Neue Recherchen setzen Netanyahu wegen Hamas-Warnungen unter Druck
Berichte legen nahe, dass die VAE und Ägypten Israel vor einem Großangriff der Hamas gewarnt hatten, die Informationen jedoch offenbar nicht im Sicherheitsapparat ankamen.
Quick Look
- Berichte der »New York Times« und des »Atlantic« stützen Hinweise, wonach die VAE und Ägypten Israel vor einem Hamas-Angriff gewarnt hatten.
- Die Warnungen sollen den israelischen Sicherheitsapparat jedoch nicht erreicht haben.
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Why It Matters
Bereits im September berichteten Journalisten über Hinweise auf ein Telefonat zwischen Mohammed bin Zayed und Netanyahu bezüglich möglicher Hamas-Pläne.
Bereits Anfang September berichteten die Journalisten Schlomi Eldar und Ruth Yuval in einem Buch und in der israelischen Zeitung »Haaretz« über entsprechende Hinweise. Demnach telefonierte Mohammed bin Zayed, Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), anderthalb Wochen vor dem Hamas-Angriff mit Netanyahu. Er sprach dem Bericht zufolge eine Warnung aus: Hamas-Chef Yahya Sinwar plane eine Operation gegen Israel, die Folgen weit über Israel und Palästina hinaus haben werde, mithin den ganzen Nahen Osten destabilisieren könnte. Netanyahu soll die Entscheidungsträger im israelischen Sicherheitsapparat nicht über das Telefonat informiert haben.
Premier Netanyahu wies den Bericht kategorisch zurück. Doch nun steigt der Druck, einen Monat vor den anstehenden Parlamentswahlen.
»New York Times«-Recherche setzt Netanyahu unter Druck
Denn eine neue Recherche der »New York Times« stützt den Bericht der israelischen Journalisten. Eine Person, die mit Mohammed bin Zayed gesprochen habe, und eine Person, die über das Telefonat unterrichtet worden sei, hätten die Informationen bestätigt. Demnach habe bin Zayed Netanyahu mitgeteilt, dass die Hamas einen groß angelegten Angriff in Erwägung ziehe.
Die Warnung des emiratischen Staatschefs erreichte der »New York Times« zufolge jedoch laut fünf ehemaligen hochrangigen israelischen Beamten niemals die Führungskräfte des israelischen Sicherheitsapparats. Netanyahu berief dem Bericht zufolge seine Sicherheitschefs am 1. Oktober 2023 zu einer Sitzung über die Lage im Gazastreifen ein und erwähnte die Warnung dabei laut dem Sitzungsprotokoll mit keinem Wort. Netanyahu habe in der Sitzung lediglich gesagt, man müsse die Ruhe in Gaza aufrechterhalten.
Netanyahu hat sich zu dem Bericht bislang nicht geäußert.
Weitere Warnungen an Israel
Auch das US-Portal »The Atlantic« berichtet derweil über eine ähnliche Warnung an Israel. Demnach soll Ägyptens Geheimdienstchef Abbas Kamel am 26. September 2023 nach Tel Aviv geflogen sein. Unklar ist dem Bericht zufolge, mit wem genau er sich in Israel traf. Er soll die Regierung aber gewarnt haben, dass die Terrororganisation Hamas sich offenbar auf einen groß angelegten Angriff vorbereite. »The Atlantic« beruft sich in seinem Bericht auf israelische, ägyptische, arabische, US-amerikanische und europäische Beamte, die über Kamels Besuch informiert worden seien.
Kamel soll der israelischen Regierung vor Ort empfohlen haben, der Hamas wirtschaftliche Zugeständnisse zu machen. Die Botschaft soll einem ehemaligen israelischen Beamten zufolge gewesen sein: Wenn ihr euren Kurs nicht ändert, fliegt euch der Gazastreifen um die Ohren. Unklar ist, wie die israelischen Sicherheitskräfte auf die Warnung reagierten.
Elf Tage später griff die Hamas Israel an und löste den Gazakrieg aus. Seitdem wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen mehr als 73.900 Palästinenser getötet. In der Statistik wird nicht zwischen Zivilisten und bewaffneten Kämpfern unterschieden.
Open Questions
- Warum leitete Netanyahu die Warnungen angeblich nicht an den Sicherheitsapparat weiter?
- Mit wem traf sich der ägyptische Geheimdienstchef exakt in Israel?




