben mehrfach die Börsen bewegt, sei es wegen neuer Kampfhandlungen oder kurzzeitiger Waffenruhen.

Dennoch liegt der Aktienindex MSCI World, der als Klassiker bei deutschen ETF-Sparern gilt, bei einem Kurszuwachs von rund 20 Prozent für die vergangenen 365 Tage. Er steht damit auf ähnlichem Niveau wie Gold und war auf jeden Fall die deutlich bessere Alternative als ein Investment in Bitcoin.

Zugleich ist der MSCI World jedoch längst nicht mehr so breit aufgestellt, wie viele Anleger annehmen. Entsprechend sollten sich Anleger einige wichtige Fragen stellen, bevor sie einsteigen. Denn ein Investment in den MSCI World ist derzeit eine Wette auf gleich mehrere Faktoren.

Verglichen mit der Talfahrt in der ersten Jahreshälfte 2025 hat sich der Dollar gegenüber dem Euro deutlich erholt. Damals war der Währungsverfall einer der Hauptgründe, wieso für europäische Anleger die Rendite beim MSCI World 2025 schlechter ausfiel als in früheren Jahren. Aktuell liegt der Dollar sogar drei Prozent über der Talsohle im Januar 2026.

Und doch sind die jüngsten Schwankungen eine Reaktion auf den Kurs von US-Notenbankchef Kevin Warsh, der den Marktteilnehmern nicht mehr jeden Zinsschritt haarklein im Voraus ankündigen will. Das zeigt, dass der Ruf des Dollars als stabile Weltwährung angekratzt ist. Michaela Hönig, Professorin für Asset-Management an der Frankfurt University of Applied Sciences, spricht von einer „Politisierung der Wirtschaft“ unter US-Präsident Donald Trump, die es für Anleger nicht einfach mache, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Immerhin: Mit einem ETF mit Währungsabsicherung lässt sich das Währungsrisiko ein Stück weit abfedern. Im größten währungsgesicherten ETF auf den MSCI World vom Anbieter Blackrock zum Beispiel werden monatlich Devisentermingeschäfte getätigt.

Neben der Abhängigkeit vom Dollar ist der MSCI World auch in seiner Zusammensetzung stark in Richtung der USA gewichtet. Unternehmen aus den Vereinigten Staaten machen mit mehr als 70 Prozent den größten Länderanteil des MSCI World aus.

Das ist ein seit Jahren bekannter Umstand und führt dazu, dass Anlageberater ein Investment in den MSCI World als ein „Momentum“-Investment sehen. Man wettet darauf, dass gut laufende Werte auch weiter stark performen werden.

Der Einfluss des Tech-Sektors ist vor diesem Hintergrund in den letzten Monaten noch weiter gewachsen. Er macht inzwischen rund 29 Prozent des Indexes aus. Der US-Chipkonzern Nvidia allein kommt auf ein Gewicht von etwa fünf Prozent – mehr als alle deutschen Unternehmen zusammen. Damit hängt die Wertentwicklung des Indexes stärker denn je an wenigen US-Tech-Konzernen.

Das gibt auch Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privatkunden Deutschland bei der Deutschen Bank zu denken: „Eine breitere Entwicklung im Markt mit nachlassenden globalen Unsicherheiten wäre sicherlich wünschenswert“, sagt er. Problematisch finde er die Konzentration generell jedoch nicht, denn die führenden Unternehmen schrieben hohe Gewinne.

Besonders deutlich ist dennoch die Abhängigkeit des MSCI World von der Chipindustrie. Ludovic Subran, Chief Investment Officer der Allianz spricht gar von „oligopolartigen“ Strukturen. „In manchen Segmenten der Chiplieferkette gibt es nur eine Handvoll Akteure, manchmal sogar nur einen“, erklärt er. Die Namen dieser Akteure sind bekannt: Nvidia, TSMC, ASML.

Das führt dazu, dass zwar auf dem Papier die Halbleiterindustrie nur etwa zwölf Prozent des Gewichts im MSCI World ausmacht. Etwa 19 Prozent der Bewegung des MSCI World korrelieren aber mit Veränderungen beim Chip-Index SOX, dem Philadelphia Semiconductor Index.

Professorin Hönig spricht daher von einer verdeckten Konzentration in Bezug auf die Chipbranche: „Diese verschiedenen Einflussfaktoren als Anleger wirklich zu sehen, ist extrem schwierig.“ Ähnlich sieht es Stratege Stephan, der davon ausgeht, dass man eher etwa über 30 Prozent aller Werte im MSCI World im weitesten Sinne im Einflussbereich von KI und Chipindustrie sehen muss.

Für den nach wie vor großen Einfluss der Chipbranche spricht jedenfalls auch, dass über die Zeit die Korrelation der Marktbewegungen von MSCI World und SOX nicht geringer geworden ist.

Wer also auf den MSCI World setzt, macht damit laut den Experten im Grunde eine Wette auf einen weiteren Boom der Chipbranche. Es gibt für diese Annahme gute Gründe.

So kommt Subran gemeinsam mit Kollegen zum Schluss, dass der aktuelle Chipboom nicht unbegründet sei. Die Allianz-Experten gehen unter anderem davon aus, dass die Nachfrage-Pipeline für KI-Einsatz und damit für Chips solide sei. Zugleich sehen sie den Vorsprung der großen Chipunternehmen ihren Konkurrenten gegenüber als groß genug an, um nicht in einen Preiskampf nach unten zu geraten.

Schwierig ist die Situation für eine andere Gruppen von Anlegern: diejenigen, die davon ausgehen, dass die Krise um die Straße von Hormus sich auf die Chip-Lieferkette auswirkt. Diejenigen, die dem Rechenzentrenausbau der sogenannten Hyperscaler – also der Cloud-Anbieter, die weltweit Rechenzentren mit Millionen von Servern betreiben – misstrauen. Oder diejenigen, die gar einen Angriff Chinas auf Taiwan befürchten.

Denn nicht nur der MSCI World könnte hochgradig von solchen Entwicklungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Alternativen wie der MSCI Emerging Markets sind durch das große Ländergewicht von China, Taiwan und Südkorea potenziell noch vulnerabler.

Hönig sieht hier nur den Ausweg über andere Branchen-ETFs, die in letzter Zeit gut performten, wie zum Beispiel in den Bereichen, Medizintechnologie, Cybersicherheit oder Nachhaltigkeit. Hier wiederum herrscht aber ein großes US-Gewicht, was wieder zu einem Problem werden kann.

Open Questions

  • Wie stark werden geopolitische Konflikte die Chip-Lieferketten beeinträchtigen?
  • Wird die Konzentration auf wenige Tech-Konzerne anhalten?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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